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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-19 · Heft 25 (19.6.1866) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 25 (19.6.1866)
Date
1866-06-19
Page
Seite 388 (sequence 2)
Language
German
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schlecht der Gotteslehre ein Boden gewonnen werden. In diesem Stamme selbst aber lebte nur eine schwache Tradition, die in Egypten mythologische Färbung hinreichend angenommen (vgl. 2 Mos. 32, 4—6), und es war daher vorauszusehen, daß, mittten unter heidnische Nationen versetzt, im Schoße Israels selbst ein harter Kampf zwischen der Gotteslehre und dem immer wieder hereinbrechenden Heidenthum stattfinden werde (vgl. 5 M. 21, 16. 20. 29.). Es galt also einen Kampf um die Existenzfrage, und es mußten daher die nachdrücklichsten Maßregeln ergriffen werden, um den Bestand der Gotteslehre in Israel selbst zu sichern und vor dem Einbruch des Heidenthums zu schützen. Die desfallsigen Vorschriften in den 5 Büchern Mos. beziehen sich also wesentlich auf das Verhältniß Israels zum Heidenthume innerhalb des ersteren selbst. Die unerläßlichen Bedingungen waren hier, daß Israel ein eigenes Land, zu seinem Sitze erlange, daß die bis jetzt darin wohnhaften heidnischen Stämme daraus vollständig verdrängt, und alle dem Götzenkultus dienenden Gegenstände, seien es Tempel, Haine, Märe- Bilder, Säulen oder dergleichen, zertrümmert und ihre Reste vertilgt werden, daß eine Vermischung der Israeliten mit ihnen durch Verheiratung vermieden werde. Noch weniger dursten die Israeliten Götzenbilder verfertigen, ja nicht einmal die Namen von Götzen im Munde führen (2 Mos. 23, 13.), keinerlei heidnischem Opfer beiwohnen (2 Mos. 22, 19 u. a. O.), insbesondere nicht an dem Menschenopfer des Moloch Theil nehmen (3 Mos. 18, 21 u. a. O.) Die ganze Schärfe des Gesetzes mußte sich aber gegen die Israeliten wenden, welche sich zum Götzendienst verleiten ließen oder gar ihre eigenen Brüder dazu verleiteten (3 Mos. 20, 2 ff. 5 Mos. 13, 2 ff. u. a. O.). Es ist bekannt, daß diese gesetzlichen Bestimmungen das immer wiederholte Auftreten des Heidenthums im israelitischen Volke zu verhindern nicht vermochten, daß vielmehr ein tausendjähriger Kampf im Inneren des Volkes darüber entstand. Die mangelhafte Austreibung der heidnischen Völker, das Beispiel der umwohnenden Nationen, der Hang der Israeliten selbst und endlich die Herrschsucht der Könige, welche die Beschränkungen ihrer politischen Macht durch das mosaische Gesetz zu beseitigen trachteten, gaben dem Heidenthume immer neue Nahrung, und brachten so den religiösen und sittlichen Verfall immer näher. Hiergegen traten nun die Propheten auf, und es ist der eigentliche Inhalt und Beruf des Prophetenthums, gegen das Heidenthmn in Israel und seine unsittlichen Folgen zu. kämpfen, was es allerdings nur vermochte, indem es dennoch einen starken Anhalt für die Gotteslehre in einem Theile des Volkes vorfand.-. -Freilich konnte es dem Prophetenthum hierbei nicht beikommen, die speciellen Vorschriften des mosaischen Gesetzes gegen den Götzendienst einzuschärfen und etwa durch neue zu ergänzen — dazu fehlte alle Opportunität^, sondern es konnte nur jene schon in den 5 Büchern Mosis angedrohte Bestrafung des ganzen Israels durch Vertreibung aus dem Lande, Zerstreuung und Knechtschaft unter den Völkern immer und immer wiederholen und in erschütternden Gemälden ausführen, jede Verbindung mit den heidnischen Völkern verdammen, und - gegen diese selbst, so weit sie auf die Richtung und das Schicksal Israels einwirtten, ihre Strafverkündigungen richten. Was so lange und so oft vorausgesagt worden, traf ein: der Fall des israelitischen und judäischen Staates, die Zerstörung Jerusalems, die Wegführung des Volkes nach den affyrischen und babylonischen Ländern. Es ist aber ebenso bekannt, daß der Theil des Volkes, welcher aus dem Exil nach Jerusalem zurückkehrte, alles Heidenthumes von dieser Zeit ab durchaus baar war. Während an der letzten Schwelle des Exils noch der gewaltige Prophet, dem wir den zweiten Theil des Jesaias verdanken, gegen den Götzendienst in Israel eifert, zeigen die nach dem Exil lebenden Propheten keine Spur davon. Sie eifern gegen schlechte Opfergaben, Vorenthaltung der Zehenten und Hebe, gegen eheliche Vergehungen, Esra gegen die Berheirathung mit fremden Weibern, Nehemia gegen den Wucher, die Entweihung des Sabbaths, aber nirgends gegen den Götzendienst. Fortan blieb Israel frei hiervon. Aber nicht blos im eigenen Lande, auch unter den in Jnnerasien Zurückgebliebenen ersteht bald eine treue Anhänglichkeit an die Gotteslehre, das väterliche Gesetz, die väterliche Sitte. Wie dieser Wandel in so kurzer Zeit geschah, ist in geschichtliches Dunkel gehüllt. Wir können nur voraussetzen, daß eben im Exil eine Sonderung zwischen den Theilen des jüdischen Volkes, welche die Gotteslehre festhielten, und denjenigen, die von ihr abgefallen, leichter vor sich ging, die letzteren in die heidnischen Völker aufgingen, die ersteren abgesondert bestehen blieben, sich zur Rückkehr nach Jerusalem entschlossen, oder doch in der Fremde sich um die Standarte ihres Glaubens enger schaarten. Ein Kampf gegen das Heidenthum erstand für Israel erst dann wieder, als das letztere mit Gewalt Eingang und Herrschaft auch bei Israel gewaltsam erlangen wollte. Jetzt

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