Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1866)
- Date
- 1866-07-10
- Page
- Seite 446 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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haben, was sie schön aus Menschenliebe doch hätten thun müssen, wenn sie die Belehrung der Menschheit über'den Monotheismus als ihre Aufgabe erkannt, zerfällt. dadurch, daß die Juden ihre Religion , nie für die allein selig machende ansahen, zufolge des Lehrsatzes der Alten: „Auch die Gerechten anderer Na-, tionen haben Antheil am ewigen Leben." Die Juden hatten vielmehr, und haben die Mssion, die Lehre des. Monotheismus und deren uralte heilige Dokumente in ibrer Ursprünglichkeit zu bewahren, während Christenthum und Islam den Uebertritt der Heiden zu jener Religion ermöglichen, welche dann herrschen wird, wenn für alle Bewohner' der Erde der Ewige einzig und sein Name einzig sein wird. Daß Herr von Andel die von ihm uns bestimmte Mission dadurch plausibler macht, daß er -eine Berechnung aufstellt, vermöge deren die Zeit der Vereinigung^ in Palästina für uns gar nicht ferne liegt, beantworten wir mit seinen eigenen Worten, daß alle derartigen Berechnungen nichts als müßige Spielereien und täuschend sind, und daß es höchst ungeschickt ist, uns in einem Augenblicke Palästina als unsere eigentliche Heimath, die Auswanderung dahin als verdienstlich,. ersprießlich und möglich darzustellen, "wo in Oesterreich allein 25000 Mann Israeliten für ihr ihnen angeborenes Vaterland, das Land, in dem die Gebeine ihrer noch von ihnen gekannten Voreltern ruhen, im Felde unter den Waffen stehen. Ist es nicht mindestens höchst ungeschickt den Juden bloß zur Erläuterung des Satzes im Propheten: to inuu-' 8b->„ zu sagen: Ihr Juden bücket Euch zwar nicht vor Götzen aus Metall, Stein oder Holz, ihr trerbt aber. Götzendienst mit dem Mammon und betet ihn an! Und in derselben Predigt nennt Herr von Andel England das gesegnete hochgelobte Land! England, das in jedem Welttheile stets neben dem Missionshause eine Factorie baut und. jedem Ballen Bibeln, den es in die Ferne sendet, 1000 Ballen Calicos. oder andere Manufacturwaaren beigiebt; dessen Menschenliebe und Mission anrüchig geworden vom Pulverdampfe jener Kanonen, von deren Mündungen Tausende , von Indiern weggeblasen worden. . Wir wollen aber abbrechen, denn wir sind in Gefahr bitter zu werden, und das möchten wir doch nicht, gerne, denn die Worte des Herrn Pastors durchweht ein Geist der Humanität und Liebe, die wir sehr gerne -frisch erhalten sähen, und . zudem sind die Ausschreitungen so ungefährlich, daß sie von - den warmen Anerkennungen weit überboten werden, und zudem wollen wir sehen und hören, ob und was Herr von Andel weiter sprechen wird, und seinerzeit unsere Leser ferner d avon'unterhalten. v. M. Schweiz. Endingen, 20. Juni. (Privatmitth.) Erlauben Sie mir Folgendes als Ergänzung zu dem Nekrolog des sel. Oberlehrers Bernheim nachzutragen, da es als nachahmungswürdiges Beispiel Vielen empfohlen werden kann. Bon seinem warmen Eifer für die Angelegenheiten des Judenthums giebt sein Auftreten im Jahre 1844 schöne Belege. Damals wurde die vom Dekan Probst zu Dornek verfaßte Schweizergeschichte für die Jugenv auf Empfehlung des Hohen Kantonschulrathes in die aargauischen Schulen eingeführt. Bernheim entdeckte ' bald zwei Abschnitte in dem Buche, von denen der eine die s. g. „Brunnenvergiftung", der andere die Erzählung von der Vertreibung der Juden aus Bern wegen Beschuldigung eines Kindermordes rc. erzählte, und seine wohlgegründete Besorgniß die Darstellung solcher von mittelalterlichem Fanatismus erzeugten Erdichtungen, die hier im Gewände historischer Wahrheit erschienen, möchte aus die jugendlichen Herzen unseres Landes schädlich einwirken und den alten, noch lange nicht erloschenen : Judenhaß neu anfachen, veranlaßt unseren Bernheim das Buch in öffentlichen Blättern sowohl, als auch bei der Lehrerconferenz und den Schulbehörden einer schar-, fen Kritik zu unterwerfen. In einem gediegenen Aufsätze in den „Schweizerischen Schulblättern" setzte er mit Klarheit und Schärfe die Lügenhaftigkeit jener gegen - bte Juden erhobenen verleumderischen Erzeugnisse des Judenhasses auseinander und es gelang ihm, dem vielverbreiteten Buche. Probstes den Riegel vorzuschieben. Noch muß ich der sehr gelungenen Grabrede erwähnen, die: Herr Rabbiner Dr. Kayserling am Sarge des Verblichenen gehalten. Er. schilderte in prägnanter Kürze das Wirken und Leiden des Verewigten, und sprach in eindringlichen Worten über den Dank, den die Gemeinde ihrem gewesenen Jugenderzieher,, der somit Erzieher des größten Theiles der Gemeinde genannt werden kann, schuldig ist,, und empfahl am Ende die ' brave Gattin: des Verewigten ihrer Fürsorge.; Pr, .