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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-12 · Heft 24 (12.6.1866) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 24 (12.6.1866)
Date
1866-06-12
Page
Seite 378 (sequence 8)
Language
German
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Römischen Reich blosgelegt und Vergangenes und Gegenwärtiges, Fernes und Nahes kunstvoll an einander gereiht wird, die unparteiische und fteimüthige Besprechung und Würdigung der den Juden in moralischer und sittlicher Beziehung nicht abzusprechenden Vorzüge, die wir bei neuern Schriftstellern leider noch immer nur zu oft vermissen, — alles dies verleiht dieser Abhandlung auch für uns einen besonderen Reiz und Werth und läßt sie uns mit innigster Freude und wahrhafter Befriedigung als eine eben so interessante und verdienstvolle Arbeit begrüßen. Kommt dann noch der Umstand hinzu, daß sie von einem christlichen Autor abstammt und von einer Zeitung verbreitet wird, der man eine all zu große Schwärmerei für tolerante und liberale Gesinnungen und Grundsätze keineswegs zum Vorwurf machen kann, so dürfen wir wohl mit Recht in dieser höchst schätzbaren Arbeit ein beachtenswerthes Ereigniß erblicken. Und was sagt die geweihte Episcopal-Kanzlei hiezu? Bis jetzt — wir haben absichtlich mit diesem Bericht so lange gezögert — noch gar Nichts. Sie scheint ihre Lust an literarischen Verweisen und Moralpredigten vollständig eingebüßt zu haben und sieht wohl die Wahrheit dessen ein, was Herr Dr. Steub als Vermuthung ausspricht, daß es nämlich „vielleicht besser gewesen , ihn in seiner glücklichen Unwissenheit zu belassen." Nur einige kleine Blätter und Blättchen aus jenem so heftig angegriffenen ultramontanen Lager glaubten diese Angriffe nicht stillschweigend hinnehmen zu dürfen, ziehen es aber vor, sich mit der Person statt mit der Sache zu beschäftigen. So will z. B. die Landshuter Zeitung aus sicherer Quelle wissen, daß die Juden — die allerbesten Kunden in einem notariellen Rayon seien. Sie weiß recht gut, daß der Verfasser dieser Arbeit, der die Juden als makellose Ehrenmänner, dagegen die Christen von jeher als eine Horde von Schurken schildert und Fürsten und Priester, Bürger und Bauern an den Pranger stellt, nur deßhalb in die Welt sendet, um Eclat zu machen und sich einen literarischen Ruhm und Ruf zu verschaffen, einem Herostrat ähnlich, der, um seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen, den Dianatempel zu Ephesus angezündet. Uebrigens will sie ihn freundlicherweise mit sonstigen Winken verschonen, ja selbst mit Schlägen, denn diese würde er nachträglich noch bekommen, und wie verlautet, in ausgiebiger Weise. Verdient hätte er mehr, als genug. Ob eine solche Art und Weise der Entgegnung mehr gemein, als belustigend, oder umgekehrt zu nennen ist, dürste schwer zu entscheiden sein, jedenfalls ersehen wir daraus, daß mit den gehässigen Vorurtheilen in den Köpfen und Herzen unserer Alt- und Niederbayern noch lange nicht aufgeräumt ist und wird dies auch so lange nicht der Fall sein, als Inschriften, Bilder und sonstige Denkmäler ehemaliger Judenmetzeleien, wie sie in der Kirche zum h. Grab in Deggendorf und in anderen noch zahlreich vorhanden sind, das unwissende und geschichtsunkundige Volk an eine, die Menschenschlächterei als gottgefälliges Werk preisende Frömmigkeit erinnern und zur Nacheiferung einer solchen anspornen können, kurz, so lange nicht die Kirche mit Hinwegräumung solcher Erinnerungszeichen öffentlich und thatsächlich bekundet, daß das Christenthum keine Religion des Hasses und des Fanatismus ist und sein will. Kann sich aber die Kirche noch nicht dazu verstehen, wäre es dann nicht an der Zeit, daß von hoher und höchster Stelle dafür gesorgt würde? Als die Juden zum dritten und letzten Male aus Salzburg vertrieben wurden, es geschah anno 1478, und nicht etwa auf die bekannten, damals so beliebten und modernen Lügengerüchte hin, sondern lediglich in Folge des maßlosen Hasses und Widerwillens, den der damalige Bischof Leonhard von Keutschach gegen die Ungläubigen in seinem geweihten Herzen trug, da begnügte sich letzterer nicht mit der Verbannung der Juden allein, er ließ auch noch, um seine Abneigung nochmals und für ewige Zeiten zu documentiren, alle Judenhäuser und -Wohnungen nebst zweien Synagogen gleich Ställen säubern und ausräuchern und ein aus Marmor gehauenes, eine Judenkinder säugende Sau darstellendes Monument anfertigen. Dieses Schanddenkmal wurde im Jahre 1520 auf den Rathhausthürmen^ angebracht, prangte dort mehr als dritthalb Jahrhunderte, bis es von der Regierung 1785 fortgeschafft wurde. Sollten wir in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der bayerischen Regierung nicht ein Gleiches erwarten dürfen? München. Dr. Engelbert. Preußen. Paderborn, l. Juni. (Privatmitth.) Die von Frl. Fanny jNathan allhier gegründete „israelitische

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