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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-26 · Heft 26 (26.6.1866) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 26 (26.6.1866)
Date
1866-06-26
Page
Seite 413 (sequence 11)
Language
German
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nahm, mit der nicht sehr schmeichelhaften Bezeichnung „xoekopy" (was, eigentlich unübersetzbar, sich mit „Häscher" wiedergeben ließe, aber in der czechischen Volkssprache eine noch viel üblere Bedeutung hat) beehrt. Der Redacteur des genannten Blattes stand deswegen heute, des Vergehens der Ehrenbeleidigung angeklagt, vor Gericht. Das Kriegsminifterium hatte im . Namen des Militärs die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage ermächtigt. Der angeklagte Redacteur' sucht durch Cttirung czechischer Autoritäten darzuthun, daß das beanstandete Wort nicht die schlechte Bedeutung habe, die ihm die Staatsanwaltschaft, respective das hohe Kriegsministerium beilege, und er- Lheilt dem letzteren einen kleinen Settenhieb wegen seiner geringen Kenntniß der czechischen. Weltsprache. Nichtsdestoweniger erkennt ihn der Gerichtshof schuldig und verurtheilt ihn zu einer zehnt ägigen Arreststrafe und einem Cautionsverlust vo n sechzig Gulden. Frankreich. Paris, im Juni. Nach den Arch. isr. hat die französische Regierung bei der gegenwärtigen Volkszählung zum ersten Male verordnet, daß auch die Rstbrik „Religion" in den Aufnahmsrollen angebracht und ausgefüllt werde. Die Redaction der A. i. meint,' daß das statistische Ergebniß nicht ganz zuverlässig sein möchte , da es Juden geben werde, die, weil das Gesetz sie nicht dazu verpflichtet, ihre Religion nicht richtig angeben würden. Jedenfalls aber würde man nun eine annähernde Gewißheit über die oft bezweifelte jüdische Bevölkerungszahl in Frankreich erlangen. Bonn, im Juni. (Privatmitth.) In einigen früheren Nummern d. Bl. wurde des Vereins gedacht, welcher sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres zu Paris aus Katholiken, Protestanten und Israeliten, Männern von Ruf und Rang, gebildet, um eine neue französische Uebersetznng der h. Schrift auf dem Standpuntte der heutigen Wissenschaft und in einer dem jetzigen Geschmacke entsprechenden Form, und so zwar, daß sie. für alle Confesstonen brauchbar seizu bewerkstelligen.- Der Verein nennt-sich: Sbci6t£ nationale ßüür une traduction nouvelle des livres saints en langue fran?aise. Der Verein hielt eine öffentliche Sitzung am 21. März d. I. in dem vom Ministerium bewilligten großen Saale der Sorbonne, in Gegenwart von mehr als 2000 Personen aller Confesstonen und Stände, welche eine außerordenttiche Sensation machte. Obgleich hiermit die Gesellschaft constituirt war, konnte man doch der Natur der Sache nach voraussetzen, daß sich auch bald Stimmen genug dagegen erheben würden, in dessen Folge sich mehrere Personen von Ansehen dem Vereine wieder entzogen. Da es seither von diesem füll geblieben, waren wir bereits der Meinung, daß die Sache fallen gelassen worden. Dies verhält sich aber nicht so. Mittheilungen, die uns in diesen Tagen von Paris zukamen, berichteten vielmehr, daß der Verein sich organisirt habe, und der Ausführung sich nähere. Es sei beschlossen worden, über alle wichtigen Fragen und Stellen auch das Gutachten und die Meinungen namhafter Exegeten des Auslandes, namentlich Deutschlands einzuhöleü, und man sei eben daran, die Herren, deren Mtthülfe erwünscht sei, um. diese anzugehen. Der Bericht über jene Sitzung, sowie die darin gehaltenen Reden sind im Druck erschienen und werden zu obigem Zwecke versandt. Hierdurch erlangt der Vorgang eine zwiefache Bedeutung, nämlich die eines charakteristischen Zeichens unserer Zeit und des in ihr liegenden Strebens nach Versöhnung und Ausgleichung auf religiösem Gebiete, und dann diejenige, welche der Verein für die Exegese und Verbreitung der h. Schrift erlangen kann. Von diesem Gesichtspunkte aus scheint es auch unsere Pflicht, diese Angelegenheit nicht unbeachtet zu lassen und kommen wir zunächst zu dem .erwähnten bei Dentu erschienenen Bericht zurück. Das Bureau bestand aus dem Vorsitzenden, Senator Thierrh, Mitglied des Instituts, dem Pfarrer Martin de Noirlieu, dem Pastor Ballette von der Augsburger Confesston, dem Professor an der Pariser Rabbinerschule Wogue und Paulin Paris, Mitglied des Jnstttuts, als den Vicepräsidenten und dem Lic. theol. E. P6tavel als Secretär. Die Sitzung eröffnete Thierrh mit .einer oftmals durch Beifallsbezeugungen unterbrochenen Rede, welche folgendermaßen begann: „Es giebt ein einziges Buch unter allen, welches, ich will nicht sagen, hie Geschichte, aber das ganze Leben einer Nation in sich schließt, deren Ursprung bis zur Wiege des Menschengeschlechts zurückführt.. In diesem . Buche sind sein religiöses Gesetz, sein bürgerliches Gesetz, sein Moralgesetz, seine Poesie, seine inneren und äußeren Schicksale, seine Beziehungen mit den anderen Völkern von den Bewohnern Persiens und Eghptens an bis zu den Griechen und Römern, den 26*

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