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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-06-05 · Heft 23 (5.6.1866) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 23 (5.6.1866)
Date
1866-06-05
Page
Seite 367 (sequence 13)
Language
German
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367 schreiben: „Mehrere Professoren der hiesigen Universität, willige Werkzeuge der provisorischen Regierung, haben im Verein mit ihren Schülern einen Club gegründet, zur Bekämpfung und Verdrängung der Juden. Derselbe ist vorläufig zu dem Entschlüsse gekommen, den gesummten Clerus für den „löblichen" Zweck zu gewinnen, damit das Volk von der Kanzel herab in diesem Sinne bearbeitet werde, und der Regierung in einer Petition den Wunsch zu unterbreiten, daß den Juden nicht nur keine neuen Rechte eingeräumt, vielmehr daß dieselben auch in allen jenen Rechten auf das Aeußerste beschränkt werden möchten, deren sie sich bis jetzt erfreuen durften. Mit der Sammlung von 'Unterschriften zu dieser Petition wurde bereits begonnen." (Man vergesse nicht, daß dies ein Wiener Blatt schreibt, wo Rumänien gern angeschwärzt wird. Red. d. A. Z. d. Jud.) Correspond enz. Russische Briefe IV. Die Rabbinerfrage in Rußland. Sie haben, geehrtester Herr Redacteur, dieses Jahr so manche Berichte und Discussionen über den modernen Rabbinismus in Ihrer geschätzten Zeitung gebracht, dadurch habe auch ich mich bewogen gefühlt der Rabbinerfrage, auf dem Standpunkte, den sie jetzt bei uns einnimmt, einige Betrachtungen zu widmen. — Wenn die geistlichen Leiter eines jeglichen Volkes nicht allein in dessen Bildungsprocesse einen Hauptfactor bilden, sondern .auch in sein sociales und politisches Leben tief eingreifen und ihm die Wege nach allen Richtungen seines nationalen Lebens hin bahnen und ebenen, wie sollten sie es nicht bei unserer Nation, der seit 2 Jahrtausenden die Idee von einer Staatsreligion und die mächtige Stütze, die aus dieser Idee entsteht, abgegangen, die in allen ihren Lebensprincipien auf sich selbst angewiesen, ihren ganzen Lebensinhalt: die religiöse Idee und deren concrete Gestaltung aus sich selbst herausbildend und in sich conzentrirend schon der eigene Erhaltungstrieb dazu -antreibt ihren Rabbinern bei allen Lebensmomenten einen großen Spielraum der Thätigkeit einzuräumen. — Die uralten Functionen der jüdischen Rabbinen als der Träger und Pfleger der reinen Gottesidee im Judenthume waren seit dem Entstehen des Rabbinismus: in ritueller, kasuistischer und dort, wo es die Staatsgewalt gestattete, auch in juridischer Beziehung das Volk zu leiten, dessen vielfachen Bedürfnissen in diesen Beziehungen zu entsprechen, wie auch die Kenntniß des Talmuds und rabbinischer Schriften, die in alle diese Fächer einschlagen, durch Gründung der Jeschiboth zu befördern und zu verbreiten. Da der Cultus in der Folge der Zeiten nach und nach seine festen, starren Formen angenommen und eigene Cultusbeamten dazu bestellt wurden, auch das in denselben eingreifende Maggidoth in der neuern Zeit in Verfall gerathen *), so belief sich das Mitwirken der Rabbiner beim Gottesdienste auf Null. Dafür boten die juridischen und ceremoniellen Gutachten den Rabbinen ein weites Feld zur Amtstätigkeit und Mühewaltung. Die Entscheidungen über das Mein und Dein, über Eheschließungen und Scheidungen, die Funktion bei allen ceremoniellen Verrichtungen dieser Acte, das Abgeben der Gutachten über das Treifa And Koscher wie auch mbKiö q^U53 u. d. g. füllte die ganze Muße ihres amtlichen Berufes aus. Welches ausgedehntes talmudisches und rabbinisches Wissen dazu gehört, um diesen von den Gemeinden. an die Rabbiner gestellten Ansprüchen genügen zu können, weiß jeder kundige Leser. Mangel an Per-' sonen, die mit diesem Wissen ausgestattet und daher diese geistlichen Funktionen zu übernehmen im Stande wären, wird noch bis auf die Jetztzeit in Rußland und Polen, wo von jeher die rabbinischen Studien gehegt und gepflegt und daher in Blüthe waren, nicht gefühlt. Bei der stricten Jsolirung und Abgeschlossenheit der jüdischen Gemeinden von aller Außenwelt und ihrer Theilnahmlosigkeit an allem Culturleben der sie umgebenden Völker blieben auch die Rabbiner ganz unberührt von diesem. Ihre ganze Aufmerksamkeit war nur dahin gerichtet den an-sie »gestellten Anforderungen der Gemeinden zu entsprechen, die Pflege der profanen Wissenschaften, der das alte Rabbinerthum oblag, gerieth daher allmälig nicht allein in Verfall, sondern wurde von ihnen streng verpönt, selbst einige Kenntniß der Landessprache wurde von ihnen fanatisch zurückgewiesen. Ihre *) In den Ländern, die sich dem Chassidismus in die Arme geworfen, sehen' wir das alte Maggidoth völlig abgeschafft. Die Chasfidäer haben überall die größten Antipathieen gegen Hasselbe geäußert. Die alten Maggidim wurden von ihnen öffentlich in den Synagogen gemißhandelt, da sie in den Maggidoth einen Eingriff' in das Recht der Rebbes: sich in nebelhafte, phantastische Schwärmereien zu verlieren, erblickten. Corresp.

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