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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-12 · Heft 24 (12.6.1866) · p. Seite 373

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 24 (12.6.1866)
Date
1866-06-12
Page
Seite 373 (sequence 3)
Language
German
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373 Peah einzuholen it.f. w., tottb naher bestimmt (IV, 1—5). Knüpft die Mischna hieran zunächst die Bestimmungen über Nachlese und Vergessenes, wobei bis auf die einzelne Aehre gerücksichtigt wird, die beim Schneiden vergessen worden, bevor noch das ganze Feld geschnitten ist (so nämlich, daß, -wenn die Spitze dieser Aehre noch in das Stehengebliebene hinreicht, sie nicht zum Vergessenen gehört), auch wer die Ursache des Vergessens ist, welche Stellung die Garben haben und von welcher Zahl sie sein müssen, um als Vergessenes zu gelten oder nicht u. ft w., was dann wieder seine Weiterungen betreffs der Bäume und Weinberge findet — . so kommt die Mischna zuletzt zu den Bestimmungen über diejenigen, welche zur Pealr, Nachlese u. s. w. berechtigt sind, wobei sie seststellt, unterhalb welcher Grenze an Besitzthum das Recht der Peah beginnt, nämlich sobald Jemand auch nur das Geringste unter 200 Sus besitzt, oder mit weniger als 50 Sus Geschäfte treibt. Es ist hier zu bemerken, daß in der Consequenz seines Princips der Talmudismus den juridischen Grundsatz des Strafmaßes auch auf das Gebiet versetzen mußte, wo eine menschliche Strafe nicht möglich oder zulässig ist, nämlich den Grundsatz jri» nm- Maß für Maß, und so finden wir hier den Grundsatz aufgestellt: Wer nimmt, ohne daß er zu nehmen braucht, wird im höheren Alteranderer Menschen bedürfen; wer aber bedürftig ist und doch nicht nimmt, wird im höheren Mer Andere verpflegen; wer sich ein Gebrechen andichtet, um Armenspenden zu erhalten, wird diese Gebrechen wirklich bekennen (VIII, 9 ft). In ganz analoger Weise werden die anderen Theile dieses Gebietes behandelt; doch da es unser Zweck hier nicht ist, die Gegenstände stofflich erschöpfend zu behandeln, können wir uns mit dem Obigen begnügen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Dresden, im Mai. Versuch einer Darstellung der hebräischen Poesie nach Beschaffenheit ihrer Stoffe von Dr. Carl Ehrt, Gymnasiallehrer an der Kreuzschule zu Dresden. Im Osterprogramm vom I. 1865. Dresden. 93 S. Wir begegnen hier einer Abhandlung, die mit eben sovieler Gründlichkeit, wie mit vorurteilsfreier 'Würdigung des Berufes Jsrael's geschrieben ist, und glauben dem Werthe des Merkchens, wie dem Geiste, m dem es verfaßt ist, es schuldig zu sein, durch eine skizzirte Uebersicht dem Leser ein anschauliches Bild davon zu geben. Nach einer kurzen Erörterung über Kunst überhaupt und Dichtkunst insbesondere, erllärt der Verf., daß bei den Israeliten, je reiner ihre Erkenntniß Gottes als absolut geistiger Persönlichkeit war, desto weniger die Plastik zur Darstellung des Göttlichen angewendet werden konnte; desto thätiger aber ihr Geist in der inneren Welt des Gemüthes wirkte, wo die Phantasie lebt und webt. Es tritt daher Plastik und Malerei in den Hintergrund, dagegen die Kunst um so mehr hervor, die es mit dem Worte als Hülle geistiger Ideen zu thun hat: die Poesie und zwar als „ein Ringen nach dem erhabenen Ziele der absolut vollkommenen Religion, welches Anfang, Mitte und Ende der Geschichte Israels ist." Diese Poesie, entsprungen aus dem Gefühle inniger Gemeinschaft mit Gott, hat dieselbe Quelle, wie die Prophetie. Die Kraft, die den Dichter zum poetischen Schaffen drängt, ist dieselbe, die den Propheten zur Offenbarung göttlicher Gedanken und Heilswahrheiten begeistert. Der Verf. erkennt daher mit Saalschütz gegen Ewald eine prophetische Poesie an.. Der Verf. unterscheidet nun 1) Religiöse Poesie und zwar a. prophetische, b. Gemeindepoesie; 2) Weltliche Poesie und 3) Naturpoesie. Diese bildet das Medium zwischen religiöser und weltlicher Poesie, da sie nicht zur Verherrlichung der Natur an sich, sondern in steter lebendiger Beziehung auf des Ewigen Schöpferkraft angewandt wird. Als Beispiel weltlichen Stoffes wird das Lied Lamech's als Triumph- und Waffenlied (6en. 4, 23. 24.)*) angeführt, und zwar nach Meier's trefflicher metrischer Uebersetzung mit Alliteration: „Ada und Zilla — vernehmt meine Stimme! — Weiber Lamech's — hört meine Rede! — Gewiß tödt' ich Jeden — der mich mag befehden — den Mann für die Wunde, — den Sohn für den Schlag — Denn ist Kains Rache — Eine siebenfache — so Lamechs eine sieben — und siebzigfache." Wenn jedoch der Hr. Verf. Herder als den Ersten nennt, der diese Stelle in Beziehung zu der Erfindung der *) S. hierüber Ausführliches in unserem Commentar zur Stelle. Wir stellten das Lied als Erfindung der Dichtkunst, der 'dichterischen Redeweise in abgemessenen Versgliedern und Parallelen mit Gleichklang der Endsylben dar. , Redacteur. 24*

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