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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-12 · Heft 24 (12.6.1866) · p. Seite 376

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 24 (12.6.1866)
Date
1866-06-12
Page
Seite 376 (sequence 6)
Language
German
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sägt er von Bileam (S. 75), daß er zuMidian gehörte. Er bespricht hierauf den Einfluß, welchen die Prophet. Literatur auf den Anbau der gesummten poetischen ausgeübt hat; wie er denn u. A. Ps. 62, 56, 57 Propheten zuschreibt. Wenn jedoch der Vers, sagt, daß zu des Königs Manasse Zeiten die Kraft des alten Prophetenthums gebrochen war, so ist uns das unbegreiflich, da ja Jeremias, Habakuk und viele andere herrliche Propheten nach Manasse lebten und wirkten. Es soll dies die mehr um sich greifende didaktische Poesie erklären, die aber recht gut neben der prophetischen Platz greifen konnte. „Diese didaktische Poesie," heißt es weiter, „ist nicht mehr rein religiöser Natur. Politische Umwälzungen erweitern den Blick. Es erheben sich die Dichter zu einer höhern, umfassendern Weltanschauung." Der vierte Abschnitt endlich behandelt die Naturpoesie, „Vereinbildung von weltlichen und religiösen Stoffen." Der Vers, steigt in deren Eintheilung von der leblosen Natur zu der belebten auf, so daß Cap. 5 Gott in der leblosen Schöpfung, Cap. 6 Göttin der belebten Schöpfung behandelt und giebt eine klare übersichtliche Anschauung, die stets auf das innere Walten des dichtenden Geistes -gerichtet ist, und die Erdenwie die Himmelssphäre als Inhalt der leblosen wie der belebten Natur vorführt. Die ausführliche 'Besprechung würde zu viel Raum einnehmen. Wir machen nur darauf aufmerksam, daß in diesen Capiteln sich manche schöne Erklärung schwieriger Stellen findet, wie namentlich in Hiob, dessen Schilderungen nach des Vaters Worte „von einer vollkommnern auf fast wissenschaftlicher Erkenntniß beruhenden Naturanschauung zeugen." Der Uebersetzung von Ps. 104 Vers 26: „um damit zu scherzen," würden wir jedoch die vorziehen: „daß er (der Leviathan) darin lim Meere) scherze (sich tummle);" was jedenfalls würdiger und der jüd. Anschauung angemessener.*) — Wir wollen zum Schluffe nur einige Stellen anführen, die von der Wärme und dem tiefen Geiste zeugen, mit welchem der Verf. seinen Gegenstand auffaßt. Das Capitel:' „Die Erde als Sphäre des Belebten," beginnt mit folgenden Worten: „Die auf einer unendlich zarten Naturempsindung beruhenden Bestimmungen des Mos. Gesetzes, nach denen die Natur als Gottes Werk geehrt und geschont werden muß, sind von bedeutender Tragweite für das Reich der *) Jene talmudische Deutung (auch Naschi's) hat Ewald wieder herausgebracht, ist "aber gänzlich zurückzuweisen, s. unseren Comm. z. St. Redact. belebten Schöpfung. Dem dreschenden Ochsen soll man nicht das Maul verbinden; nicht soll man Eier und Junge (mit der Men?) zugleich aus dem Neste nehmen; nie soll man einen Ochsen oder ein Lamm imit dem Alten?) an einem und demselben Tage schlachten; nie ein Böckchen kochen, wenn es noch an seiner Mutter Milch sich nährt, noch viel weniger in der Milch der Mutter sieden. Ohne Zweifel hat dieser Geist milder Schonung und zarter Rücksicht gegen die Thierwelt, welcher das ganze Hebräerthum durchdringt, auch Einfluß geübt auf die aus der Thierwelt ihre Stoffe schöpfenden Naturdichter." In dem Capitel: „der Himmel als Sphäre des Belebten," wird dargethan, wie die Vorstellung der Gestirne als belebte creatürliche Wesen (Hiob 38, 6. 7. und Ps. 19) in dem Hebräer bei deren Anblick das Gefühl der Andacht um so mehr erregen mußte. „Ja" heißt es weiter, „es konnte leicht Veranlassung geben, die Gestirne als höhere Wesen zu verehren. Aber während andere semitische Stämme, wie die Punier, wirklich dem Sterndienste huldigten, bewahrte die Hebräer vor dieser Creaturvergötterung das lebendige Bewußtsein, daß ein ewiger Weltordner lebt, der die Plejaden zu einer Sternengruppe, wie mit Banden an einander fesselt, der mit Sternenfesseln des Orion Riesengestalt an den Himmel befestigte, mit den beiden Kronen (einer nördlichen und südlichen) den Himmel schmückte, der den Bären sammt seinen Kindern (den drei Schwanzsternen im großen Bär) wie alle übrige Gestalten des.himmlischen Sternenheers sicher geleitet."*) Wenn nun der Verf. mit den Worten schließt:' „Seitdem üder Makkabäer-Periode) sangen die hebr. Dichter in der Sprache von Hellas und in andern Zungen. Erst im Mittelalter ward von den neuhebräischen Sängern Andalusiens das alte Idiom der heiligen Urkunde! zum Organ einer neu aufblühenden jüdischen Poesie erhoben," so muß man bedenken, daß dem Verf. die Literatur der Paitanim, die sich bis in das achte Jahrhundert hinauf datirt, sowie die in Talmud und Midrasch uns erhaltenen Fragmente liturgischer Gelegenheits-Dichtungen bei Hochzeiten, an Gräbern, auch *) Die Vorstellung der Gestirne als belebte Wesen geht freilich aus den angeführten Stellen nicht hervor, wenn sie sich auch später Lei den Essäern vorfand und in Maimon. einen Vertreter findet, der wirklich Pf. l 9,1. buchstäblich nimmt. L.

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