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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-12 · Heft 24 (12.6.1866) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 24 (12.6.1866)
Date
1866-06-12
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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Mberühmten Zürich den Israeliten vergönnt habe, in' derselben Erde, die sie im Leben bewohnt und beschritten, auch die Stätte der Ruhe, oder eigentlich die Stätte zu finden, in deren Schooß ein neues, höheres Leben für die ausdem irdischen Leben Geschiedenen beginne. Uebergehend zu dem Gedächtnis der Verstorbenen , schilderte er im rührender Weise, was dieselbe im Leben den Ihrigen gewesen. Den Schluß bildete ein hebräisches Gebet. Reich an tiefen Gedanken, warm und innig, lebendig, ernst und feierlich, in durchweg sehr wohlgewählten Formen sich bewegend, mußte der gediegene Vortrag jeden Zuhörer, ob Christ oder Jude, ergreifen, fesseln und erheben. Wäre Duldung Andersdenkender und Andersglaubender uns bis anhin ein fremder Begriff gewesen, gewiß, er hätte uns bei dem erwähnten Acte klar werden müssen. Bei diesem Anlaß die kurze historische Notiz, daß jedenfalls schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts in der Stadt Zürich Israeliten ansässig gewesen sind, daß sie damals die kleine und theilweise die große Brunngasse bewohnten und ihre Schule (Versammlungshaus) in dem Eckhause an dem Rindermarkt und der kleinen Brunngasse hatten, und daß ihr Friedhof „auf dem Wolfbach" vor dem damaligen Lindenthor in der Nähe des jetzigen Eingangs in die Zeltwegstraße sich befand. Dieser Begräbnißplatz ist nachmals in die Fortificationslinie gefallen, konnte nicht weiter benutzt werden und ist auch durch keinen andern ersetzt worden, bis die neueste Zeit einen solchen an oben erwähntem Orte ermöglicht hat. Palästina. Jaffa, im April. Der „Libanon" bringt eine seltsame Geschichte, die wir kurz wiedergeben, da sie uns zeigt, um wie viel liberaler die jetzigen Mohammedaner in Glaubenssachen sind als viele Christen. Vor einigen Jahren trat ein preußischer Unterthan, David Classen, von Geburt und Erziehung^ ein Christ, zusammen mit seiner Tochter, im heiligen Lande zum Judenthume über. Nach seinem Tode kam seine Tochter, die in Alexandrien an einen Juden verheiratet war, nach Jaffa, um ihre Erbschaft in Empfang zu nehmen. Nach einiger Zeit wurde plötzlich das Gerücht verbreitet, daß sie nahe daran wäre, den Islam anzunehmen, und daß sie augenblicklich im Hause des Mufti weilte. Es wurde bald offenbar, daß sie gelegentlich Besuche von einem jungen Mohammedaner empfing. Der preußische Consul intervenirte. Schließlich, wurde sie von den mohammedanischen Behörden in die Obhut einer jüdischen Familie gebracht, damit sie dort ihre wahren Gesinnungen über ihren beabsichtigten Uebertritt aussprechen sollte. Ihr unschickliches Benehmen wurde ihr'nun stark vorgeführt. Sie weinte nun bitterlich, drückte den Wunsch aus, wieder zum Judenthume zurückzukehren, wenn'sie nur vor den Verfolgungen der Mohammedaner geschützt würde. Es war nicht schwer, diesen Schutz zu erlangen, da die Mohammedaner jetzt die Reinheit ihrer Motive zu bezweifeln begannen. Wenn dies in Rom vorgefallen, würde die arme Jüdin in ein Kloster gesperrt sein, weit aus dem Bereiche aller weltlichen Gerichte. Großbritannien. Cambridge, im Mai. Die hiesige Universität hat einen bedeutenden Schritt vorwärts gethan, indem sie den bekannten Dr. Schiller-Szinessh als Lehrer der rabbinischen und talmudischen Literatur, wenn auch nur mit einem Jahresgehalt von 30 L. St. angestellt hat. Es kostete dies freilich einen harten Kampf im Senate. Nachtrags Lemberg, 20. Mai. (Pr.) Auf Einschreiten der hiesigen Judengemeinde hat der Statthalter derselben die Bildung eines patriotischen Vereines gestattet, der die Anwerbung von Freiwilligen, Erhaltung derselben im Felde, Unterstützung der Verwundeten und der Familien der Gefallenen sich zur Aufgabe stellt. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat es indeß für angemessen erachtet, auch die christliche Bevölkerung zur Mitwirkung und Betheiligung an diesem Werke aufzufordern. Im hiesigen Jsraeliten-Spitale werden bereits zur Aufnahme von Verwundeten entsprechende Vorbereitungen getroffen. 24*

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