Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1866)
- Date
- 1866-06-05
- Page
- Seite 366 (sequence 12)
- Language
- German
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Welcher Rabbi würde sich unterstehen, die geringste Neuerung einzuführen, eine Reform vorzunehmen? Wer würde es wagen, nur gegen einen Gebrauch awu zu predigen? Die französischen Rabbinen haben' ihre Pflichten vorgezeichnet, sie erfüllen solche mit Hingebung und Bescheidenheit — jedenfalls ist ihnen jede Neuerung untersagt, der thätigste wird dadurch kalt und ruhig — denn es ist ihm kein weites Feld außer seiner Gemeinde offen. Ist dich ein Nutzen? ein Schaden für die Religion? Ich vermuthe, daß es ein Uebel ist — aber dafür können die Rabbinen nichts, denn sie müssen, um ihre Stelle, das kärgliche Brod für ihre Familie zu erhalten, genau die des ‘fn* ',nbiw befolgen. Sollten unsere Rabbinen Bücher schreiben? Wir französische Israeliten sind überzeugt, daß die Veröffentlichung solcher Werke den Verfassern blos zum Schaden gereichen würde. Zu arm sind sie fast alle, Geld zulegen zu können, und das israelitische Publikum Frankreichs kauft wenig religiöse Bücher. Zwar ist dies ein schlechter Zustand, und ich schäme mich, es einzugestehen, aber man kann diese Sache nicht mit Recht den Rabbinern aufbürden. Und dann wollen Sie statistisch dl»-Sache erklären?'^ Frankreich sind 50 Rabbiner im ganzen ohngefähr, in Deutschland 500 oder 600. Ist das Verhältnis großer Talente nicht auch da? Haben Sie in Deutschland 10 Procent, 50 oder 60 hochgelehrte ausgezeichnete Rabbiner? Sicher haben wir das Verhältniß und würde ich Ihnen mehr als 20 % Namen aufführen können, die eben so talmudisch gelehrt, wie wissenschaftlich gebildet sind.*) Wohl gebe ich zu, daß sich über das französische Judenthum viel sagen ließe, allein über unsere Geistlichen so hart und ungerecht urtheilen zu lassen, konnte ich nicht hingehen lassen. Benoit Levy. Afrika. Aus der Capstadt, 11. April. (Privatmitth.) Aus den Heranwachsenden Gemeinden in west entlegenen Colonien können selbstverständlich wichtige, für das Allgemeine interessante Ereignisse nicht, oder nur selten gemeldet werden. Was an ihnen interessirt, ist *)'Dieses ganze Rechenexempel ist irrig, denn wir aben in Deutschland noch nicht — 100 angestellte Rubinen! , Redaction. egen nur ihr Entstehen und Heränwachsen. Wie es an einer Pflanze das beste Zeugniß für ihre Lebenskraft abgiebt, wenn ihre Ranken und Schößlinge immer wieder Wurzel schlagen und frisch emporschießen: so giebt es wohl keinen nachdrücklicheren Beweis für die Lebenskraft des Judenthums auch in unserer Zeit, als wenn seine in die entferntesten Welttheile zerstreuten Bekenner-, sobald sie sich nur an einem Orte in einiger Zahl zusammenfinden, ein kräftiges Gemeindeleben für die Zwecke ihrer Religion anheben. Da ist sicherlich kein Absterben, keine Verwesung zu fürchten. Solche Symptome haben denn auch ihren Werth, selbst wenn sie an sich von keiner weitgreifenden Bedeutung sind. Unsere Gemeinde wurde in den letzten Jahren von dem Vorsteher, Herrn L. Heilbrun, geleitet, und zwar in so würdiger und thatkräftiger Weise, daß die Mitglieder der Gemeinde sich zu hohem Danke verpflichtet fühlten. In diesen Tagen schied Herr Heilbrun zu unserem großen Bedauern von uns, indem er sich mit seiner Familie nach Deutschland zurückbegiebt. Die Gemeinde erwies ihm ihre Anerkennung für die ihr geleisteten Dienste, indem sie als solche ihm zum Abschiede ein elegantes und werthvolles Thee- und Kaffeeservice mit angemessener Inschrift darbrachte. Gerade daß Juden, die sich hier aus so verschiedenen Entfernungen zusammengefunden, Dienste, die der Gemeinde erwiesen sind, so hoch zu schätzen wissen, ist es, was uns hervorzuheben würdig erscheint. Auch die hies. .öffentlichen Blätter, z. B. the South African Advertiser and Mail, haben sich belobend darüber ausgesprochen. Nachtrag. Berlin, 27. Mai. (Privatmitth.) Die preußische Regierung ist bei der Mobilmachung hinsichtlich der jüdischen Aerzte vollkommen liberal zu Werke gegangen. Alle dienstpflichtigen jüdischen Aerzte sind zu Stabs - oder Bataillons -Aerzten avancirt (mit 850 Thlrn. Gehalt); der bisherige Stabsarzt vr. Rosenthal in Magdeburg ist als Oberstabs- oder Regimentsarzt (mit Hauptmannsrang und 1000 Thlrn. Gehalt) nach Erfurt versetzt worden. — In der i Sitzung vom 25. d. ist vr. Aub zum hiesigen Rabbinen definitiv gewählt worden. — Jassy, 16. Mai. Die „Presse" läßt sich von hier