Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1866)
- Date
- 1866-07-10
- Page
- Seite 437 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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bibeln zu Gewehrpfröpfen gebraucht. Die Hottentotten find mehr dem Trünke ergeben und liederlicher als je, und zu ihrer Schande sei es gesagt, einige der ehrwürdigen Leute geben ihnen nicht das beste Exempel zur Moralität." Es sei dies genug, Herr Langhaus führt dergleichen Urtheile zu Dutzenden an, und so sieht es auch unter den heidnischen Naturvölkern aus, bei denen die Missionäre ihren Heerd aufgeschlagen. Der Werth dieser Missionsarbeiten wird aber dadurch noch bedeutend herabgesetzt, indem diese — und das erklärt uns die ungeheuren Summen, welche die Engländer darauf verwenden — doch zumeist nur aus handelspolitischen Zwecken hervorgehen, und zuletzt die Vergewaltigung der wilden Völker nach sich ziehen. Die Beweise hierfür liegen so offen, daß sie einem Zweifel nicht mehr unterworfen sind. Wohin der Missionär seinen Fuß setzt, da folgt ihm zunächst der Händler und zuletzt der Soldat. Dev Verf. der vorliegenden Schrift bringt hierfür Belege aus allen Theilen der Welt. Er ruft zuletzt aus : „Aber nun die christianisirten Naturvölker, Neuseeland! Südsee! Eskimo! Es sind alles hinsterbende Völker; hinsterbend theils durch eigene Schwachheit, theils durch die Betrügereien und Mißhandlungen der Weißen, theils durchs die tödtliche Ansteckung corrumpirter christlicher Cultur." Den zweiten Theil seines Werkes widmet der Verf. der Methode der Mission, und kommen wir vielleicht später hierauf zurück. Jean Sodin. Eine L ebens skizze.*) Von Martin Philippson. Die furchtbaren Verfolgungen, von denen unsere Glaubensgenoffen wahrend des ganzen Verlaufes des Mittelalters betroffen wurden, sind den Lesern d. Bl. zu bekannt, als daß man sie mehr als anzudeuten brauchte. Die Unduldsamkeit einer Kirche, welche sich für allein berechtigt, für die unzweifelhafte Lehrerin der vollkommenen Wahrheit hielt, trat Jeden, der durch Erziehung *) Vgl. Baudrillart, Jean Bodin et son temps. Paris, 1853. J. Bodini Colloquium Heptaplomeres, ed. L. Npack. Schwerin, 1857. oder eigene.Forschung ztt anderen Ansichten geleitet wurde und ihre Autorität in Frage zu stellen sich unterfing, mit den grausamsten Strafen nieder. Vor Allen waren es natürlich die Juden, welche ihre.Härte traf. Denn dieselben wichen nicht allein weit von den, durch die katholische Hierarchie ausgestellten Dogmen ab, sondern hatten auch die ungeheure Schuld abzubüßen, die in den Augen der christlichen Kirche ihre Vorväter aus sich geladen. Erst mit dem sechszehnten Jahrhundert begann die Stellung der Juden sich einigermaßen zu bessern. Verschiedene Gründe waren es, welche hierauf einwirkten; besonders aber zwei Umständen hatten die Juden die Erleichterung, welche ihnen zu Theil wurde, zu danken : erstens der humanen Bildung, welche sich aus dem wiederaufgenommenen Studium der Antike, ihrer classischen Schriften und' Kunstwerke schnell über ganz Europa verbreitete; und dann der Reformation und der durch sie herbeigesührten Kämpfe, durch welche der religiöse Eifer von den Juden ab- und gegen die feindlichen Secten innerhalb des Christenthums selbst gelenkt wurde. Aber hörten auch die grauenvollen Schlächtereien, denen die Juden während der letzten Jahrhunderte unterworfen gewesen waren, auf, so blieben sie doch stets noch eine unterdrückte und verachtete Rasse. Der Protestant sowohl wie der Anhänger der alten Kirche sah mit Geringschätzung herab auf die über alle Länder zerstreuten, in schmutzige Winkel der Städte zusammengedrängten, von allen angesehenen Gewerben ausgeschlossenen Juden, die er für niedrigere Geschöpfe, Wesen, welche von der Natur zu allen möglichen Lastern vorherbestimmt seien, zu halten geneigt war. Um so mehr muß uns ein Mann Bewunderung und Liebe einflößen, der sich so weit über die Vorurtheile seiner Zeit erhob, daß er für die Juden und besonders die jüdische Religion nicht allein Duldsamkeit und Achtung, sondern sogar die vollkommenste Zuneigung in sich ausbildete. Dieser Mann war Jean Bodin, einer der größten Geister des damaligen Frankreichs, der Schöpfer der Staatswissenschast, der ebenbürtige Gegner des Macchiavell. So nahe standen seine religiösen oder vielmehr philosophischen Ansichten dem Judenthume, daß man ihn als einen Juden verschrie, ja ganz besonders das Mährchen erfand, er sei von einer spanischen Jüdin geboren. Jean Bodin stammte aus einer angesehenen Familie zu Angers, wo er im Jahre 1530 zur Welt kam. Er studirte zu Toulouse die Rechte und wurde auch an der dortigen Hochschule Professor dieser Wissenschaft. Begie- 28*