Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1866)
- Date
- 1866-07-10
- Page
- Seite 436 (sequence 2)
- Language
- German
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Sasse der Mission oder sonstigen christlichen Casien z» großer. Last gefallen wäre." Tobler klagt, „daß bekehrtes Judengesindel namenloses Uebel über das Christenthum bringe." Im Hospital erhält man die Reconvalescenten mit ihren Familien, um in den Berichten mit einer höheren Zahl figuriren zu können. Sobald diese Proselyten keinen Vortheil mehr ziehen können, gehen sie zu der katholischen Mission, um dort dasselbe Spiel zu treiben, oder zum Judenthume zurück. Schweizer, -ein sehr gemächlicher Basler Reisender, der früher selbst Missionär werden wollte, schreibt aus Nablus (Sichem), daß es dort Christen giebt, „unter denen einige jüdische, d. h. solche, die sich pro tomporo gegen ein gewisses Monatsgeld Christen nennen." Mit einem Worte: die Missionäre selbst geben alle Hoffnung auf, und wenn sie ihr Handwerk nicht einstellen, so geschieht dies aus , Gründen, die sich von selbst verstehen. Dennoch ist die Erfolglosigkeit der Mission unter den Mohammedanern noch größer, und es ist unter allen Sachkundigen nur Eine Stimme über die gänzliche Aussichtslosigkeit der christlichen Mission unter diesen. Prof. Sprenger, der langjährige Beobachter des Islam, constatirt, daß bei Disputationen zwischen protestantischen Missionären und Mohammedanern erstere stets den Kürzeren ziehen, und mit ihren theologischen Spitzfindigkeiten gegen den Islam gar nichts ausrichten, der „noch viel sittliche Lebensfülle, einheitliche, im tiefen Volksbewußtsein wurzelnde Kraft und dem Christenthume gegenüber manches berechtigte Wahrheitselement besitzt." Ebenso schreibt Graul aus Palästina: „Der Mohammedaner endlich tritt dem Missionär von vornherein mit der Miene ängeerbter Verachtung entgegen. Sein Widerwille gegen die Dreieinigkeit und Menschwerdung Gottes ist ihm so gründlich eingeprägt, daß er sich gar nicht die Mühe nimmt, auch nur ein Wort darüber zu verlieren." — Es ist ergötzlich, in welche Ausbrüche der Wuth die Missionäre darüber gerathen. Krapf z. B. ruft aus: „Meine Ansicht ist, daß der Mohammedanismus ein Meisterstück der Hölle sei. So lange der Teufel noch diesen Halt auf Erden hat, geht er nicht in den Abgrund und kann ihm die große Kette nicht angelegt werden. Ich habe hundert und tausend Mal mit Mohammedanern disputirt und immer gefunden, daß diese Religion 'durch nichts aufgelöst werden kann, als durch das Schwert, durch welches sie auch entstanden ist ... Es ist jetzt der Welt genug gepredigt worden, sie darf wohl auch einmal eine andere Predigt hören." Das ist doch ein sehr deutliches Wort, und zeigt, daß die Missionäre ihr Wort an — die Soldaten abtreten wollen, und statt der Bibel die Kanonen gebrauchen möchten. Was übrigens das Schwert betrifft,' so hat Carl der Große gegen die Sachsen dieses Bekehrungsmittel auch nicht verworfen, um nur dieses einen Beispiels zu gedenken. Wenn man alles Geschwätz der Missionäre abzieht, so sind in fast vierzig Jahren von einer Unzahl Missionsarbeiter mit ungeheuren Kosten in Wahrheit — nur vier Mohammedaner bekehrt worden. Die Missionäre fteilich sprechen bald von „nicht ganz fünfzig", bald von „wohl dreißig", bald wieder von nur „zehn oder elf." — Wir haben schon bemerkt, daß Herr Pfarrer Langhans von der Ansicht ausgeht, daß die Missionäre bei den rohen Naturvölkern mehr Raum finden und die Bekehrungen hier umfassenderer Art sind. Er ist aber ehrlich genug, die Resultate doch noch näher zu prüfen; denn auch hier hat der Pietismus sich des außerordentlichsten Humbugs schuldig gemacht, indem er nicht allein die Zahlen übertrieb, sondern auch die Bekehrten als Muster christlicher Frömmigkeit und Gottseligkeit hinstellte und die Europäer aufforderte, sich ein Exempel daran zu nehmen. Er zeigt dagegen unter Anderm, daß nach unparteiischen Berichten in Neu-Seeland die Maoris nichts weiter vom Christenthum als die äußern Formen angenommen, und die biblische Geschichte nur mythologisch an der Stelle ihres alten Heidenthums verstehen. Auf den Gefellschaftsinseln sind alle Reisende empört über das dort herrschende Prostitutionswesen; sobald die Predigt anfängt, laufen die Leute fort, und von den in Fülle ausgetheilten Bibeln macht Niemand Gebrauch. Am schlimmsten aber steht es mit den, nach den Missionsberichten musterhaften Kafsern und Hottentotten. Unparteiische Reisende berichten das gerade Gegentheil. Der Kreisphysikus Kretzschmar, der sieben Jahr dort stationirt war, entwirft „ein geradezu schauderhaftes Bild von dem Schmutz, der geistigen Stumpfheit und ganz besonders von der unglaublichen Faulheit jener auf Kosten der Missionsanstalten erzogenen und unterhaltenen Convertiten", und deckt das Treiben der Missionäre in ihren Berichten klar auf, die für die unglaublichen Summen, die sie zusammenbringen und verwenden, den Beitragenden doch Etwas liefern müssen. Oberstlieutenant Rapier sagt: „Mit Bezug auf den glücklichen Erfolg unserer Versuche, die Heiden zu bekehren, muß ich mich überzeugt halten, daß sie durchaus fehlgeschlagen sind, und die Kaffern haben neuerlich, wie bekannt, die Missions-