Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1866)
- Date
- 1866-07-03
- Page
- Seite 429 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Anschluß an den schon zu. diesem Zwecke gegründeten Unterstützungsverein für Lehrer in Berlin sei.*) n. Königsberg, im Juni. (Privatmitth.) Anbei sende ich Ihnen Nr. 141 der „Königsb. N.Ztg", in welcher sich folgende Erklärung befindet: „Einen gleichen Schritt, wie die Gemeindevertreter Wiens für die Seelsorge der jüdischen Soldaten Oesterreichs gethan, habe auch ich am 21. v. M. bei dem hiesigen Generalcommando und am 24. desselben beim Kriegsministerium rücksichtlich der preußischen Soldaten jüdischen Bekenntnisses gethan, bin aber unter voller Anerkennung meines Antrages von dem Herrn commandirenden General sowohl, wie von dem Herrn Minister dahin beschieden worden, „daß bei der verhältnißmäßig geringen Zahl der jüdischen Glaubensgenossen in der Armee und in Berücksichtigung, daß dieselben in den verschiedensten Truppen vereinzelt und zerstreut sich befinden, die Regelung der Seelsorge für' dieselben nicht angängig ist." Dem Wiener Gemeindevorstand ist übrigens ein ähnlich lautender Ministerialbescheid geworden mit der hinzugefügten 'Bemerkung, „bei sämmtlichen Regimentern und in allen Militärlazarethen jüdische Feldgeistliche anzustellen, wäre auch des Kostenpunktes wegen kaum möglich." Rabbiner Dr. H. Jolowicz." (Uns scheint die ganze Frage unvorbereitet angeregt zu sein. Um zu einem desfallsigen Ziele zu gelangen, mußte zuvor ein genügendes statistisches Material vorgelegt, und auf dieses gestützt, ein ausführbares Project eingebracht werden. So ins Unbestimmte hinaus, konnte der Erfolg ein anderer nicht sein. Redact. d. A. Z. d. Jud.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien, 22. Juni. Das Mittelalter ist.noch nicht verschwunden! Der „K. Z." schreibt man: „Jn Galizien giebt sich seit einiger Zeit unter der polnischen Bevölkerung eine fanatische Erbitterung gegen die Juden kund, die hier und da schon zu gro¬ *) Der höchst achtbare Verein zu Berlin, über den in diesem Bl. schon ausführlich berichtet worden, hat bis jetzt keinen Versuch gemacht, eine Centralorganisation zu bewerkstelligen. So lange werden wir daher jeden Einzelversuch unterstützen. Redaction. ben Excessen geführt hat. Die erste Judenhetze fand schon vor einigen Wochen in der Kreisstadt Mielce im Krakauischen Statt, an der sich hauptsächlich Landleute der Umgegend betheiligten, die aber durch das aufgebotene Mlitär bald unterdrückt wurde. Man gefürchtet nicht ohne Grund, daß nach Abzug des Militärs aus den kleineren Städten Leben und Eigenthum der Juden schonungslos dem fanatischen Pöbel Preis gegeben sein werden." Wien, 17. Juni. (Privatmitth.) Oesterreich wird noch lange Zeit derjenige Staat sein, in welchem die konfessionellen Fragen immer wiederholt zu Tage treten und ausgefochten werden, nachdem in anderen Staaten dieselben verschwunden sein werden, nicht weil die Confessionen zu bestehen aufhörten, sondern weil ihnen das Prinzip der Gleichberechtigung ihre feste Stellung zu einander gesichert haben wird. Dann wird es freilich hier immer auf die augenblickliche Strömung oder auf den in der Oertlichkeit waltenden Geist ankommen, wie sich die Fragen entscheiden werden.-Der hiesige städtische Gemeinderath geht mit der Absicht um, ein „Pädagogium" zu gründen, nämlich eine Fortbildungsanstalt für die Volksschullehrer der Commune Wien, um den Lehrern eine Gelegenheit zu bieten, sich eine erhöhte Berufsbildung zu verschaffen, wenn diese die Entwickelung der städtischen Volksschulen erfordert. In der Schulsection des Gemeinderathes entstand nun über den von der Commission vorgelegten Entwurf eine heftige Debatte, indem die geistlichen Vertreter in der Section verlangten, daß die neue Anstalt einen katholischen Charakter erhalte, und es daher „katholische Volksschullehrer" und „katholische Fortbildungsanstalt" heißen müßte; auch sei im Entwürfe nirgends von dem Unterrichte in der Religion die Rede. Darauf wurde erwiedert, daß das Pädagogium eine Fortbildungsanstalt für die Lehrer aller Confessionen sein soll und sein muß, weil es aus dem Gelde aller Confessionen errichtet und erhalten werden soll, und der Gemeiuderath verpflichtet ist, für die Ausbildung der Lehrer aller Confessionen, welche auch die Gemeinde Wien bilden, Sorge zu tragen. Was den Unterricht in der Religion anbelangt, so setze man voraus, , daß ein Lehrer in der Religion ohnehin schon wohlunterrichtet sein wird und das Gegentheil nur ein Dementi des ganzen bisherigen Erziehungssystems wäre. Bei der Abstimmung wurde auch der Commissionsantrag 27 *