Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1866)
- Date
- 1866-06-19
- Page
- Seite 398 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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mmm länge irr Honan niedergelassen haben, bekannt zu machen. Hier folgt sein Bericht über sie: „Die jüdische Eolönie wurde in den letzten Zügen angetroffen. Sie hatten alle Kenntniß der hebräischen Sprache verloren, obgleich sie noch einige Abschriften Ides Gesetzes auf Pergamentrollen aufbewahrten. Da ihre Synagoge schon lange in einem verfallenen Zustande-war, ist sie kürzlich niedergerissen worden und ihre Materialien zu Nahrungsmitteln für das von Armuth belastete Volk verkauft, die steinerne Tafel, die ihre Geschichte enthält, bezeichnet noch allein den Platz. Ihre Zahl wird noch auf drei bis vierhundert geschätzt, aber da seit dem Tode ihres letzten Rabbiners jede Beobachtung ihrer Ritualien gänzlich aufgehört hat, verschwinden die. schwachen Linien, die sie von den sie umgebenden Heiden trennen, völlig. In der nächsten Generation werden , sie wahrscheinlich ganz aufhören, als besondere Gesellschaft zu existiren." Brasilien. Pernämbueo, 18. März. (Privatmitth.) Unter diesem Datum ist ein Statut einer israelitischen Wohlthätigkeitsanstalt gedruckt erschienen, von welchem ein Exemplar der Redaction zugesandt worden, und das unser Interesse darum um so eher zu wecken vermag, als es aus einem entlegenen Lande, in welchem vor einem halben Jahrhunderte die Inquisition gegen unsere Glaubensgenossen noch wüthete, kommt, und so ein Zeugniß abgiebt, daß jetzt auch dort das Recht der Glaubensfreiheit geachtet und von den Juden angemessen benutzt wird.*) Die Gesellschaft ist zur Hülfsleistung. für. jeden bedürfügen, kranken oder schwachen Israeliten bestimmt. Zum Eintrit ist jeder Israelit, seines in der Stadt Pernambuco, oder als „Reisender" durch Einzahlung von 10,000 Reis (162/3 Thlr.) und durch monatliche Zahlung von 2000 Reis (31/3; *) Weniger wäre die innige Verbindung zu betonen, in welcher gegenwärtig die entferntesten Länder mit einander stehen. Denn schon 1639, als in Brasilien die Holländer herrschten und sich eine ansehnliche jüdische Eolonie dort bildete^ erholte diese sich Raches bei dem Räbbinen Chajim Schabtha'i' in Salonichi (Türkei), wegen Kalenderverhältnissen, die im Süden der westlichen Hemisphäre Abweichungen mit sich brachten. Also auch damals schon wußten die Juden der entlegensten Länder einander zu finden. - Redaction. Thlr.) berechtigt. Jeder Kranke erhält freie medizinische Behandlung und jeder Todte Bestattung auf Kosten der Gesellschaft. Jedes Mitglied, das sich in der Stadt befindet, ist bei Strafe von 20,000 Reis (331/3 Thlr.) verpflichtet, dem Leichenbegängniß eines Mitgliedes beizuwohnen. Die Gesellschaft spendet jährlich 2O0Frs. an die „Alliance isr. univ.“ Die- Generalversammlung findet jährlich am Tage nach dem Jom-Kippur statt. Diese Statuten haben als gegenwärtige Mitglieder bei der Gründung 16 Herren unterschrieben, deren Mehrzahl durch ihren Namen den deutschen Ursprung verräth. Correfporrd enz. Frankfurt a. d. Oder 26. April. Gestatten Sie mir, an dieser Stelle über das jüngste Schulprogrämm der - jüd. Gemeinde-Knabenschule zu Berlin, verfaßt von dem Leiter dieser Anstalt, Herrn Rector A. Horwitz, kurz zu referiren. Person, wie Gegenstand, die in demselben behandelt werden, haben hierauf gleichen — d. h. gleich großen — Anspruch. Die Person ist Moritz Veit, ein Mann im edelsten Sinne des Wortes, und der Gegenstand ist das „Schulwesen der ersten und größten Gemeinde unseres preuß. Vaterlandes." — Veit und das jüd. Schulwesen Berlins stehen, aber in so engen Beziehungen zu einander^ daß man sie sich, getrennt, kaum noch dürfte denken können, vielmehr, von Ersterm redend, immer auch an das Letztere — und ebenso umgekehrt — aufs Lebhafteste erinnert werden müßte. In diesem Lichte auch — und wie konnte es anders geschehen? —find Person und Gegenstand vom Verfasser beleuchtet, indem dieser uns zeigt, in welch schönem Verhältnisse der * fei. Veit zu dem Schulwesen seiner Gemeinde stets gestanden, indem er uns sehen läßt, was dieses Jenem zu verdanken habe, was dieses durch Jenen geworden. — Veit hat fast ein volles Vierteljahrhundert, nämlich vom Herbste 1839 bis zu seinem Tode, der Gemeinde-Verwaltung angehört und während dieser ganzen Zeit — er mochte Mitglied des Aeltesten-Collegiums (1839—1849) oder Mitglied der Repräsentanten-Versammlung (1849—1864) gewesen sein .— dem Unterrichtswesen immer sein volles Interesse zugewendet, zur Hebung und Besserung der