Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-03 · Heft 27 (3.7.1866) · p. Seite 421

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 27 (3.7.1866)
Date
1866-07-03
Page
Seite 421 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226555--24074-3251412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

thut, in den Kindern wieder religiösen Sinn zu wecken und ihnen religiöses Wissen zu geben, da beides jenen am meisten abhanden gekommen. Wie ist dem nun abzuhelfen? Zunächst würden wir fordern, daß an den bereits bestehenden jüdischen Lehrer-Bildungsanstalten, welchen. Namen sie auch führen, eine besondere Clasie für den Religionsunterricht solcher Mädchen, welches Alters sie auch seien, eingerichtet werde, die sich als Lehrerinnen und Erzieherinnen ausbilden wollen. Mag dann Berufsliebe oder Schicksal diese Mädchen bestimmt haben, sich diesem Fache zu widmen, bevor sie praktisch thätig würden, müßten sie den Cursus in dieser Classe durchgemacht haben. Man sieht, wir sind bescheiden; wir verlangen nicht die Errichtung besonderer Anstalten für jüdische Lehrerinnen und Gouvernanten. Wir verlangen sie nicht, weil wir wissen, daß hierzu keine Mittel vorhanden. Wir bedürfen solcher Anstalten für Lehrer noch viel mehr und vieb bessere, als daß man schon an die an Zahl viel geringeren Lehrerinnen und Erzieherinnen denken könnte. Aber die Errichtung einer solchen Classe für den religiösen Unterricht jüdischer Lehrerinnen und Gouvernanten an den bestehenden Seminarien, z. B. in Breslau, Berlin, Hannover u. s. w., ist nicht allein möglich, sondern leicht, und selbst da, wo keine Seminarien bestehen, wie in Prag, Wien, Pest, Frankfurt a. M., Hamburg u. s. w. wäre die Herstellung einer solchen Classe für sich mit gar keinen Schwierigkeiten verbunden. Wir halten uns überzeugt, daß, wenn diesem Gedanken genügt worden, viele jüdische Mädchen, die das pädagogische Fach ergreifen, begierig die Gelegenheit benutzen würden, jene große Lücke in sich auszufüllen. An den jndischen Eltern wäre es dann aber, nur solche Gouvernanten anzunehmen, welche ein genügendes Zeugniß über den Besuch einer solchen Unterrichtsclafse und die darin erlangten Fähigkeiten besitzen. . So speziell dieser Gegenstand ist, so dringend empfehlen wir ihn doch der Beobachtung und Prüfung. Die protestantischen Sekehrungsgcsellschasteu. Unsere Leser wissen, daß wir nur äußerst selten auf die Bekehrungsgesellschaften zu sprechen kommen. Wir glauben, daß sie für das Judenthum sehr ungefährlich sind. Lesen sie hier und da einen Juden auf, so ist es ein solcher, der ohne sie doch für verloren zu erachtett sein würde. : Was braucht sich der edle Baum, der in Lebensfülle seine Aeste weit ausstreckt und mit vollem, grünem Laube bekleidet, zu kümmern, wenn ein abgestorbenes Reis abfällt, wie' um den, der ihn aufliest? *) In diesen Tagen kam uns aber eine Schrift zu, welche uns aus einem höheren Gesichtspunkte nöthigt einige, Blicke auf die Missionsvereine zu werfen, um auch unsererseits die Wahrheit über diese verbreiten zu helfen. Und zwar gerade um so eher, als in derselben, mit Ausnahme einer kurzen Stelle, von den Juden gar nicht die Rede ist, sondern nur die anderweitigen Missionsgesellschaften in Betracht gezogen werden. Herr E. F. Langhans, Pfarrer in der Waldau bei Bern, hatte 1864 den ersten Theil eines Werkes: „Pietismus und Christenthum im Spiegel der äußeren Mission" erscheinen lasten . in welchem er die Resultate und das Verfahren der Mission ostenmüthig besprach. Hierdurch hatte er sich einen Schwarm von Angreifern auf den Hals gezogen, die keine Mittel unversucht ließen, mn ihn in den Augen der Welt und seiner Gemeinde zu vernichten. Der tapfere Kämpe antwortet mit einem starken Bande: „Pietismus und äußere Mission vor dein Richterftuhle ihrer Vertheidiger (Leipzig, Otto Wigand 1866)." Hier bringt er aus allen Winkeln der ungeheuren Missionsliteratur die schlagendsten Beweise für alle seine Behauptungen und Angaben aus den Schriften der Missionäre selbst und der Mission geneigter Reisenden herbei, so daß höchstens gesagt werden könnte, der Verfasser habe in seiner früheren Schrift nicht genug gesagt und sei noch viel zu schonend verfahren. Was deckt sich hier alles auf! Welch ein Lügengewebe! Was für absichtliche Täuschungen! Welche Vergeudung von ungeheuren Geldsummen und Menschenkräften! Was für ein riesiger Humbug, wie ihn Baruum selbst nicht größer treiben, nicht stärker auftragen kann. Fürwahr, da ist es Pflicht eines Jeden, der für Wahrheit und Religion einen Sinn hat, im Na- *) Wir begreifen es kaum, warum das Jewisli Cliromcle einen so großen Raum seiner Spalten mit der Bekämpfung der englischen Judenbekehrungsgesellschaft ausfüllt. Wenn man dies sieht, sollte man glaizben, das englische Judenthum sei in Gefahr, von den Missionären vollständig verspeist zu werden, und doch laufen die Berichte des J. C. immer daraus hinaus, daß dies nicht im Geringsten der Fall sei. Ungefährlichen Gegnern antwortet man am besten mit Stillschweigen, sonst legt man ihnen selbst eine Wichtigkeit bei, die sie nicht besitzen. 27*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.