Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1866)
- Date
- 1866-06-26
- Page
- Seite 412 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m und dahin gewirkt würde, daß dieselbe Weren Orts die gebührende Berücksichtigung fände*) , Oesterreichlfcher Kaiserstaat.; Pest, 15. Juni. (Privatmitth.) Sie haben bereits über den Erfolg, welchen die ungarische Predigt des Di-. Kohn gehabt, berichtet, und daß dessen Anstellung als ungarischer Prediger der hiesigen Gemeinde gesichert ist. Es wird Ihre Leser interessiren, zu erfahren, welchen Eindruck dies auf die Kreise außerhalb der Gemeinde gemacht. Der „P. Naplo" spricht sich darüber folgendermaßen aus: „Wir heben jenes Ereigniß hervor als einen unzweifelhaften Beweis jenes zwar geräuschlosen, aber fruchtbaren Strebens, mit welchem unsere israelitischen Mitbürger an der Verbreitung ungarischer Nationalität in ihrer eigenen Mitte arbeiten. Wenn auch bisher schon in der einen oder anderen Gemeinde unga- . rische Predigt gehalten worden, so geschah dies doch immer nur bei besonderen festlichen Gelegenheiten, die Pester Gemeinde ist aber die erste im Lande, welche die ungarische Predigt als einen integrirenden Theil des sabbathlichen und festtäglichen Gottesdienstes eingeführt hat. Wie wir vernehmen, ist vorläufig in jedem Monat ein Sabbath der ungarischen Predigt reservirt; an Festen aber soll den einen Tag ungarische, den andern deutsche Predigt sein. Das Verdienst der Pester israelitischen Neligionsgemeinde ist nicht nur aus dem Grunde ein um so größeres, weil sie die Initiative ergriffen, sondern darum, weil diese Initiative gerade schwerer fallen mußte, indem diese Gemeinde nicht blos aus Mitgliedern ungarischer Zunge besteht, sondern auch eine große Anzahl solcher Mitglieder besitzt, die das ungarische Wort nicht verstehen. Andererseits gewinnt' dieser Schritt der Pester Gemeinde darum größere Bedeutung, weil die Provinzgemeinden, besonders die Gemeinden ungarischer Zunge, ohne Zweifel dem gegebenen Beispiel Nachfolgen werden. v,'. Kohn's inhaltsvolle Rede, seine reine und richtige Aussprache, der gerundete und flüssige Vor¬ *) Es* ist nur. Schade, daß dieser Gegenstand, der der nachdrücklichsten Erwägung werth scheint, jetzt erst zur Sprache gebracht wird, wo es bereits vorläufig wohl zu spät ist. Redaction. trag , befriedigten..das: PMicum in vollem Maße Und lieferten den; unbestreitbaren Beweis; Hon dem rednerischen. Talent des Rabbi, und es ist daher wüyschenswerth, daß die Religionsgemeinde diesen jungen talentvollen Landsmann je eher bleibend anstelle. Wenn das Ungarische des Herrn Di-. Kohn noch einiges Wenige zu wünschen übrig ließe, so zweifeln wir nicht, daß er dies — hier daheim im Vaterlande —in kurzer Zeit vervollkommnen wird; und es. mahnt uns dies nur von Neuem daran, wie nochwendig es ist, daß die Israeliten hier im Vaterlande eine Rabbinerbildungsanstalt errichten, damit der für den Stand sich, vorbereitende Candidat nicht genöthigt sei, 8 Jahre in Breslau zuzubringen und bei seiner Uebung in der aungrischen Sprache sich blos auf Lectüre und schristliche Arbeit, die das lebendige Wort niemals ersetzen, können, zu beschränken. Die weiten Räume des Tempels waren von einem andächtig aufmerksamen Publicum gefüllt, und dies ist wohl die nachdrücklichste Widerlegung jenes Vorwurfs , als' fände die ungarische Predigt unter unseren israelitischen Mitbürgern noch kein Publicum." Lemberg, 13. Juni. Man telegraphier der „Debatte": Die Stadt Thsmienitz (Galizien). ist gestern ein Raub der Flammen geworden. 274 den Juden und sechs den Christen gehörige Häuser sind abgebrannt. Etwa fünfzig der betroffenen Familien können für sich selbst sorgen, während die übrigen auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesen sind. Von den Behörden wurden alle Anstalten zu einer möglichst schleunigen und ausgiebigen Hilfeleistung getroffen. Prag, 7. Juni. Jedermann sind wohl noch die czechischen Heldenthaten, die vor mehreren Monaten im nordwestlichen Böhmen gegen die Juden verübt wurden, im Gedächtnisse; auch dürste es nicht fremd sein, daß manche, czechischen Blätter, als die Schuldigen dem Arme der Gerechtigkeit überliefert wurden, ein Zetergeschrei erhoben über die gräßliche Ungerechttgkeit, die den armen, harmlosen Nagelschmieden, welche den nichtczechischen Juden ihr Hab und Gut weggenommen und die gänzlich Ausgeplünderten und Beraubten mißhandelten, zugefügt werde. So wird in einem der famosen Berichte der Narodnh Lisch:, wo von der Verhaftung eines Horowitzer „Bürgers" erzählt wird, das Militär, das diese Verhaftung vor--