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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-12 · Heft 24 (12.6.1866) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 24 (12.6.1866)
Date
1866-06-12
Page
Seite 377 (sequence 7)
Language
German
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mimancher Epigramme fremd ist, sonst würde er erkannt haben, dasi wenn auch die Dichtung mehrere Jahrhunderte spärlich floß, sie doch nie ganz versiegte. — Jedenfalls hat sich der Herr Verf. durch seine von warmer Liebe zu ihrem Gegenstände und von vorurtheilsfreiem Blicke zeugende Abhandlung Ms zu Danke verpflichtet. L. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, im Mai. (Privatm.) Unter dem Titel: ,,Der Judenmord, in Deggendorf" erschien unlängst in der Beilage der Allg. Ztg. (vom 12—19. April) eine in den verschiedensten Kreisen großes Aufsehen erregende Abhandlung von Dr. Ludwig Steub. Wie von hier aus z. Z. berichtet, wurde die in einem seiner früheren Aufsätze „Herbsttage in Throl" gemachte Mittheilung, daß noch heute nach 590 Jahren der große Judenmord zu Deggendorf. durch Processionen, Wallfahrten rc. gefeiert werde, von dem hiesigen erzbischöflichen Secretariat als eine Unwahrheit und gehässige Verdächtigung des katholischen Cultus erklärt und dahin berichtigt, daß erwähnte Culthandlungen nicht dem angeblichen großen Judenmord,, sondern dem großen Wunder der Verwandlung consecrirter Hostien gelten, „welche jüdische Wuth und Verblendung in schmählichster und schrecklichster Weise mißhandelt." Man müsse, fügt genanntes Secretariat in gereizter Stimmung hinzu, von dem Verfasser fraglichen Aufsatzes verlangen, daß, wenn er einmal über, die Wallfahrt in Deggendorf reden wolle, er sich vorher darüber unterrichte und nicht seine Phantasie und Einbildungen als Thatsachen hinstelle. Diese Rüge und Zurechtweisung sind nicht auf sandigen Boden gefallen.. Herr Dr. Steub, ein eben so tüchtiger Jurist (hiesiger Notar), als, beliebter Schriftsteller, nahm sie sich so sehr zu Herzen, daß er Nichts eifriger und eiliger unternimmt, als die Erforschung und Ergrüudung jener Wallfahrts- und Wundergeschichte nackallen einschlägigen, ihm nur zugänglichen Quellen, mit Benutzung der älteren und neuen, von jüdischen und christlichen Autoren verfaßten Geschichtswerke und die Veröffentlichung des .Resultats, dieser seiner Studien durch Eingangs erwähnte, mit obiger Ueberschrift versehene treffliche Abhandlung. In einem engen Rahmen, aber mit frischen, lebendigen Farben werden uns hier die Hauptmomente der Judenverfolgungsgeschichte im Abendlande bis zum 15. Jahrhundert vorgeführt; geist- und lichtvoll grup- Pirt ziehen die einzelnen hervorstechendsten, von Pfäffischem Fanatismus und blinder Habgier heraufbeschwornen, von wüthendem Pöbel und überschuldeten Bischöfen und Rittern ausgeübten und von Päpsten und Kaisern theils geduldeten, theils beförderten Mord- und Gräuelthaten vor uns vorüber, sich zu . einem historischen Sitterrbild vereinigend, bei dem, wie wahrlich nicht übertrieben bemerkt werden konnte, dem christlichen Leser die Haut schaudern muß, wenn er sich im. Spiegel vergangener Jahrhunderte besieht. Dabei dürften ihm aber auch durch so manche geschickt miteingeflochtene und von dem vorurteilsfreien Standpunkt des Verfassers zeugende Schilderung jüdischer Sitte und Geistesthätigkeit, jüdischer Denk- und Lebensweise ganz andere Begriffe selbst von den Juden im Mittelalter beigebracht werden, als ihm vielleicht überkommen und eingepflanzt oder er sich selbst zurecht gelegt und gebildet hatte. In einem besondern Theil wird sodann die Deggendorfer Affaire und Legende mit der betreffenden Gesammtliteratur dem Fegfeuer der Kritik übergeben und in Folge dieses Läuterungsprocesses auf das Klarste und Evidenteste dargethan, daß der angebliche große Judenmord doch etwas mehr als angeblich, vielmehr „eine Thatsache von erschreckender Wirklichkeit" ist, daß dagegen diese Bezeichnung eher auf das große Wunder anzuwenden sei, das sich bei fraglicher Hostienentweihung ereignet haben soll, oder mit andern Worten, daß, wenn die wirkliche und thatsächliche Judenmetzelei in Deggendorf nicht durch die heutigen Wallfahrten gefeiert wird, dieser Feier nur eine unwahre Ursache zu Grunde liegt, eine Mhche oder ein frommer Betrug. — Für uns und unsere Glaubensgenossen, die mit der Geschichte unserer Väter nur einigermaßen vertraut sind, ist freilich weder in dem historischen Theil, noch mit dem Ergebniß der kritischen Forschung irgend, etwas wesentlich Neues gesagt; allein die pikante, mit frischem Humor gewürzte Darstellungsweise, die geißelnde Ironie, womit die Verkehrtheiten der kirchlichen und staatlichen Grundsätze und Einrichtungen iw weiland Heiligen

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