Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1866)
- Date
- 1866-07-03
- Page
- Seite 431 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m Regierung ungeordneten Reorganisation des israelitischen Schulwesens zu Endingen und Lengnau in Thä- ' tigkeit. Bernheim, obfchon erst 18 Jahre alt, bestand die Prüfung mit Ehren; mit jugendlicher Begeisterung ging er an das neue Tagewerk. Seitdem unterrichtete er als Oberlehrer in Lengnau in einer Weise, wie es nur ein von seinem schönen Berufe durchdrungener Jugenderzieber im Stande ist. Sein Herzleiden störte ihn seit vielen Jahren in seiner Thätig-. keit, was seine Gemeinde veranlaßt, ihn vor zwei Jahren mit einer angemessenen Pension in Ruhestand zu versetzen. Bernheim war nicht nur ein wackerer Schulmann, sondern auch eifriger Verfechter der Rechte seiner Glaubensgenossen, deren bürgerliche und sociale Hebung ihm eine Herzensangelegenheit war, für die er mit warmem Eifer wirkte. Er war Jude, Bürger und Mensch in der vollsten und edelsten Bedeutung des Wortes. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 54 Jahren;, er hinterläßt eine brave Wittwe, die mit edler Hingebung und Aufopferung der Pflege ihres Gatten.oblag. M. G. Dreifus. Donaufürstenthümer. Bukarest, 16. Juni. lPr.) Aus der Moldau sind .Deputationen von Israeliten angekommen, um die Con-' suln und die Regierung um Schutz gegen die barbarischen Angriffe zu bitten, denen ihre Religionsgenossen täglich auf dem Lande ausgesetzt sind. Um ihre Sache zu verfechten, haben sie den Advocaten Cremieux, der gestern von Konstantinopel hier eintraf, hierher kommen lassen. Jassy, 20. Juni. Die Wiener „Presse" läßt sich telegraphiren: Die Distrittsstadt Bakau ist in Höchster Aufregung. Bewaffneter Pöbel durchzieht die Stadt. Eine Israelitin wurde ermordet. Die Behörde ist ohnmächtig. (Es ist abzuwarten, was hieran Wahres ist.) China. Schanghai, .22. April. Die Vorlesung des Dr. W. Martin über die Juden in Kai-Fung-Foo, von der wir in No. 25 d. Bl. .die Hauptpunkte hervorhoben, hat in Schanghai großes Aufsehen gemacht. Jew..Chr. erhielt darüber abermals eine Korrespondenz, unter obigem Datum, welche noch einige weitere Details bringt, die wir deswegen, noch mehr aber, um den Eindruck des geschilderten Zustandes, bei unfern Lesern aufzufrischen und zu verstärken, hier ganz wiedergeben. Zwischen 3—400 Juden, beiderlei Geschlechts und jeden Alters, leben jetzt in Kai-Fung-Foo in der Provinz Honan. Ihr Rabbiner starb vor 50 oder 60 Jahren, seitdem hat die Beschneidung gänzlich aufgehört. Sie sind sehr arm. Während des Aufstandes in der Provinz vor sechs Jahren, rissen sie ihre einfallende Synagoge ganz nieder und verkauften das Gerüche und die Steine, um Nahrungsmittel zu kaufen. Sie haben noch vier Pergamentrollen mit hebräischer Schrift, aber Keiner von ihnen ist im Stande, Hebräisch zu lesen. Sie sprechen chinesisch und tragen die chinesische Tracht, und nach und nach werden sie von den Mohammedanern, von denen sie umgeben und lange Zeit gedrückt worden sind, absorbirt. Der große Stein, der früher über der Thür der Synagoge befindlich war, wurde nach einer nahgelegenen mohammedanischen Moschee gebracht. Eine steinerne Tafel ist ihnen noch geblieben, welche berichtet, daß sie (70 Familien im Ganzen, von denen nur 7 Familiennamen noch jetzt bestehen) aus Indien mit einem Geschenk von Baumwolle für den chinesischen Kaiser nach China kamen, und sich in diesem Orte (Kai-Fung-Foo) niederließen. Einige Zeit blieben sie auch mit den Juden in Verbindung, welche ehemals in Hangchow und Ningpo lebten und wahrscheinlich von einigen dieser 70 Familien abstammten. Die Tafel berichtet auch, daß sie während der Hien-Dynastie nach China kamen und sich in Kai-Fung-Foo niederließen; und da es zwei Hien- Dynasüeen gab — eine 200 Jahre vor, und eine 200 Jahre nach der christl. Zeitr. — ist die Zeit nicht ganz bestimmt, obgleich es vor 2000 Jahren gewesen sein muß. - Dr. Martin setzt voraus, daß in einer oder zwei Generationen alle Spuren ihres jüdischen Ursprungs verloren sein werden, obgleich noch Einige jüdische Gesichtszüge und eine leichte Kenntniß besitzen, daß sie nicht ganz Mohammedaner sind. Sie scheinen allmälig in den Mohammedanismus zu versinken, ähnlich wie ein Strom, der nach und nach sich in dem nächsten Sande verliert. ,, Dr. Martins Vorlesung vor der Asiatischen Gesellschaft vor einer oder zwei Wochen über den Gegenstand wird in ihrer Veröffentlichung am Ende dieses Jahres hier in Schanghai erscheinen. Ein Missionär,