Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1866)
- Date
- 1866-06-19
- Page
- Seite 396 (sequence 10)
- Language
- German
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896 für sie agitirt so zeigt dieses eben, daß sie keinen Boden in' der Gemeinde Haben. . - . Unserer Meinung, nach, wüßte der. Vorstand-.eher das Äeußerste Heran kommen lassen, als der Gemeinde eine derartige Octtoyirung Lescheeren. — Das Äeußerste jedoch, wir -meinen die Trennung und Spaltung der Gemeinde, ist nicht zu fürchten, da die Orthodoxen eben nicht aus sich selbst die nothwendigen religiösen Jnstitütionen schaffen können. — Die „Neuzeit" regte zuerst die Frage an, bei einem eventuellen Kriege jüdische Feldprediger zu bestellen; wie ich höre, wäre das Kriegsministerium bereit diese Frage in günstigem Sinne zu entscheiden. M fragt sich jedoch, da beiläufig 30,000 jüdische Soldaten in. den verschiedensten Regimentern eingereiht sind, wo und wie viele jüdische Feldprediger angestellt werden müssen.*) Wen, 30. Mai. Man wird längst begierig gewesen sein, zu erfahren, welche Folgen die jüngsten Mißhandlungen der Juden in Böhmen für die Uebel- Lhäter haben mögen. Einiges erfährt man jetzt. Dieses: Tage ist die kriegsgerichtliche Untersuchungs-Commission von Schüttenhofen, wo sie mehr als zwei Monate verweilte, nach Pisek zurückgekehrt. Obwohl es vielen Excedenten, namentlich den Fremden, unter dem Deckmantel der Nacht und mit Benutzung der allgemeinen Verwirrung gelang, bisher unentdeckt zu bleiben, so sollen doch weit über hundert Personen in Untersuchung gezogen worden sein, wovon sich zwanzig Leim Piseker Kreisgerichte in Haft befinden. J Pest, 4. Juni. (Privatmitth.) Die in unserer Gemeinde so oft ventilirte ungarische Predigerfrage scheint so gut wie gelöst zu sein. Herr Dr. Kohn, ein Zögling des Breslauer Seminars, hat nähmlich am jüngstverflossenen Sabbate in Gegenwart einer zahlreichen Hörerschaft einen ungarischen Kanzelvortrag.gehalten, der was Inhalt und Vortrag betrifft alle Erwartungen übertraf. Der Redner bediente sich des ungarischen Jdiom's, trotz seiner achtjährigen Abwesenheit von der ungarischen Heimath, mit einer solchen Correctheit und Geläufigkeit, daß selbst Vollblut-Magyaren ihm vollsten *) Wäre es zu schwer, einen Modus hierfür za finden, wenn wenigstens Lei den Divisionen jüdische Geistliche angestellt würden? Redact. Beifall zollten. Was dem jungen Prediger noch mehr Herzen gewann, war dessen bescheidenes'von jeder Arroganz wert entferntes. Benehmen. - ‘ Wie ich Ihnen aus sicherer Quelle berichten kann, wird die Aufnahme des Herrn Dr. Kohn noch in dieser Woche erfolgen und selbst dessen Einführung in das neue Amt schon in den nächsten Wochen vor sich gehen. Vor 8 Tagen starb hier der auch in weiteren Kreisen gekannte und anerkannte emeritirte Professor der jüd. Handelsakademie, Jgn. Großmann, eines plötzlichen Todes. Herr Oberrabbiner Di*. Meisel hielt an dessen Bahre eine allgemein erschütternde Leichenrede und forderte in derselben die Anwesenden auf, des Verblichenen zurückgebliebene Wittwe nebst 4 unmündigen Kindern zu unterstützen, da der Dahingeschiedene in ärmlichen Verhältnissett lebend, seine Familie im größten Elend zurückgelassen hatte. Die Worte des Oberrabbiner verfehlten ihre Wirkung nicht, denn bis zur Stunde hat Herr Dr.- Hirschler im Vereine mit noch andern Herren die Summe von 1800 fl. für die unglückliche Familie gesammelt. ......rg. Schweiz. Lengnau, im Mai. (Privatmitth.) An,die hier neu errichtete Fortbildungsschule ist Herr Dr. F. Korn aus Breslau, ein sehr tüchtiger Pädagoge, dessen in diesen Blättern im vergangenen Jahre mehrfach gedacht wurde, berufen und am 13. d. M. feierlich installirt. Neuschätel, den 4. Juni. (Privatmitth.) Aus Colombier berichtet der „Handels-Courier" einen schönen Zug von Toleranz. Es wohnen hier nun seit einigen Jahren zwei israelitische Familien, die ersten und einzigen im Orte. Herr S., der Chef einer dieser Familien; feierte seine Hochzeit; als er nun am 31. Mai mit seiner Frau zurückkehrte, wurden sie hier mit einem allgemeinen Enthusiasmus empfangen und wurde ihnen Abends von der hiesigen vorttefflichen Militairmusik eine Serenade gebracht, wobei Beleuchtung, Feuerwerk, Kränze am Eingänge der Thüre u. s. w. Kurz, ich glaube, wie seiner Zeit der König von Preußen in sein Fürstenthum kam, hat man ihn nicht herzlicher empfangen,