Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1866)
- Date
- 1866-06-12
- Page
- Seite 374 (sequence 4)
- Language
- German
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' 374 . ' ■ Waffe Bringt,!fo ist ihm entgangen, daß bereits Nach-, manides (im 13. Jahrh.) darin voranging, nnr in anderer Weise. Dagegen dürfte das Lied (Nnm. 21, 17) nicht so „entschieden weltlicher Stoffart" sein, wie der Vers, will, da es, wie der vorhergehende Vers andeutet, sich auf eine Wohlthat Gottes bezieht. Als „Schöpferlied", wie es Ewald nennt, müßte es allgemeinerer Natur sein. Es folgen nun Hochzeits- und Liebeslieder. Hier macht der Verf. darauf aufmerksam, daß auch in diesen vorzüglich der innere, wahre Werth der Weiblichkeit besungen wurde, nicht aber „geistlose Schönheit, Putzsucht, Kleiderluxus und Leichtsinn" und bezieht sich hierbei namentlich auf Spr. 31, ferner daselbst 19, 14, obwohl .auch dem Lobe der ästhetischen Schönheit Rechnung getragen wird. Das. 5, 15. In der Stelle jedoch (Jes. 23, 15), welche der Verf. nach Meier's (Nationalliteratur der Hebr.) trefflicher Uebersetzung als ein Lied niederer Gattung anführt, in welchem das sonst ernst sittliche Gepräge vermißt werde, können wir ihm nicht zustimmen; da dieses nicht auf einem Volksliede beruht, sondern des Propheten eigene Erfindung ist, um der bitteren Ironie Ausdruck zu geben; wie denn der Hr. Verf. mitunter ein Volkslied zu Grunde legt, ohne daß dies ersichtlich ist, wie u. A. Spr. 7, 6. — Es scheint dies die eigene Darstellung des Moralisten zu sein. Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, auf die angeführte ausgezeichnete metrische Uebersetzung Meiers (zu Jes. 23, 15) aufmerksam zu machen: „Nimm die Zither — Durchzieh' die Stadt — Du Buhle, die man .vergeffen hat — Spiele lieblich, singe laut — daß man wieder nach Dir schaut." A Ats schönste Blüthe weltlicher Dichtkunst findet der Verf. das Hohelied. Er findet darin den Ausdruck der treuen, sittlichen Liebe im Gegensatz zur sinnlichen Liebe der Selbstsucht. Der Verf. betont übrigens mit Recht den idyllisch-lyrischen Charakter des Hohenliedes, und weist die Ansicht, darin eine dramatische Gliederung zu finden (Ammon, Böttcher u. A.), zurück.*) — Unter den elegischen Stoffen hebt der Verf. das Trauerlied Davids um Saul und Jonathan hervor, das bei aller Zartheit doch fern sei von aller weiblichen Empfindelei. Besonders entzücke dieses, abgesehen von der schönen Form, *) Diese Zurückweisung wird schließlich doch niemals gelingen. Vgl. unsere Einleitung zum Hohenliede Bd. III S. 658 ff. Redacteur. dadurch, daß des Königs Edelsinn den Tod seines Feindes Saul beweine. Gelegentlich spricht der Hr. Verf. entschieden aus, daß das Wort nwp (2 Sam. 1, 18) ein Fehler sein müsse. Er will mit Ewald üiap ----- genau, oder mit Thenius ---- aufmerksam lesen. Beides empfiehlt sich nicht. Wir sehen aber in dem Worte durchaus keine Schwierigkeit. Es heißt ganz einfach: Die Söhne Juda's sollen den Bogen führen lernen, da die Helden gefallen, die ihn geschickt zu führen wußten. Vgl. V. 22. - . In dem Capitel von der religiösen Poesie hebt der Verf. die welthistorische Bedeutung Israels, als Volk Gottes, Volk der Religion und der Offenbarung, in höchst anerkennenswerther Weise hervor, wie die Idee des Einen, persönlichen Gottes und sein Bund M dem Volke das Wesen desselben nach allen Seiten läuternd durchdrang und folglich auch das gegenseitige Verhältniß Gottes und seines Volkes „eine reiche Fundgrube ward für poetische Darstellung." Die r el ig i ö s e P o esi e nun ist zum Theil Ausdruck des religiösen Gemeindebewußtseins, zum Theil der Ausdruck prophetischer Begeisterung „die Gottesgedanken und Heilswahrheiten in schöner Kunstform zum Bewußtsein zu bringen." — Die Darstellung Gottes nach seinen sogenannten Eigenschaften in seiner Heiligkeit und Erhabenheit (Transcendenz über Zeit und Raum) bedingt die heitere hymnologische Poesie; während die Betrachtung unserer Gebrechlichkeit diesem erhabenen Wesen gegenüber die religiös-elegische Poesie schafft; was nun in verschiedenen poet. Stücken erläutert wird. Auffallend ist, daß der Verf. t Kön. 8, 27 übersetzt: Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel mögen dich nicht versorgen. Warum nicht: „fassen"? von als quadriliter.? Schön und ansprechend scheint die Erklärung Ps. 90, 2 (nach Saalschütz) „von Verborgenheit zur Verborgenheit" d. h. von der fernsten Vergangenheit bis zur fernsten Zukunft, die sich den Gedanken entziehen.*) Der Verf. reiht nun an die Poesie der Transcendenz. Gottes die von der Immanenz Gottes, wie Allgegenwart, Allwissenheit, an welche sich die Dankeslieder, theils individuelle, theils allgemeine, reihen. — In der sittlichen Heiligkeit Gottes, fährt der Verf. fort, die Gott subjettiv fordert und objectiv verheißt (2 M. 19, 6) und .*) Wir finden diese Erklärung von obiy» gezwungen, die Worte entsprechen dem vn'mn in V. 1. Redact.