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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-03 · Heft 27 (3.7.1866) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 27 (3.7.1866)
Date
1866-07-03
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
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WWWW!J||§p|j|p '424 lich ist richtig, daß Marc Aurel im zweiten Markomannenkriege, also ums Jahr 174, mit seinem Heere in die 'angegebene gefährliche Lage gerieth und durch ein Gewitter gerettet wurde, Aber daß er dieses Gewitter dem -'Gebete der christlichen Soldaten zu verdanken habe, dieses glaubte weder der Kaiser selbst noch seine heidnischen Zeitgenossen. Die letzteren leiten das Wunder, das auch sie annahmen, bald von dem Gebete des Kaisers, bald von den Beschwörungen eines ägyptischen Zauberers her; Marc Aurel selbst sah darin ohne Zweifel seinem religiösen Standpunct entsprechend, einen Beweis besonderer göttlicher Fürsorge;'wie.weit er aber davon entfernt war, den Christen hierbei ein Verdienst zuzuschreiben, dies erhellt mit vollkommener Gewißheit aus der Thatsache, daß das Wunder der blitzeschleudernden Legion in der Behandlung, welche den Christen unter seiner Regierung widerfuhr, nicht die geringste Veränderung hervorgebracht hat. Diese Behandlung richtete sich -aber-so wenig nach den Vorschriften seines Erlasses, daß -vielmehr gerade unter ihm gegen die Christen mit größerer Strenge verfahren wurde, als dies unter einem der früheren Kaiser, seit der neronischen Christenverfolgung, geschehen war." — Zeller beschreibt hierauf näher die Christenverfolgungen jener Zeit und fragt nach der Ursache dieser bei einem solchen Fürsten so auffallenden Erscheinung. Wir aber fügen hinzu, daß unser Fragesteller jenes christlichen Volksblattes ebenso die Wahrheit jener Legende aus dem Grunde annehmen müßte, weil die heidnischen Zeitgenossen sie nicht geradezu widerlegt haben und die christlichen Schriftsteller fortfuhren, sie als richtig und wahrheitsgetreu anzunehmen, fo daß erst die Combination der neueren Geschichtsforschung die Unechtheit des untergeschobenen kaiserlichen Edikts erweisen mußte. — Daß die Anschauungsweise über die Zerstreuung Israels, wie wir sie in unserer Beantwortung ausgesprochen, nicht etwa blos der neueren Zeit angehört, sondern talmudisch ist, darüber nur die Anführung einer Stelle des Talmuds. Pessach. 87, 2. wird auch in Bezug auf die Zerstreuung Israels der allgemeine Grundsatz angeführt: nrr -du ro'pri bo iD30 rooa ib'ss O'ori-in d. h. in allen Handlungen der göttlichen Vorsehung, auch in denen, welche uns als ein Unglück und Mißgeschick erscheinen, bewährt sich die väterliche Liebe Gottes und liegen die Absichten derselben enthalten. Und dann speziell: -pah bantr ns nd'pn rbsn sb nrvby aba ri7:isn was bei dem gesetzlichen Verbote aller Proselytenmacherei nichts Anderes heißt, als daß die Israeliten unter die Völker zerstreut wurden, um diesen als Zeugen und Bekenner der Gotteslehre zu dienen, und die letztere unter ihnen zu verbreiten und zu befestigen. Endlich: ro'pn ms? np-2 nua’isn fab p-uso bapoo* die Zerstreuung Israels war also hiernach kein Fluch und keine eigentliche Strafe, sondern ein Act der höheren Gerechtigkeit und Liebe, welche über die Geschicke der Menschen nach einem weisesten Plane zu den großen Zwecken Gottes mit der Menschheit bestimmt. Diese talmudische Anschauung vergleiche der Fragesteller aufrichtig mit der seinigen, nach welcher wir in der Zerstreuung des jüdischen Volks einen Act der göttlichen Rache für den durch die Juden verursacht sein sollenden Tod Jesu erblicken sollen und zwar so speziell, daß diese Zerstreuung einen historischen Beweis für diesen Tod abgeben soll. Hat er sich aus seiner "dogmatischen Verdunkelung noch irgend eine Unbefangenheit des Urtheils gerettet, so wird er zugeben, daß die talmudische Anschauung von Gott doch die viel höhere und erhabenere ist. Literarischer Wochenbericht. Bonn, im Mai. Wir haben die ersten vier Nummern einer neuen, in polnischer Sprache zu Warschau unter Redaction des Herrn S. H. Peltyn erscheinenden jüdischen Wochenschrift Izraelita vor uns. Es thut uns leid, über den Geist, in welchem dieses Blatt redigirt wird, aus Mangel an Kenntniß der polnischen Sprache, nicht urtheilen zu können und bitten einen unsrer, hierzu befähigteren Correspondenten, uns einige Worte darüber zu berichten. Soviel wir sehen, ist der Inhalt ein mannigfaltiger: Abhandlungen, Kritiken, historische Aufsätze, .Nachrichten und Belletristisches. In letzterem sehen wir mit Vergnügen unsere Novelle „Hisspanien und Jerusalem" im Gewände der polnischen Sprache. — Es kamen jüngst wieder mehrere neue Werke an, die später Näherer Besprechung unterzogen werden sollen, „Le Röle de Jdsus et des Apötres, par le Dr. J. M. Rabbinowicz. Bruxelles, 1866." Bei dem jüngsten Erscheinen des Renan'schen Werkes über die Apostel ist dieses Werk um so beachtenswerther. — „Ahasverus. Ein Heldengedicht von S. Heller. Leipzig, Otto Wigand. 1866/' — „Ein lateinischer Commentar aus demH. Jahrhun-

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