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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-19 · Heft 25 (19.6.1866) · p. Seite 397

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 25 (19.6.1866)
Date
1866-06-19
Page
Seite 397 (sequence 11)
Language
German
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397 Belgien. Brüssel, 8. Juni. (Privatmitth.) Ich hatte Ihnen schon in meinem letzten Briefe bemerkt, geehrtester Herr Doctor, daß die allgemeine Stimmung der hiesigen Gemeinde zu Gunsten des Herrn E. A. Astruc von Paris sei. Ich zweifelte nichts daß er bei der Wahl die absolute Sttmmenmehrheit erhalten werde; ich war aber weit entfernt zu glauben, daß diese Mehrheit so groß würde, daß sie einer Stimmeneinheit gleich käme. In der That, bei der Wahl, die vergangenen Sonntag, den 3. Juni, von den beitragenden Mitgliedern der ifrael. Gemeinden Belgiens in hiesiger Stadt vorgenommen wurde, erhielt Herr Astruc beinahe u/i2 der Stimmen. Die Richtschnur bei der Wahl war weder die strengere oder lagere Orthodoxie der Candidaten, da drei derselben Richtung dem gemäßigten Fortschritt huldigen, noch war es der größere oder kleinere Grad von Gelehrsamkeit der drei Rabbiner, indem nach dem literarischen Werthe der 3 im Druck erschienenen Probepredigten'zu urtheilen, alle drei Herren beinahe auf gleicher Stufe stehen. Es war lediglich das meisterhafte Rednertalent des Hrn. Astruc, das den Ausschlag gab und ihm einen so überaus glänzenden Sieg verschaffte. In derselben Versammlung wurde Hrn. vr. Löb, dem zurücktretenden Groß-Rabbiner, dessen guten Eigenschaften, dessen friedfertigem unv geradem Sinne und dessen Gelehrsamkeit volle Anerkennung gezollt wurde, durch Acclamation eine Dankadresse nebst einem Ehrengeschenk votirt. Die Gemeinde ist von dem Wunsche beseelt, daß der würdige Geistliche in ihrer Mitte bleiben und sein segensreiches Wirken als Privatmann fortführen möge. Sein Rath wird stets mit Achtung gehört werden. Ein gMer, reger Geist, seit einigen Monaten in hiesiger Gemeinde erwacht und durch die in letzter Zeit sich wiederholten Gemeindeversammlungen unterhalten, beginnt seine Früchte zu tragen. — Vergangenes Pfingstfest, bei Gelegenheit, der Confirmationsfeierlichkeit, hatten wir den hohen Genuß, eine neue Compoßtion des Hrn. E. Lassen*) zu hören, die vom Shnagogenchor *) Dieser junge, talentvolle Componist ist der Sohn des hochverdienten Präsidenten des ist. Consistoriums von Belgien. Wir freuen uns, daß er seine Kunst auch der Synagogenmusik zuwendet. Redact. unter Mitwirkung einiger Damen meisterhaft auSgeführt wurde. Herr A. Cohn, unser nicht mehr junger, aber noch rüstiger., mit jugendlichem Eifer beseelter, erster Borbeter sucht einen 4stimmigen Mannerchor zu organistren. Wünschen wir ihm und der guten Sache den besten Erfolg. Rußland. Bonn, im Juni. Aus vielen Städten Rußlands werden der Redaction die Abschriften der Adressen mitgetheilt, welche die jüdischen Gemeinden bei Veranlassung der glücklichen Rettung des Kaisers an Sr. Majestät richteten, und der gnädigen Antworten, die sie durch den Minister erhielten, sowie Beschreibungen der gottesdienstlichen Feste, die deshalb begangen wurden. So in den jüngsten Tagen die trefflich abgefaßte Adresse der Gemeinde zu Ripa, welche aus der Feder des jetzigen Rabbiner vr. Reichmann geflossen. So auch die Rede, welche der Rabb. Olschwanger in Tauroggen gehalten und die gedruckt worden. Mer Raum und die Identität des Gegenstandes lassen den Abdruck in dieser Zeitung nicht zu, so sehr wir auch den schönen und religiösen Sinn zu schätzen wissen, der sich in . allen diesen Kundgebungen darthut. Möge die Vorsehung die Tage des Kaisers fernerhin schützen, und Seine Huld auch den jüdischen Unterthanen fort und fort erhalten bleiben! China. Kaifung-Fu. Der „North China Herald“ vom 7. April enthält einen Bericht über die Reise des vr. Martin von Pekin nach Schanghai, die er in den Monaten Februar und März unternommen und zwar auf einem Wege, der bis dahin noch nicht von einem Europäer bereist worden. Der Bericht war in einer Abhandlung gegeben, die von dem Reisenden bei einem besondern Meeting des nordchinesischen Zweiges der kön. asiatischen Gesellschaft (von welcher auch ein Glaubensgenosse, Herr Alexander Levy aus Schanghai, Mitglied istam 29. März 1866 vorgelesen wurde, vr. Martin, welcher sagt, daß die Entfernung von Käifung- Fu, Honan, 470 Meilen beträgt, gab sich Mühe, sich mit' dem gegenwärtigen Stand der Juden, welche sich seit

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