Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1866)
- Date
- 1866-07-10
- Page
- Seite 444 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226556--24098-3251437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m bereit stehen, wo Israeliten aller BerufSclassen Mt Staatsbürgern anderer Confeffianen in Opfern zum Wohle des Vaterlandes wetteifern, dürste die Veröffentlichung eines Actenstückes nicht unzeitgemäß sein-- das vor mehr als 160 Jahren ausgestellt, den Beweis Liefert, daß Patriotismus und Menschenliebe Lei den Juden in Oesterreich niemals gefehlt haben. Es Lautet: „Wir Endes Unterschriebene Verkündten, und Bekennen hrmit der Edlen Warheit zur Steuer, aller orthen, da- und wo Vonnöthen, Waß maaßen Nachdeme deruntern -6te Mai a. c. Beh Prag gewesten Patalie die Kcchßr-Königl. Militer Plessirterr sich Nacher Prag Verfüget, der Prager Jud Elias Plowetz Barbirer sich dazumahlen auf der alt-Städter Haubt-Wacht Nebst mit sich gehabten Instrumenten und Medicamenten eingefunden und selbter Bey sothanen Plessirten sich sehr Emssig und fleißig dergestallten gebrauchen Lassen, daß er im Verbündten, dann ader-lassen und auß Schneidung der Kugeln sowohl in Hcchßern wo anfänglich die Plessirten gelegen, als auch in denen Hospitälern in allen und Jeden sothane Plessirte Vortrefflich Bedient, und ohne Mündeste Bezahlung Continuirlich. Ja sogar wehrender stündlicher Beschieß- und Bombardirung der Stadt Prag in Lebens Gefahr, doch allezeit sothane Plessirte abgewarchet hat, durch wessen Langwürigangewenden Fleißes Vielle gefährlichkeiten Verhüttet, und die Plessirten zur Gesundheit Restituiret worden; Daß dem also und nicht anderst sehe, Ein solches wir hiemit gewissenhaft Attestiren zu wessen Bekräftigung wir unß nicht nur aigenhändig unterschreiben,' sondern auch unßere angebohrene Pettschaster Beygedrucket haben. Actum Prag 24 t 8bris An. 1757. Keßler Von Kestenach Platz Lieut. Franz Freyher Von Fischern Unterlehdinand Von Keuhl dermahlig selbst gewester Plesirter F. H. v. Ebenholtz Ob. Lieut. Von Braun Zu erwähnen ist hier noch besonders, daß ein Enkel desmit obigem Diplome Ausgezeichneten, Herr Med. Dr. Plowitz, ein geschätzter praktischer Arzt in Prag, so eben auch seine unentgeltliche Dienstleistung für gewisse Eventualitäten des Krieges den Militairbehbrden angeboren hat. PMg, L Juni (Prtvatmitth.). Motto: „Einstens rannten uns die Dicken mit dem hie TWen ü»; Jetzo Machen uns die Dünnen durch das «Kchlüstelloch herein." Anast. Grün. Im Buche Hesekiel Cap. 37. Vers 16 u. s. w. heißt es: „Und du Menschenkind! nimm ein Holz, schreibe darauf für Jehudah und die Kinder Israels seine Zugethanen; ein anderes Holz nimm, und schreibe darauf für Josef das Holz Efraims und das ganze Haus Israels, seine Zugethanen ü. s. w." Wahrlich, eine klügere Art die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich zu ziehen, dessen Neugier und Interesse zu erregen, konnte wohl nicht gefunden werden, als wenn der als ernster und strenger Mann bekannte Prophet sich auf öffentlichem Platze hinstellte mit allerlei Werkzeuge und Schreibgeräthe und vor den Augen des sonst gegen Predigten blasierten Publikums sich zu sonderbaren Prozeduren anschickte. Wir müssen doch sehen, was da geschieht! mochte dann die sonst apathische Menge sagen, die Aufmerksamkeit war erregt und die begeisterte Beredsamkeit des Propheten that das weitere Nothwendige. In dieser Weise erklärte in seinem , gestern gehaltenen Vortrage der evangelische Pastor Herr A. von Andel die oben citirten Verse Ezechiels, und die folgende in mehreren Tagesblättern veröffentlichte Annonce bewies, wie er das Beispiel des Propheten praktisch zu verwerthen verstand. Die Annonce lautet: „Heute Sonntag den 3. Juni 1866 4 Uhr Nachmittags wird der Herr Prediger A. von Andel in der evangelischen Pfarrkirche zu St. Michael, mittlere Gärbergasse, die Betrachtungen über die Weissagungen Hesekiels fortsetzen." Hätte Herr von Andel einfach angekündigt, er wolle Missionspredigten für die Juden halten, wir glauben kaum, daß er ein Publikum gefunden hätte, während Betrachtungen über die Prophezeiungen des Ezechiel eine gelehrte Abhandlung erwarten ließen, und so manchen anlockten, der gerne einen Gegenstand von verschiedenen Standpunkten beleuchtet sieht, oder sich die Freude einer kritischen Polemik erhofft. Doch müssen wir auch die Bermuthung beifügen, Herr Pastor von Andel habe den Einladungen, die er an mehrere jüdische Fanülien gelangen ließ, die Versicherung beigefügt, es werde da nicht allzu gelehrt h'ergehen; wür- J). Mi