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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-03 · Heft 27 (3.7.1866) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 27 (3.7.1866)
Date
1866-07-03
Page
Seite 427 (sequence 9)
Language
German
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427 der Dr. juns und Notar Fürst zum Bürgervorsteher erwählt worven. Preußen. Berlin, 21. Juni. (Privatmitth.) So wenig überraschend, ja so selbstverständlich sie ist, so hat die Vorstellung, daß in allen den sich jetzt bekämpfenden Heeren auch Juden für ihr resp. Vaterland in die Schlachten ziehen und die Lödtlichen Waffen gegen einander führen, für ein jüdisches Herz einen schmerzlichen Stachel. Den Berichten in Ihrer Zeitung zufolge dienen zwischen 25 bis 30,000 Juden in den k. k. österreichischen Armeen; über 8,000 befinden sich in den preußischen Heeren, da bekanntlich die preußische Heerversassung keine Stellvertretung und keinen Classenunterschied kennt, also in gleichmäßiger und bedeutend erhöhter Weise die junge Mannschaft des ganzen Volkes einzieht. (Im Kaiserstaat wohnen bekanntlich beinahe i Million, in Preußen Mill. Juden.) In allen deutschen Staaten sind die Juden mllitärpflichtig, also die conföderirten deutschen Heerhaufen haben in ihrer Mute ebenfalls die verhältnißmäßigen Contingente jüdischen Bekenntnisses. In der italienischen Armee kann natürlicher Weise die Zahl der jüdischen Soldaten nur geringer sein, da in den, dem Scepter Victor Emanuels unterworfenen Ländern, nicht 30,000 Juden wohnen, aber wir wissen, daß selbst unter den italienischen Offizieren und unter den Freiwilligen Garibaldi's Juden sind, und in dem Heere solche sein müssen. Es ist dies nun durchaus keine neue Erscheinung. Sie kam, wenn auch in geringerem Maße, schon in den deutschen Freiheitskriegen und in allen seitdem vorgekommenen Kriegen auf beiden Hemisphären vor. Diesmal ist sie nur um so schmerzlicher, je betrübender an sich der in Deutschland ausgebrochene Länderkrieg ist. Wir betrauern es, daß Deutsche gegen.Deutsche , im zerstörenden Waffenkampfe stehen, und so .fügt, sich denn auch der Schmerz hinzu, daß Juden gegen Juden, also aus doppelt ,verbundenem Stamme zu kämpfen haben. Von der anderen - Seite liegt hierin für uns eine, custurhistyrische Erscheinung, chie in' ihrer nunmehrigen Entschiedenheit nicht mehr übersehen werden, sondern ihre volle Geltung unbedingt erlangen muß. Sy lange der Staat die Juden der Militärpflicht entzogen hielt, und sie so nöthigte, einen Staat im Staate.zu Hilden, blieben die Juden auch in einer gewissen Stammesverbindung in allen Ländern unter einander. Die gemeinsame, unvermischte Abstammung hatte dadurch noch immer nicht blos einen religiösen, sondern auch einen politischen Charakter. Dies ist wesentlich anders geworden. Von dem Augenblicke an, wo jeder Staat die Juden nicht blos seinen Gesetzen unter-, nicht blos zu gleichmäßiger Besteuerung heranzog, sondern Wen auch die Militärpflicht auferlegte, von diesem Augenblicke an. hob er jede Betonung ihrer Stammeseigenschaft auf, erklärte diese als für ihn nicht bestehend, da er von diesem Augenblicke voraussetzte, daß ihre Stammesgenossen in anderen Ländern in keinem hieraus fließenden Verhältniß zu ihnen stehen. Es versteht sich, daß hiermit die Beschränkung der Heirathen unter einander nicht staatlich behindert ward, weil dies Sache des Privatrechtes ist, sich zu verheirathen, wie man will; aber staatlich wurde kein Gewicht darauf gelegt, wenn sich auch die meisten Staaten noch zu der Inkonsequenz bekennen, staatlich die Verheirathung zwischen Juden und Christen zu verbieten. Hiermit ist folgerichtig aber auch jedes Motiv, den Juden in irgend einer Weise die Gleichberechtigung vorzuenthalten, geschwunden, und jede Beschränkung dieser Gleichberechtigung ist nicht mehr eine Sache des Rechts, sondern ein.Act der Gewalt. — Hieran knüpft sich auch die von Wien aus in Nr. 25 d. Ztg. angeregte Frage wegen jüdischer Feldgeistlichen. Daß wir die Anstellung solcher zu fordern berechtigt sind, darüber kann kein Zweifel herrschen. Die Schwierigkeit kann nur in der Art und Weise liegen, wo und wie ,sie angestellt werden sollen, damit sie nicht blos zum Scheine, sondern auch zur Wirksamkeit da seien. Bei der großen Zerstreuung der jüdischen Soldaten unter allen Regimentern aller Waffen, einer nothwendigen Folge der Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung überhaupt im ganzen Staate, bietet sich hierfür eine große Schwierigkett dar. Höchstens könnten z. B: in Preußen die posenschen Regimenter auch eine, größere Zahl jüdischer Soldaten enthalten, weil diese Provinz die von Juden bevölkertste ist. Bekannt ist eS auch, daß nach dem jüdischen Ritus der Geistliche den Individuen lange nicht so unentbehrlich ist, wie z. B. bei-: den Katholiken. Jedes jüdische. Individuum hqt seinen religiösen Pflichten für sich obzuliegen, und im Falle des/ Beistandes genügt jeder andere Jude. Wir würden daher Vorschlägen, daß jüdische Feldgeistliche vorzugsweise bei den Lazarethen angestellt würden, 27

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