Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1866)
- Date
- 1866-05-29
- Page
- Seite 347 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226550--23995-3251328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^WD.W WWDWWW? 347 langten, wmde Jeder, der sich, Licht sogleich flüchten konnte, durchgeprügelt;"Mancher, der auf dem Wege mit Eßwaaren feinen Handel trieb,, wurde ausgeplündert. In der Judengasse angelangt, fanden die Excedenten die Läden und Thüren der Gewölbe und Häuser zumeist gesperrt, aber leider Mancher , der nicht so rasch seinen Kramladen schließen konnte, mußte es schwer büßen. Stand Einer noch mit Galanteriewaaren, so fiel die Menge über seinen Kram her; der Eine nahm eine Pfeife, der Andere ein Rohr n der Dritte eine Bürste u. dergl., so wie es Jedem beliebte; sie prügelten noch obendrein den Inhaber der Waare durch und gingen weiter. Dieses. Treiben hätte größere Dimensionen angenommen, wenn nicht einige angesehene Männer der Stadt zum Kreishauptmann gegangen wären, mit dem Ersuchen, er möge durch seine Intervention beim hiesigen commandirenden General diesem Treiben Einhalt thun; diesem Wunsche wurde sogleich entsprochen, der General erschien selbst auf dem Schauplatze und sendete nach allen Richtungen Patrouillen aus, welche die Menschenmenge zerstreuten und die Haupt-Excedenten arretirten; Letztere wurden sogleich im Beisein des Generals und auf dessen Befehl besttast. In der Nacht durchstteifen Wachen die Gassen, und die Stadt hat vorläufig ihren ruhigen Charakter wieder gewonnen. OlmüH, 10. Mai. („K. Z") In Tarnopol bebegannen die einberufenen polnischen Urlauber ihre kriegerische Thätigkeit damit, daß sie das Judenquartier ausplünderten, — wobei mehrere jüdische und deutsche Kaufleute lebensgefährlich verwundet wurden. Es mußten zuletzt Husaren gegen die Tumultanten einreiten. Mehrere ergriffene Uebelchäter ließ der dort commandirende General im Anblick der versammelten Volksmenge sogleich auf die Bank legen und ihnen 50—100 Stockprügel auf den H, . aufzählen , wonach sie dann bei ihren Truppentheilen einrücken konnten. Wenn in den böhmischen Städten die eingezogenen czechischen Beurlauber einrücken, schließen alle jüdischen und deutschen Kaufleute sogleich die Läden und -lassen sich selbst nicht auf der Straße sehen, da sie sonst nicht allein leicht um ihr Eigenthum kommen könnten, sondern auch persönlichen Mißhandlungen ausgesetzt sein würden. Auö Oberungarn, 1. Mai. (Privatmitth.) Wenn auch die allgemeinen Fragen, in so weit sie die Israeliten - Ungarns betreffen, augenblicklich in den Hintergrund; i getteten sind,, so läßt sich doch andererseits nicht in ■ Abrede stellen, daß es im Schoße der einzelnen Gemeinden um so . lebhafter zugeht und ganz insbesondere Oberungarn einen Gährimgsprozeß eigentümlicher Art durchzumachen hat. Die Tempelaygelegenheit. in. Miskolcz und das unverschämte Vorgehen der Chassidäer in Ujhely hält alle Parteien in Spannung und wurde denn auch in einer der jüngsten Gemeindesitzungen in Miskolcz der Beschluß gefaßt den Wünschen der orthodoxen Partei so viel als thunlich zu genügen. Eine in Lemberg erschienene Broschüre Kol Anot, von. der Chassidäergemeinde in Ujhely. gezeichnet, fordert mit. Ungestüm die Anerkennung ihrer Gemeinde und hofft, gestützt auf das Gutachten einiger chassidäischer Rebbes, nicht nur Fortbestand ihrer Claus, sondern auch Anerkennung als sephardisches Kohal. Das Schriftstück selbst, welches in tausenden Exemplaren in alle Theile Ungarns und Galiziens expedirt ward, dürfte vielen Rabbinern Ungarns ein Wink sein und sie belehren, was sie von dieser Partei zu hoffen und in wie weit ein Trutz- und Schutzbündniß zwischen Orthodoxie und Chassidismus möglich. Dieser Schmerzensruf der Chassidäer, welcher mit grellen Farben das energische Vorgehen eines ihrer talentirtesten Gegner unter den Rabbinen Oberungarns schildert, überttifft an Unverschämtheit alles, was in dieser Richtung unsere Tollhäusler bisher zu Tage förderten. — Aus dem Gebiete des vaterländischen Schulwesens beobachten wir ein rüstiges Vorwärtsschreiten. Nicht allein, daß sich die Zahl der Mitglieder des Lehrervereins täglich mehrt, bemühen, sich auch einzelne Männer der Hauptstadt durch Unterstützung und Aufmunterung junger Schriftsteller die Herausgabe nützlicher Schulschristen zu ermöglichen. So erschien vor Kurzem: Izrae! tärtsaets. Hecht M.ifnö utan magyarra fordüva. Elöszöval ellätta Dr. PhilippsonL.Pest (Läufer Vilmos tulajdona). Wenn wir auch die vielen Druckfehler im hebräischen Texte bedauern müssen*)., so.können wir doch noch weniger dem härten Urtheil eines inländischen Fachblattes, daß die magyarische Uebersetzung gänzlich verfehlt sei beistimmena nachdem uns gerade diese und dazu *) Wir möchten dem so thätigen Verleger, Herrn Lauser, rathen, ein Druckfehlerverzeichniß anfertigen zu lassen und dem ist abgeholfen. Corxesp,