Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1866)
- Date
- 1866-05-29
- Page
- Seite 349 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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mH 349 die Fortbildung. unseres äußerlichen religiösen Lebens ungemein viel gewonnen werden dürfte. Unter allen Untersuchungen auf unserem religiösen Gebiete ist wohl diese wichtigste; der tiefsinnige N.Krochmal (im Moreh Nevoche haseman) und der scharfsinnige H. CHajes in . seinen. zahlreichen.Schriften, haben zwar diesen Gegenstand schon vielfach beleuchtet. Jedoch ist für allseitige lichtvolle Durchführung eines obersten unbezweifelten Grundgedankens r und dessen Nachweis in Mischnah und Gemara noch wenig geschehen. Jedenfalls ist es erfreulich zu sehen, daß tüchtige Männer von wissenschaftlicher Befähigung und unerschrockener Thatkraft sich einer solchen Behandlung des Gegenständes annehmen. Es ist dies ein weites Feld, welches eine gesegnete Ernte verspricht. Frankreich. Paris, im Mai. Am 21. April erschien ein kaiserliches Decret über die Naturalisation in Algerien. Die Eingebornen, also auch die eingeborenen Israeliten können , wenn sie 21 Jahr, alt sind, durch folgende Procedur, die völlig im Geschmack der bureaukratischen Centralisation, wie diese einmal im Wesen des französischen' Staates seit Ludwig XIV. liegt, und von jeder der. vielen auf einander folgenden Regierungen Frankreichs nur verstärkt worden ist, naturalistrt werden. Um die Rechte der. französischen Bürger zu genießen, müssen sie; sich Persönlich dem'Major der Gemeinde ihres Wohnorts oder auch dem Chef des arabischen Bureaus, ihres Bezirkes vorstellen, um ihr Gesuch vorzutragen und zu .erklären, daß sie von den Civil- und. politischen Gesetzen Frankreichs regiert sein wollen. Dieses Gesuch und diese Erklärung werden zu Protokoll genommen. Art.. 12. Der Major oder der Chef des. arabischen Bureaus untersuchen die Antecedentien und die Moralität des Bittstellers. Das Resultat dieser Untersuchung nebst dem das Gesuch enthaltenden Protokoll wird dem Generalcommandanten der Provinz übergeben, welcher sie . mit seiner Meinung dem Generalgouverneur von.: Algier zuschickt. Art. 13. Der Generalgouverneur übergiebt das Gesuch unserm Großsiegelbewahrer, dem Justiz-und Cultusminister, auf. dessen Bericht darüber von Uns, (dem Kaiser) nach Anhörung des Staätsrathes beschlossen-wird. . . Wer^ diese Procedur vom Major bis zum Kaiser überliest und sie mit den. Naturalisationsgesetzen Englands und Amerikas vergleicht, muß doch über, den freien Sinn der französischen Institutionen zum Minbesten, lächeln! — Abermals ist ein Jude Professor am College de France geworden, nämlich für den Lehrstuhl der vergleichenden Grammatik, Herr M. Brsal. — Großbritannien. London, im April. England hat in dem vor Kurzem verstorbenen Sir Frederik D.Goldsmid, einem Sohne des Baron Goldsmid, Bruder des Sir Francis Goldsmid und der Miß Anna Maria Goldsmid, insbesondere aber die englischen Israeliten einen herben Verlust erlitten. Frederik Goldsmid, 1812 geboren, heirathete im Jahre 1834 die Tochter des Herrn Philipp Samuel; während mehrerer Jahre überließ er sich den Handelsgeschäften, ohne indessen die Fragen des allgemeinen Interesses und die menschenfreundlichen Werke außer Augen zu lassen; seit 1845 präsidirte er dem Comits der israelitischen Elementarschule; während mehr als zwölf Jahre war er einer der thätigsten Verwalter von der Association in der Hauptstadt für die Verbesserung der Wohnungen der armen Klassen, Mitglied des Raches des Umversity College in London, von dem sein Vater einer der Hauptgründer gewesen, Mitglied des Comites der Hospitäler, Präsident des Jews hospital (das 1810 von seinen Großvätern Abraham und Benjamin Goldsmid gegründet worden); endlich wurde er auch im Juli 1865 zum Parlamentsmitglied für den Flecken Honiton erwählt. Anstatt bei diesem interessanten Zusammentreffen von Würden und Tugenden zu verweilen, veröffentliE chen wir einen Brief, der von M. Mac Lachner, M stör der Gemeinde von Judely, an ein englisches Provinzialblatt gerichtet ist: welches Zeugniß könnte beredter sein, als das eines Geistlichen der christlichen anglikanischen Kirche über einen Juden? . An den Redacteur der Zeitung von Punbridge Wells. Ihre Zeitung wird diese Woche denunerwarteten und bedauernswerthen Tod des M. Frederik D. Goldsmid aus Somerhill, Parlaments-Mitgliedes für Honiton, berichten. Mir, der so gut sein volles Verdienst kannte, sei es vergönnt, seinem Gedächtniß einen Tribut des Schmerzes und der Achtung zu zahlen. ‘;; Von der Vorsehung mit großen Gütern ausgestattet, hatte M. Goldsmid, wie er es selbst gesagt hät^ 22*