Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1866)
- Date
- 1866-06-26
- Page
- Seite 407 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gefördert. Dahingegen erscheint es uns von großem Nutzen, vom Standpuncte der Jetztzeit aus, den Character der großen talmudischen, und besonders der mischnischen Arbeit, als des ungetrübtesten Stadiums jener, klar zu erkennen. Wir sehen auf dem uns vorliegenden Gebiete keinen Kampf der Ideen, keinen Kampf um den Bestand, wie in der Thora und in den Propheten, sondern um Sitte gegen Sitte. Die Mischna konnte bereits so fest .auf den Monotheismus der Juden rechnen, daß sie in der Verfertigung von Bildern und in der Verwendung von Götzeubildermaterialien sehr gelinde sein konnte; dagegen fürchtete sie den Einfluß des Lebens, des Verkehrs und der Sitte und wandte ihre ganze Strenge gegen diesen. Darum schritt sie auch über den juridischen Standpunkt hinaus, und versetzte sich auf -den polizeilichen. Wir haben dies etwas ausführlicher dargestellt, weil sich Aehnliches in analogen Zweigen ergiebt. (Fortsetzung folgt.) Zerstreute Semerlmngen. 11. Eine beachtenswerthe Etymologie. Die Wörter haben oft ein eigentümliches Schicksal, und die Geschichte derselben, wenn sie gründlich aus ihren ^historischen Resten und nach wissenschaftlichen etymologischen Grundsätzen erörtert, nicht nach willkührlichen Phantasieen construirt wird, bietet oft überraschende Resultate.' Wer wird z. B. glauben, wenn er seine Freunde auffordert, es sich bequem machen und ihnen zuruft: „Ke vohs genez pasdaß er hiermit an die Menschenopfer erinnert, zu welchen die Israeliten von ihren götzendienerischen Königen im Thale Hinnom verleitet wurden? Und doch ist es so, und zwar, nicht nach willkührlicher Ableitung, wie sie für Wörter moderner Sprachen, Namen. von Gebirgen', Flüssen u. s. w. aus dem Hebräischen abzuleiten, bei einigen jüdischen und christlichen Gelehrten im. vorigen Jahrhundert beliebt war, sondern nach unzweideutigen geschichtlichen Beweisen. Das auch im Deutschen ülich gewordene gene, gen er, 86 geneay geniren, sich geniren,. stammt von den Worten c:n genauer c:rr p: V, ein Thal, welches, südöstlich von der Stadt Jerusalem gelegen, von Josua 15, 8. Neh. I I, 30 als Grenzpunkt des Stammes Juda angegeben wiro.. Ein angenehmes, fruchtbares Thal, eine Felsenschlucht mit Hainen angefüllt, wurde in ihm (2 Kön. 23, IO) von götzendienerischen Königen ein Thophet, d. h. eine Brandstätte errichtet, um auf derselben dem scheußlichen Götzen Moloch Opfer, oft auch Menschenopfer darzubringen, weshalb auch der Prophet Jeremias (7, 31—33) Verkündigungen der Entweihung und Verwüstung darüber ausspricht. Von hier aus wurde es, als dieser Begriff in das Judenthum eindrang, zum Symbol der Verdammniß, dem Orte der Hölle, wo die verurtheilten Sünder ihre Strafen und Qualen erlitten, auf kürzere, längere oder ewige Zeilen, p* p oder Paradiese gegenüber. ' Das Wort wurde zusammengezogen oder griech. Fiewa, lateinisch Gehenna, welches von den Kirchenschriftstellern des Mittelalters nicht blos im Sinne von Hölle, sondern auch im allgemeinen Sinne von Leiden, Schmerz und Qual gebraucht wurde. Hiervon das französische Wort gehenner, wie z. B. Montaigne im 16. Jahrhundert noch schreibt: Je me suis contraint et geheim6, ich habe mich gezwungen und gequält. Später wurde gehenner in gßner zusammengezogen, und der Begriff „Qual" etwas abgeschwächt (vgl. Max Müller, Wissenschaft der Sprache, Bd. II. S. 226.) 12. Die Mythologie. Es ist in d. Bl. bereits referirt worden, wie der gelehrte Professor Max Müller in Oxford in seinen Vorlesungen über „Wissenschaft der Sprache" (Leipzig 1866) es versucht, aus der einheitlichen.Wurzel des Namens Zeus in allen arischen Sprachen, zu deduciren, daß den alten Mythologien ein reinerer Begriff von der Gottheit, vielleicht der einer einheitlichen, zu Grunde lag. Seine sprachlichen Untersuchungen sind von hohem Werthe, und nahen sich bisweilen der Evidenz. Aber die Schlüsse, die er daraus zieht, sind sehr gewagt, und leiden auch an Widersprüchen. Er betrachtet die Mythologien als krankhafte Zustände, insonders aus der Ohnmacht der Sprache entstanden, das Unbegreifliche auszudrücken. Er sagt hier (©. 386): „Dennoch sind aber selbst die Religionen der alten Völker keineswegs nothwendigerweise ganz und gar mythologisch. Im Gegentheil setzt eine mythologische Religion, wie ich glaube, ganz ebenso eine verständige Religion voraus, wie ein kranker Körper einen gesunden. Ehe die Griechen den Himmel, oder , die Sonne, oder den Mond Götter nennen, konnten, mußten sie nothwendigerweise schon irgend eine Idee der Gottheit entwickelt haben. Wir können nicht von einem König Salomo