Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1866)
- Date
- 1866-06-26
- Page
- Seite 408 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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sprechen, wenn wir nicht zuerst wenigstens M Allgemeinen wissen, was unter einem Könige verstanden wird; so konnten auch die Griechen nicht eher VM,.Göttern^ in der Mehrzahl sprechen, als sie auf , irgend-eine Meise-,dg^ Prädiccch Gottheit in sich veranschaulicht .hatten.",,-^- Man sieht leicht ein, daß das , Beispiel vom Könige Salomon durchaus nicht zutrifft, Denn König ist ein, ganz concretes Ding und gehört daher in die große Kategorie der Gegenstände, die vorhanden..sein und gewahrt werden. i mußtey, bevor, man, sie so und so nannte.,, Ehe man die Worte Höhle, Hütte, Zelt, Haus rc. hatte und die betreffenden Gegenstände dadurch unterschied,: mußte man diese, letzteren, haben und unterscheiden, woher es auch kam, daß. Zeltenbewohnerj Haus noch lange Zelt nannten, wie.dn« für Haus oder selbst Burg noch in der h, Schrift vorkommt. Anders. aber verhält es sich mit den übersinnlichen Gegenständen, von.denen in dem Menschengeiste ursprünglich, eine Ahnung vorhanden war und als sosche in der, Sprache einen , Ausdruck bekam, eine Ahnung, welche in jedem Menschen, in jedem Volke, in jedem'Zeitalter bis heute und fort und fort eine besondere Entwickelung gewann und noch gewinnt, und bei der es nun darauf ankommt,, welche Entwickelung,, bis zu welchem Begriffe und welcher Erkenntniß sie gelangt. Dies ist ganz besonders von' Gott der Fall. Die Ahnung der Gottheit war. in den ursprünglichsten Menschen vorhanden, und erhielt in den Uranfängen des arischen Stammes schon einen sprachlichen Ausdruck, der nun sich mit einheitlichem Sprachtypus durch alle Stämme der arischen Völkerfamilie hindurchzieht. Weiter aber können wir nicht schließen. Daß darum diese Ahnung bereits in den Uranfängen zum Begriff, ja zum Begriff eines geistigen, einzigen Gottes geworden war, und dieser Begriff erst, später bei den arischen Völkern , zur Mythologie entartete, ist ein Schluß, der nicht den geringsten Beweis für. sich hat. Diese Ahnung von ber Gottheit konnte, sofort zu der-Vorstellung werden, daß. Himmel, Sonne, Erde u. s. w. Gott seien, also das, was wiv Mythologie nennen, und was dann allerdings von den späteren, ausgearbeitet wurde. — Herr Professor Müller -hält sich überhaupt gern an die Behauptung des Xenophanes, daß Homer und Hesiod den Göttern zugeschrieben - hätten,, .was unter den Menschen für schmachvoll gilt, und. möchte gar zu gern diese beiden-alten Dichter zu den Vätern der griechischen Mythologie machen.. Wir geben gern gern zu, daß Homer und Hesiod manche Züge zur Ausschmückung ihrer Göttergestalten 408 ' und. zur 'Vermannichfältignng ihrer Poesieen erfunden und? hinzugefügt, haben mögen. Allein: die mythologischen Göttergestalten reichten doch, wohl; über das, Zeitalter dieser-.Dichter hinaus, und,,es .wäre. nicht wunderbar, wohl aber sehr wunderlich,, wenn sich. Helleyen und. Lateiner, ihre .Religion., von zwei- Dichtern, hätten, machen lassen, und. deren' Fictionen Tempel, Altäre und Statuen Überall errichtet, und. Opfer. dargebracht -: hätten. Man weiß.wohl, welchen. Einfluß die Priester -auf. die Gestaltung der Religionen gehabt, - aber von. zwei Dichtern, deren Gesänge durch: Rhapsoden: .herumgetragen wurden, läßt es sich, nicht denken, eine Religion geschaffen,. ja nur bearbeitet zu haben, indem der Grundstock ihrer mythologischen Figuration im Volke nicht schon vorhanden , gewesen^ wäre. Doch noch einen anderen wichtigeren Widerspruch. läßt; sich Herr Prof. Müller zu- Schulden kommen. : i; ... Mit Recht sagt er im Beginn seiner 9. Vorlesung: „Für Diejenigen, welche mit der Geschichte Griechenlands vertraut find, und welche dessen hohe geistige Entwickelung in intellectueller, moralischer und ästhetischer Beziehung zu würdigen verstehen, ist es oft ein Gegenstand der Verwunderung gewesen, wie eine solche Nation eine solche Religion hat annehmen und nur einen Augenblick erträglich finden können. Was die Einwohner der. kleinen Stadt Athen in der. Philosophie, in der Dichtkunst und Politik, überhaupt im Kunst und Wissenschaft, geleistet haben,, ist uns allen bekannt, und unsere Bewunderung für sie wächst - nochzehnfach, wenn wir durch das Studium anderer Literaturen z.-B. Indiens, Persiens und China's, zu einem Vergleiche, ihrer Leistungen mit denen anderer Nationen des Merthums befähigt werdrn. Fast in allen Zweigen des Könnens und Wissens, mit Ausnahme der Religion , verdanken wir Europäer, die Erben der in. zwanzig bis-dreißig Jahrhunderten aufgehäuften Schätze geistiger Arbeit, die Elemente jedesmal den Griechen , und so seltsam dies klingen mag, dennoch dürste-es kaum Widerspruch erfahren, daß bis auf den heutigen Tag die Meisterwerke dieser unserer geistigen Urahnen und frühesten Lehrmeister, die. Gesänge Homers, die Dialoge Plato's, die-Reden des Demosthenes und die Statuen Phidias, zwar zu vieler und erfolgreicher Nachahmung angeregt haben, aber doch von den Leistungen der Nachwelt nie übertroffen worden sind. Wie -die-Griechen zu der Entwickelungsstufe emporgestiegen, welche sie erreichten und wie^ sie allein von allen anderen Nationen fast jede-Mine