Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1866)
- Date
- 1866-07-03
- Page
- Seite 422 (sequence 4)
- Language
- German
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Men dieser zu protestiren. Wenn im Namen der Religion, welche die Wahrheit verbreiten will, von Dienern derselben solcher Trug gesponnen wird, so ist es auch nicht zu verwundern, daß ihnen die Verbreitung der Religion auch nicht gelingt, und daß 'sie verurtheilt sind, um ihrer Erhaltung willen Trug zu spinnen. Wir wollen daher auch hier einige wenige Beispiele von den Ergebnissen der Untersuchungen des Herrn Langhans anführen.*) Der Vers, hatte der pietistischen Mission den Vorwurf gemacht, daß diese „zum Behufe des Effect- und Geldmachens unter den „Gläubigen" sowie der Befestigung ihrer Parteistellung gegenüber den „Ungläubigen" ihre Ergebnisse übertreibe und ausschmücke," und daß „der Pietismus seinem eigenen Culturstandpunkte ganz entsprechend sich um die Bekehrung gewisser wilder Naturvölker (Südseeinsulaner, Neger, Eskimos) einige Verdienste erworben, obschon auch diese großartig übertrieben worden sind, daß er aber mit seinen Missionen unter den heidnischen Culturvölkern (Indien, China, Islam u.s. w.) nn numerischer Beziehung so viel als nichts, in sittlicher aber weniger als nichts geleistet habe." Hierfür nun die aus der Missionsliteratur selbst gezogenen Belege. Seit 150 Jahren ist die Mission in Indien thätig, und ihr jährliches Budget beträgt gegenwärtig 5 Millionen. Was ist hier damit geleistet worden? Indien zählt gegen 200 Millionen Einwohner. Die Posaunenstöße der Mission verkündeten jüngst der Welt, daß bereits 500,000 Hindus bekehrt worden sein. Die Wahrheit ist, daß durch eine Armee von gegenwärtig 500 Missionären in dem ganzen Zeiträume mit so ungeheuren Kosten nur etwa 20,000 Communikanten gewonnen worden, von denen nicht mehr als 4500 den civilisirten Hindu, alle ' anderen den wilden Ureinwohnern angehören, wobei aber nicht zu übersehen, daß diese Uebertritte nur gegen große Unterstützungen, Pachten, milde Beschäftigung u. s. w. vor sich gingen, daß die meisten der Uebergetretenen vor- *) Eine kleine Veranlassung hierzu haben wir in Folgendem. In Nr. 21. beantworteten wir drei an uns gestellte Fragen eines pietistischen Blattes. In der einen Frgge sprach der Fragesteller davon, daß „vor dem Namen Christi in der Zeit des deutschen Unglaubens Ostindien, China, Afrika, ja Australien zu beugen sich anfängt." Wir fügten hinter diese Ländernamen doppelte Fragezeichen Lin, und zwar aus den allgemeinen Zweifeln, die man längst in die Versicherungen der Missionäre zu setzen gelernt hat. Hier nun die Rechtfertigung dieser Fragezeichen. her schon katholisch gewesen und sobald sie aus den Versorgungshäusern der Mission entlasten worden, zu irgend einer Secte, wenn nicht zum Heidenthume wieder übergehen. Die Europäer in.Indien kennen die Schlechtigkeit dieser Proselyten so sehr, daß sie immer wiederholen, nur keine indischen Christen zum Dienst, das sind die ärgsten Schurken!" (S. 63.) Es versteht sich, daß die Mission Jedem, der sich bei ihr zum Uebertritte meldet, ein provisorisches Unterkommen gewährt, und ihn so lange erhält, bis ein Unterhalt für ihn gefunden wird. Sehr wenige, schreiben die Missionäre selbst, begehren die Taufe aus anderen als eigennützigen Motiven, und die große Mehrzahl bleibt dem Evangelio nur so lange zugethan, als sie irgend einen Gewinn zu hoffen hat. Es ist daher auch ihr Wieder-Abfall schon häufig „haufenweise" geschehen. Bisweilen gehen sie zur römischen Kirche über, man kann sich denken, warum. Die Convertiten, sind daher den Christen wie den Indiern verächtlich. — Auf der Insel Ceylon leben ungefähr 2 Mill. Menschen. Schon in ältester Zeit gab es hier christliche Colonieen; unter der Herrschaft der Portugiesen und Holländer fanden umfassende Bekehrungen, freilich nicht in lauterster Weise statt. Mit dem Ende der holländischen Herrschaft siel daher so ziemlich Alles wieder in die alten Religionen zurück. Seit 50 Jahren nun hat ^die Mission ihr Werk mit ca. 540 Missionsarbeitern unternommen. Sie verkündete bis zur jüngsten Zeit noch, daß sie bereits 40,000 Seelen gewonnen. Die zuverlässigsten Nachrichten erweisen aber, daß sich diese Zahl auf 3281 eigentliche Kirchenglieder reducirt. — Am meisten Humbug ' wurde von der pietistischen Mission betreffs China's betrieben. Seit 50 Jahren arbeitet sie dort, zählt gegenwärtig 176 Missionäre; gebietet über ein Jahresbudget von wenigstens 1 Mill. Frs., und was ist bis heute der wahre Erfolg? — 1085 Bekehrte aus den untersten Volksclassen, von weltlichen Vortheilen angelockt, und nach allen Erfahrungen zwar von den Missionären „durch , die Aussicht ans spanische Thaler", nicht aber vom Christenthume gewonnen; alles dies wird von dem Verfasser in speziellster Weise durch die zahlreichsten Belege erwiesen. — Noch geringer sind die Erfolge der Mission in den Ländern des Islam. Z. B. in Smyrna stationirt seit 1831 ein Missionär mit mehreren Gehülfen. Erfolg bis zur Stunde — keine einzige Seele. Hier ist es, wo der Verfasser auch auf die Judenmission kommt, und wir wollen ihn hierüber etwas spezieller anführen. (Schluß folgt.)