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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-03 · Heft 27 (3.7.1866) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 27 (3.7.1866)
Date
1866-07-03
Page
Seite 430 (sequence 12)
Language
German
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m mit allen gegen drei Stimmen unverändert angenommen. Lemberg, im Juni. (Privatmitch.) Die Gemeinde Lembergs hat den bedeutendsten ihrer Vorsteher verloren. Herr Mäher Minz, die Zierde seiner Gemeinde, ist gestorben im 52. Jahre seines Lebens. Ich sage dm Bedeutendsten, denn ein hoher Grad von wissenschaftlicher Bildung, verbunden mit einem streng religiösen Lebenswandel, machten ihn ganz besonders geeignet au der Spitze einer Gemeinde wie der hiesigen zu stehen, der die extremsten Parteien mit allen dazwischen liegenden Abstufungen angehören. — Einer der renommirtesten Familien angehörend, der Sohn eines wohlhabenden und talmudisch gelehrten Mannes aus Miedzerdzhte in Rußland, genoß Herr Mayer Minz in seiner frühesten Jugend eine Erziehung, wie sie zu jener Zeit bei den russisch-polnischen Juden üblich war, und wurde in hebräischer Sprache und Talmud ausschließlich unterrichtet. Mit vollendetem 14. Jahre verheirathete ihn sein Vater mit der Tochter eines der angesehensten hiesigen Gemeindeglieder und seit dieser Zeit gehörte er der Lemberger Gemeinde an. Nach seiner Heirath setzte er seine talmudischen Studien fort, verwandte aber auch einenausgezeichneten Fleiß auf andere Wissenszweige und erlangte ein vollkommenes Verständniß mehrerer Modernen wie auch der lateinischen Sprache. Kein Gelehrter von Fach, vielmehr dem Kaufmannsstande angehörend, in welchem anfangs seine Bermögensverhältnisfe ihn in die Lage setzten, eine hervorragende Rolle zu spielen, hat er stets ein reges Interesse für Wissenschaft und Bildung bewahrt, wenn auch unglücklich in seinen kaufmännischen Operationen und in seinen Familienverhältnissen hart getroffen. Sein Herz schlug warm für das Judenthum, und wo es galt fürs jüdische Wohl zu wirken und jüdische Ehre W vertheidigen, wo es sich überhaupt handelte, für Recht- und Wahrheit in die Schranken zu treten, war er lstets der Erste. Zeugniß geben seine Broschüre „Ein Wort zur Zeit", seine polnische Rede im Nationalrathe im Jahre 1848, wo er für die Vereinigung Mit der nationalen Partei gewirkt hat, seine Broschüre „Lelewel re", in welcher er gewissen polnischen Flugblättern. ihre Wortbrüchigkeit gegen ihre jüdischen Mitbürger zum Vorwurf gemacht, und ihre Angriffe treffend äbgewehrr. Sein Rechtssinn - vertrug nicht eine fvlche Perftdre, und wiewchl diese nur von einer gewissen Coterie ausgegangen war, verließ er gänzlich die polnische Partei und wurde als Regierungscandidat aufgestellt zum Deputaten der Stadt Lemberg in den galiz. Landtag im Jahre 1862. Herr Mayer Minz verdiente in vollem Maße die Achtung, welche er sich bei jeder Partei erworben, und die allgemeine Theilnahme bei seinem -Tode zeigte, daß jede Partei wohl fühlte, sie habe in ihm eines der würdigsten Gemeindeglieder verloren. Herr Mayer Minz zeigte durch sein musterhaftes Leben, daß die Eintheilung unserer Gemeinde in eine intelligente und eine fromme Partei, welche einer ihrer Vertreter vor einigen Monaten in einer Rede bei Gelegenheit einer Ersatzwahl eines Landtagsdeputirten gemacht hat, eine Unwahrheit ist, daß Frömmigkeit und Intelligenz keinen Gegensatz bilden. Die Idee eines Fortschritts im Judenthum mit Beibehaltung der Tradition in ihrem vollen Umfänge erschien in ihm verwirklicht und der vermeintliche Gegensatz zwischen Glauben und Bildung war in ihm in eine höhere Einheit ausgeglichen. — Und so . stand, er über allen Parteien, scheinbar isolirt, dennoch mit jeder in fortwährender Berührung, der einen durch , seine streng jüdische Lebensweise, der andern durch seine überlegene Bildung imponirend. F. Lemberg, 4. Mai. «Verspätet.) Das Neuste von hier ist, daß nach Einführung und Consütuirung des neu gewählten Gemeinderaths hiesiger Stadt der Vorsitzende desselben mit auffälliger Absichtlichkeit eine Unterscheidung zwischen christlichen und israelitischen Gemeinderächen durchführte, und zwar so weit gehend, daß selbst bei Abgabe der Stimmzettel die Christen und Israeliten abgesondert zur Abgabe aufgefordert wurden! Schweiz./ Endingen, 14. Juni. lPrivatmitch.) fNekrolog.j Montag, den 11. Juni, wurde der gewesene Oberlehrer M o s e s I. B e r n h e i m von Lengnau von seinem vieljährigen Leiden, Herzerweiterung, durch den Tod erlöst. Das Leben dieses trefflichen Mannes ist mit der Culturentwickelung der schweizerischen Israeliten eng verflochten. Von armen Eltern früh zum Lehrfach bestimmtin der Talmudschule und dem Seminarin Karlsruhe, dann auch in Frankfurt a. M. herangebildet, '-trat er bei der im 1.1831 von der aargauischen

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