Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-26 · Heft 26 (26.6.1866) · p. Seite 416

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 26 (26.6.1866)
Date
1866-06-26
Page
Seite 416 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226554--24068-3251405
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

:■ MUMMM 416 Covrespondenk. Briefe eines Chinesen.*) Tempora mutantur et nos mutamur in illis. —- Ernst erklärten die Franzosen den Krieg dem chinesischen Reiche, weil ihnen der freie Eintritt in dasselbe versagt wurde,, jetzt macht ein Franzosedem Chinesen bittere Vorwürfe, weil er es gewagt seine. Rabbiner aus dem dolce far Biente aufzuschrecken; ich muß gestehen, die Sache kam mir etwas ungelegen. Im Augenblicke wo alle Welt mit ungeheuerer Spannung den Tagesereignissen entgegensieht, zu disputiren, ob Herr Wogue seinen Meister findet oder nicht, ob Herr Trenel sich mit den deutschen Talmudisten messen kann oder nicht, ist etwas mißlich; sind nicht wichtige und unlösbare Fragen genug jetzt vorhanden, mußte Herr Benoit Levy noch eine neue aufs Tapet bringen, Oel ins Feuer gießen und die Herstellung des europäischen Friedens noch schwieriger machen? Wie gern hätte ich zugestanden, daß Herr Wogue seinen Meister nicht gefunden, und daß Herr Trenel mit den deutschen Talmudisten sogar nicht verglichen werden kann und daß Herr B. Levy einzig und allein das Judenthum Frankreichs zu beurtheilen weiß, und wie gern hätte ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur, meine chinesische Entgegnung erspart, würde Herr B. Levy nicht Phrasen von mir zitiren, die ich nicht gesagt habe und andere ganz sinnlos auslegen. Wo hat Herr B. Levy gelesen „man schiebe die Wahl des Großrabbiner auf, weil kein taugliches und würdiges Subject vorhanden ist?" Vielleicht in seinem Spielzeugladen, aber nicht in der Judenthumszeitung; ich sagte daselbst, daß bei der Wahl die Lücke keinen passenden Mann zu besitzen sich fühlen läßt. Wenn man so ein gediegener Journalist wie Herr B. Levy ist, so muß man lesen und verstehen, bevor man antwortet- Vom Oberrabbiner Herrn Klein sagte ich wohl, daß er orthodox ist, aber ich wollte damit andeuten, daß er deshalb vom Consistorium nie gewählt wird, weil er eben der einzige gelehrte und charakterfeste Rabbiner in Frankreich ist; Herr Klein istin der That. als ties- *- Wir sind verpflichtet, unserm "Eörresp. noch einmal zu seiner Vertheidigung das Wort zu gönnen; doch müssen wir diese Angelegenheit nunmehr für geschlossen erklären.' ..Die Redact. denkender Mann anerkannt, wenn auch nicht von Kmz Europa, wie der Vertheidiger der Gelehrsamkeit der französischen Rabbinen es meint. .Auf weitere Antwort will ich mich nicht einlassendenn meine chinesischen Kinder könnten Ihnen zu viel werden und könnten sie auf chinesische Weise mit denselben verfahren; und was kommt dabei heraus, der eine macht den nn-ps zu den rp^p und der andere machtmri zum an'B,; Sie haben, Herr Redacteur, den Nagel auf Kopf getroffen, indem sie sagten: „In solchen.Dingen giebt jeder seine Meinung ab, wie er sie . sich gebildet;^ der eine sieht die Rabbiner wie Puppen an, in verschiedenen Trachten und mit beigelegten Namen, und ein anderer denkt, die Rabbiner sollen die Vertreter - des Judenthums und der jüdischen Literatur sein; dort wo die Rabbinen schreiben, kaust man auch die Bücher, und man schreibt nicht nur. dort, wo man kauft. — Wissen möchte ich, wie so Herr B. Levy weiß, daß die deutschen Prediger nur ein kleines Auditorium haben, während Herr Isidor hier volle Häuser macht; ich weiß nicht, ob mein verehrter Antagonist glauben wird, daß ich schon oft in der Synagoge zu Paris war und ich mich nicht zu drängen brauchte, wenn gepredigt wurde.*) Uebrigens ist Herr Isidor einer von denen, die viel Sympathie einflößen und der erste praktische Seelsorger, anspruchslos und gefällig und ebenso gelehrt wie diejenigen Rabbiner, die sich aufblähen, in den Archives schreiben oder hie und da Bogen in der Form einer Predigt abdrucken lassen; er ist aber auch offen genug zu sagen> daß Frankreich keine gelehrten Rabbinen außer Herrn Klein aufzuweisen hat und alle, die Candide in der Entgegnung nennt, ne vous döplaise, sind keine Gelehrte und werden es nie sein. Herr Benoit Levy scheint zu glauben, daß ich die bescheidenen Männer nicht kenne und mir kein Urtheil über Sie anmaßen darf; so möge er wissen, daß ich Hrn. Wogue, bevor er seine Bibelübersetzung verfaßt Hrn. Trenel, bevor er sich ein Monument durch die Veröffentlichung seines Wörterbuches gestellt, Hrn. Astrup bevor er noch der jüdische Lamartine geworden, gekannt habe und daher mir erlauben darf, ein Wörtchen über den Stand der rabbinischen Gelehrtheit oder des gelehrten Rabbinismus zu sprechen.' - - ' Vor Jahren fühlte ein .Deutscher nicht ohne Bedeut tung, der schon lange in Paris ist — verzeihen Sie, *) Und wie oft, oder vielmehr wie selten wird in Paris gepredigt!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.