Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-10 · Heft 28 (10.7.1866) · p. Seite 442

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 28 (10.7.1866)
Date
1866-07-10
Page
Seite 442 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226556--24096-3251435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

'Beitrage irgend ein gemeinnütziges jüdisches Unternehmen fördern und dann die Vörträge der Herren Ge- " lehrten entgegen nehmen. Man verschiebt natürlich die Bemühungen für dieses Unternehmen bis zum Winter, doch soll sein Zustandekommen schön gesichert sein. Auch diesem weitern Verein werden sich wieder jüdische hiesige Capacitäten, wie z. B. Prof. Dr. Traube, anschließen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde veranstaltete Mittwoch in der Hauptsynagoge eine gottesdienstliche Feier, in welcher der Vorstand und Gemeindemitglieder sich sehr zahlreich eingefunden hatten. Der Synagogenchor unter der trefflichen Leitung des kgl. Musikdirectors Herrn L. Lewandowski eröfsnete die Feier unter Absingung eines eignen für den Zweck von Herrn Lewandowski in gewohnter Meisterschaft componirten Psalmes. Hierauf bestieg der greise Rabbiner Herr E. Rosenstein die Kanzel und trug ein von ihm zum heutigen Tage verfaßtes hebräisches Gebet vor, welches' einen tiefen Eindruck auf die andächtige Gemeinde machte. Den Culminationspunkt dieser Feier bildete die schwungvolle und zum Herzen der andächtigen Zuhörer dringende Predigt des Rabbiners vr. Apolant, und mancher Vater und manche Mutter, deren Sohn heute in den Reihen unseres Heeres dem Feinde gegenübersteht, verließ erhobenen Gemüthes das Gotteshaus, Trost findend in den Worten des begeisterten Predigers, daß es das Vaterland sei, 'dem sich ihre Söhne geweiht und dessen bedrohte Existenz zu vertheidigen, die höchste Aufgabe eines jeden Bürgers sei. In den Baruch Auerbach'schon Waisen-Erziehungsanstalten für jüdische Knaben und Mädchen wurde am 27. v. M., Vormittags 9 Uhr, ein feierlicher Festgottesdienst durch den Director Dr. Auerbach abgehalten und in innigem Gebete Gottes Segen für das königliche Haus und für das tapfere Heer erfleht. Gesang schloß die ernste Feier. Berlin, 27. Juni. (Privatmitth.) Obgleich das 4 landesherrliche Rescript, welches auf den heutigen Tag einen Bettag für alle zum preußischen Staate gehörigen Lande ausschrieb, unmittelbar nur an die christlichen Kirchen gerichtet war und auch in seiner Motivirung das christliche Dogma hervorhob, so verstand es sich von selbst, daß dennoch die jüdischen Gemeinden sämmtlich einen solchen Bettag hielten und in allen ' Synagogen Gottesdienst, möglichst mit Predigt verbunden, abgehalten wurde. Wer sollte sich nicht auch in einer Zeit, wie wir sie jetzt durchleben, gedrungen fühlen, vor dem höchsten Lenker, aller Geschicke Alles was das Herz so tief bewegt, auszusprechen! Eine große Zahl von Familien hat Angehörige draußen im Feldlager, wo die Strapazen des Marsches und des Bivouaks, die ungeregelte Lebensweise, die Zusammenhäufung so vieler Menschen auf enge Räumlichkeiten und die daraus erfolgenden Krankheiten nicht minder wie * Schlachten und Gefechte, das Zusammentreffen und der Kampf mit dem Feinde ihr Leben bedrohen. Nicht minder viele sind in den letzten Monaten und in der nächsten Zukunft vom Verluste ihres Vermögens und Erwerbes, von Noch und Sorge vielfach bedrängt. Und für alle diese und für diejenigen, welche von solchen Leiden und Besorgnissen nicht oder weniger berührt sind, besteht die Sorge um das Schicksal des Vaterlandes, um das Schicksal so vieler Menschen und gewissermaßen der ganzen Menschheit, wenigstens in einem großen Theile Europas, Gegenwart und Zickunft sind in einen trüben Flor gehüllt, und wenn wir auch wissen und festhalten in unserer innigsten Ueberzeugung, daß schließlich die göttliche Vorsehung alles Mißgeschick zum Bessern wendet, und selbst über die größten Uebel leichter hinwegführt, als es dem bangen Menschenherzen vorkommt in der Stunde der Bedrängniß — so können sich doch noch zahllose Wirrsale bis zu einem solchen Ziele zwischenlegen und wir können heute noch nicht abmessen, wann wir wieder freier aufathmen werden. Also wie sollte nicht in jeder Brust der Drang wohnen, einen Tag zu feiern, an welchem er mit all seinem Anliegen vor seinen Gott treten möchte! — Während - in früheren Zeiten die königliche Regierung bei allen Veranlassungen, wo sie in den Gotteshäusern einen gottesdienstlichen Act forderte, z. B bei Ereignissen in der königlichen Familie, desfallsigeErlasse auch an alle jüdischen Gemeinden ergehen ließ, ist es seit 1848 bei ihr Praxis geworden, dies nicht mehr zu. thun, und die Existenz, der Synagogen bei allen diesen Gelegenheiten gänzlich zu ignoriren. Vergeblich fragt man nach dem Motive. Denn sollte man dieses in der größern Autonomie der jüdischen Gemeinden suchen, so daß, irgend eine derartige Vorschrift gesetzlich nicht möglich sei, so schiene uns dies nicht gerechtfertigt, da das Juvengesetz vom 23. Juli 1847 die jüdischen Gemeinden viel abhängiger von der königlichen Regierung gemacht hat und sie unter die Aufsicht der kön. Regie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.