Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1866)
- Date
- 1866-06-19
- Page
- Seite 394 (sequence 8)
- Language
- German
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hätten dem Staate viel mehr Dienste geleistet als die - anderen.^) Er beanspruche im Uebrigen. die Annahme, daß -' wir dennoch in "einem - christlichen Staate, leben.. Graf Bremer beschloß-dann die Debatte mit folgender Auslassung: Die Bewilligung widerstrebe ihm aus persönlichen und christlichen Anschauungen; ein Recht der Juden auf Unterstützung ihres Cultus bestreite er; die Juden hätten Geld genug, sich Tempel, zu bauen.. Was werden sollte, wenn sie es nicht thäten, wisse er nicht. Vielleicht würden sie Heiden. Was würde und was sie würden, sei ihm auch einerlei.**) Der Antrag v. Lenthe's wurde dann mit 31 gegen 12 Stimmen . abgelehnt und die Regierungsforderung genehmigt. Gegen die unlängst Hier stattgefundene Wahl des ersten Gemeindevorstehers wurde von einigen Gemeinde- Mitgliedern bei der königlichen Landdrostei Protest erhoben^ angeblich weil mehrere schriftlich ertheilte Vollmachten nicht genügend beglaubigt waren und dennoch Beachtung gefunden hätten.: Eine Entscheidung ist indeß bis jetzt noch nicht erfolgt. In• Walsrode hat der; Bürgervorsteher Herr Samuel Seckel dem Magistrate eine Urkunde überreicht über eine von ihm für hilfsbedürftige Wittwen aller Confessionen errichtete Stiftung. Sie besteht aus zwei Grundstücken und einem Kapitale von 60 Thlrn., das zur Besamung der Grundstücke bestimmt ist. Die Verwaltung ist dem Magistrate und den Bürgervorstehern übertragen. .In Lauenau feierten vor Kurzem der frühere Kaufmann B. Hammerschlag und Frau ihre goldene Hochzeit.. Unter den vielen Beweisen von Theilnahme, welche denselben zu Theil geworden, sind besonders hervorzuheben: ein Geschenk Sr. Majestät des Königs, . . *) Die „anderen" — man sollte meinen, , der Herr . Minister meint mit „anderen" die. getauften Juden. Nach: den Zeitungen aber sagte der Freiherr: „die Reformjuden." Eine - genauere Definition über „dem Cultus^ treu" und „mehr Dienste", hatte man wohl wünschen mögen, denn dann.-hättei eS-sich, wohl gezeigt, daß der Herr Minister' eine jener hohlen -Phrasen, gesprochen, welche, die Feudalen und' Pietisten zum- Deckmantel ihrer Beschränkungen und eigentlichen' Absichten 'f erfunben ha-, haben: Wir machen bekanntlich hinsichtlich rechtlicher Ansprüche keinen Unterschied zwischen Juden und Juden, und können einen solchen nicht auffinden. Red. d. A. Z. d. Jud. *^j Kommt auch gar nicht darauf an, was dem edlen' Grafen^ am Herzen. liegt,' hat für uns und die' ganze- Welt-keine Bedeutung: R ed a c tio n. bestehend in.einem werthvollen Bildnisse dev königlichen Familie, Gratulationsschreiben, des Herrn Ministers^ v. Malortie, des königlichen- Amts Springe und noch vieler Anderer. . . . Auf der nur spärlich besuchten Versammlung jüdischer Lehrer aus dem Königreiche, welche am 23. v. M. in Lehrte stattfand, wurde vorläufig von einem Beschlüsse, sich dem sogenannten Klingensteinschen Vereine zur Unterstützung von jüdischen Lehrer-Wittwen und Waisen in Deutschland anzuschließen, Abstand genommen, bis sich zeigen würde, ob ein. ähnlicher Verein in unserem Lande in nächster Zeit ins Leben treten würde, oder nicht. Preußen. Berlin, 5. Juni. (Privatm.) Dr. Aub ist in der Repräsentanten-Versammlung mit allen Stimmen gegen zwei gewählt worden. Demnngeachtet wird er hier''einen harten Stand haben. Denn eine gewisse Partei rüstet sich bereits mit ihren gewohnten Mitteln von Verleumdungen und Verdächtigungen gegen, ihn zum Feldzuge. Es ist dieselbe Partei, die.auch gegen Sachs demonstrirte, bis sie theils vor seiner siegreichen Beredsamkeit verstummte, theils auch Sachs ■— ihren Reihen sich zuneigte.' Anfangs August soll die. neue Synagoge eingeweiht werden. Hoffen wir, daß der Krieg, der jetzt unvermeidlich erscheint, nicht noch einmal einen Strich durch die Rechnung machen werde. Ueber die allgemeine Stimmung, die jetzt hier herrscht, lassen Sie mich schweigen. Wozu auch vom Traurigsten sprechen, das man nicht ändern kann? Wozu zu den Klagen, die von überallher ertönen, noch Klagen führen? Nur die eine Frage steht noch offen: werden. die Schrecknisse, die unser noch' warten^ noch größer sein, als die wir bereits hinter uns haben, und. die Wirkungen schlimmer, als die wir schon erfahren? Gott allein weiß es! . ’ Neubrandenburg, Mai. Ueber meinen Artikel in No. 9 d. Zeit. d. I., „Mecklenburger Zustände", sind bereits'zwei Erwiederungen, die erste in No. 12 und die' andere in No. 19 veröffentlicht worden. Die erste; von Herrn vr. Hamburger in Altstrelitz läßt keine Wider- - legüng zu,' da die Sache sich wirklich so verhält^ wie derselbe berichtete; indem eine landesherrlich bestätigte