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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-26 · Heft 26 (26.6.1866) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 26 (26.6.1866)
Date
1866-06-26
Page
Seite 414 (sequence 12)
Language
German
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Eroberern von Asien, niedergelegt. Keine andere Nation der Welt besitzt ein? ähnliches Jnventarium seiner Vergangenheit und dieses Buch ist ein Phänomen, nicht minder groß als das Volk, dessen Einheit, es aufrecht erhalten und beschützt hat, ungeachtet aller Verfolgungen, ungeachtet seiner Zerstreuungen über alle Enden der Erde. Sie errathen, meine Herren, daß ich Ihnen von der Bibel sprechen will. In den unerforschlichen Absichten der Vorsehung mit den Menschen ist das Buch des jüdischen Volkes ein Buch für die gesammte Menschheit, und, um Alles auszudrücken, das Buch der Civilisation selbst geworden. Während dem der Alterthumsforscher und Philologe darin, wie bei einer sicheren Leuchte, der Eine die Spuren der im Oriente erloschenen- Civilisationen, der Andere den ältesten der semitischen Dialecte sucht, schöpft die Familienmutter aus ihm das Sittengesetz, das sie ihren Kindern lehrt, und der Poet eine Begeisterung und eine Sprache von unvergleichlicher Größe. Nun, wohlan! Von diesem vom Weisen und Poeten so durchforschten und den Lehren der Sittlichkeit so nützlichen Buche besitzen wir keine Uebersetzung, welche die ganze Welt annimmt, und für hinreichend exact und gut anerkennt." Nach ihm sprach Petavel, der ein ausführliches Memoire über Zweck und Verfahren des Vereins, sowie über die Geschichte der französischen Bibelübersetzungen vortrug. Er bemerkte: „Unsere Gesellschaft maßt sich nicht an, einen Canon festzusetzen. Unsere Gesellschaft ist nicht eine Gesellschaft der Propaganda. Ihr Charakter ist durchaus nicht doctrinal: er ist ein philologischer und literarischer. Unsere Gesellschaft wird ihre Approbation der Uebersetzung jedes Buches geben und sie sanctioniren allein nach dem Maßstabe ihrer philologischen und literarischen Competenz, den zuständigen Behörden innerhalb der verschiedenen Confessionen die Freiheit überlassend, ihr Werk anzunehmen,. Auslegungen und Commentare hinzuzufügen, sie herauszugeben und wenn es ihnen gefällt, ihr Imprimatur hinzuzusetzen, nach Maßgabe ihrer resp. Competenz und aus dem dogmatischen Gesichtspunkt heraus." Nachdem er am Schluffe die Katholiken und Protestanten angeredet, richtet er auch an die Israeliten folgende Worte: „Israelitische Brüder, ihr alten Inhaber und Träger der Verkündigungen des alten Testaments (archiyistes et döpositaires des oracles de F An eien Testament) ihr, unsere älteren Brüder/ bei denen die heilige Spräche bis auf diesen Tag leben geblieben, ihr werdet Schiedsrichter zwischen uns sein, wir bitten um eureMirhülfe; fürchtet von unserer Seite nicht eine gezwungene Uebersetzung gewisser prophetischer Stellen. Ihr Alle, die ihr glaubt, daß Gott in dem heiligen Buche spricht, das genügt uns; ihr seid ausgenommen in die Mitte unserer Versammlung, und wie vor zehn Jahren einer eurer Gelehrten lAd. Franck) den Wunsch ausgesprochen hat, glauben wir, das Feld entdeckt zu haben, wo wir gemeinschaftlich arbeiten können." —*■ Unter den verschiedenen Geistlichen sprach auch Herr Rabb. Astruc und drückte im Namen des Iudenthums dessen Zustirnmung zu dem begonnenen Werke aus. Bedeutender, wärmer und anregender sprach Herr Levh-Bing, indem er die Vereinigung der drei Confessionen zu diesem Werke und zu einer solchen Versammlung an sich schon als ein merkwürdiges Erzeugniß der Geschichte und als eine Bürgschaft für die große Zukunft feierte.— Erwarten wir nun, was sich Weiteres hieran knüpft. So manche Bedenken und Zweifel, die sich auch bei uns noch erheben, werden am besten factisch widerlegt oder verstärkt. Wir haben daher persönlich nicht angestanden, auf die an uns ergangene Anfrage unsere Dienste, so weit sie in Anspruch genommen werden dürften, , zuzusagen. Wir Juden können die auf dem Gebiete der Schriftauslegung stets am füglichsten, da wir keine, weder kirchlich noch geschichtlich sanctionirte Uebersetzung haben, keine, auch die älteste Uebertragung und kein Ausleger mehr Autorität besitzt, als in den Gründen und Beweisen liegt, die dafür beigebracht sind. Die Gesellschaft har sich übrigens selbst entschieden gegen jede Anmaßung bindender Autorität erklärt, also die'freie Forschung völlig offen gelassen. Paris, im Juni. (Privatm.) Hartwig Derenburg, der Sohn des bekannten Orientalisten hier, hat die väterliche Carriere gewählt und verspricht so jung er auch ist, bald viel zu leisten. Den Anfang hat er schon damit gemacht, daß er sich um die diesjährige orientalische Preisfrage in Göttingen beworben und wie ich aus sicherer Quelle vernehme, mit sehr großem Erfolge Sieger geblieben. Die Abhandlung ist über die Plurales im Arabischen und Äthiopischen; hoffentlich werden wir auch Vergleichungen aus anderen semitischen Sprachen darin finden; sobald sie gedruckt ist, werde ich ausführlich darüber berichten. Es ist vielleicht der erste Franzose, der auf; einer

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