Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1866)
- Date
- 1866-06-12
- Page
- Seite 375 (sequence 5)
- Language
- German
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die namentlich in Gerechtigkeit, Liebe und Wahrhaftigkeit besteht, ist das Sündenbewußtsein des Menschen begründet: religiös-elegische Poesie, Bußpsalmen. Auffallender Weise wird Ps. 78 als vorzüglicher Bußpsalm angeführt, jedenfalls ein Druckfehler.*) — Der Verf. schreitet weiter zu den nationalen Elegien. Hier wird der glühende Patriotismus Israels als die Quelle der herrlichsten Elegieen auf die Zerstörung Zions und die Entweihung des Tempels hervorgehoben. Der Verf. zählt nun nach der Hervorhebung der Schwierigkeiten, die einzelnen Lieder anzugeben, die sich auf das Bab. Exil beziehen, die Pf. 7 3, 7 5, 37 mit Sicherheit dahin, in denen wir aber keine genügende Andeutung dazu finden. Jedenfalls verwirft der Verf. mit Recht die Ansicht, daß diese Pf. sowie 22, 35, 41, 69, 7i der Makkab. Periode angehören sollen. Dagegen können wir im 109. Ps. nicht mit dem Hrn. Verf. den patriotischen Schmerz eines Sängers in Babylon finden, da er allzudeutlich den Stempel der Individualität an sich trägt. Von den Trauerliedern (Elegie) im engern Sinne geht der Verf. auf die Sehnsuchts- und Geburtslieder über, wie Ps. 14 und 137 (Schmerz mit Bitterkeit gemischt) und Ps. 79 und 80 (milder, verklärter Schmerz). Der Verf. unterscheidet sanft-elegisches Lied, heiß brausendes Lied, und nbvn Erguß wehmüthiger Empfindung, die sich zu gläubigem Gebet erhebt und in welchem sich „am reinsten das Gefühl der innigsten Gemeinschaft" aussprach, „die den frommen Israeliten auch in der größten Noth an seinem Gott festhält." „Mit dem Gebete wächst ihm der Much und der Glaube. Mitten im Strudel der Gefahren . .. gewinnt Israel in Gott versenkt, ... zuversichtliche Gewißheit, daß Erlösung und Heil kommen werde." Auffallend jedoch ist des Verf. Ausdruck S. 53., daß im Schmerze über das Exil „Sänger und Volk sogar in bittern Klagen gegen den grausamen Schöpfer sich wenden konnten" (Ps. 56 und 57). Wir finden aber weder in diesen Psalmen, die fern von jedem Vorwurf gegen Gott sind, noch in irgend einem andern Psalm einen Ausdruck, der wie „bittere Klage gegen den grausamen Gott" klänge. Treffend bezeichnet dagegen der Verf. Ps. 126 als in der Erinnerung an die Errettung aus dem Exil schwelgend, die den Sänger „auch den über die junge Colonie hereinbrechenden Stürmen gegenüber mit Zuversicht erfüllt." In jene Zeit setzt der Verf. muthmaßlich viele Redact. Tempellieder wie 94, 95, 96, 131 u. a. Schmerz und Freude, heißt es, sind in der Gemeindepoesie der Hebr. die zwei Haupthebel der Seelenstimmungen. Der Verf. beschließt dieses Capitel mit den herrlichen, charakteristischen Worten von Meier (die poet. Liter, d. A. T. p. 274), die wir uns anzuführen nicht versagen können. „Es sind wahrhafte Gemeindelieder, religiöse Volkslieder. Auch wo der einzelne Israelit sein Freude-und Dankgefühl vor Gott ausströmt, oder wo er sich in Klagen ergießt, un: Rettung fleht, da sehen wir nie blos individuelle Leiden und Freuden ausgesprochen, sondern der Einzelne betet blos zu Gott als Glied des sittlichen Ganzen, dem er angehört und nicht ohne dies Ganze mit in sein Gebet einzuschließen. Deshalb kann auch die ganze Gemeinde in solche Lieder/ die eigentlich nur persönliche Klagen und Leiden eines Einzelnen ausdrücken, wie Ps. 7, 11, 17, 22, 31, 32 aus vollem Herzen mit einstimmen; denn sie findet ihr ganzes Wesen darin wieder, so gut wie in den allgemeiner gehaltenen und im Namen des ganzen Volkes gedichteten Gesängen, wie Ps. 44, 74, 90, 137 u. a. M." — Wir können nicht umhin hinzuzufügen, wie die Synagoge diesen Geist so herrlich aufgefaßt und in allen Gebeten festgehalten habe, wie denn die Rabbiner es zur Regel machen: wbsra -nvLN bbv'w Im 3. Cap. giebt der Hr. Verf. eine treffliche Zeichnung des Wesens der hebr. Propheten in ihrer Wechselbeziehung zu Gott und Volk, die den Bund Gottes mit seinem Volke zum Mittelpunkte hat. „Ihre ideale Weltanschauung" sagt der Verf. u. A. „ist ab.er weit entfernt von jener überschwenglichen montanistischen Schwärmerei oder visionären Geistesverzückung." Der Verf. begreift nun unter prophetischer Poesie Stoffe einer vom Geiste der Prophetie durchweheten Poesie. Also bezeichnet er und erläutert kritisch den Segen Jacobs (Gen. 49) in Parallele mit dem Segen Mos. 5 B. M. 33. Zu den Prophet. Dichtungen aus Davids Zeit zählt der Verf. Ps. 110, indem er in dein angeredeten Könige, dem der Dichter Sieg verheißt, David erkennt und. wohl nicht mit Unrecht. Eben dahin rechnet er Ps. 2. Das Prophetische in diesem Psalm liegt in dein reinen Einklänge zwischen Theokratie und Königthum. Beiläufig sei bemerkt, daß auch der Verf. die Worte -n nach einer gründlichen Erläuterung mit Ewald und den meisten jüd. Exegeten, voran das Targum, übersetzt: Erfasset Lauterkeit. Auch die Aussprüche Bileam's (Num. 22, 24) setzt der Verf. in diese Zeit. Auffallender Weise aber ') Soll wohl Ps. 38 heißen.