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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-29 · Heft 22 (29.5.1866) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 22 (29.5.1866)
Date
1866-05-29
Page
Seite 346 (sequence 8)
Language
German
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346 Preußen. Berlin, 16. Mai. (Privatmitth.) Endlich hat die Jnstallirung der im December vorigen Jahres unter so großartiger Agitation gewählten Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde stattgefunden. Man versammelte sich in der, nun vollständig hergerichteten großen Repräsentantensitzungshalle, welche sich in dem Bordergebäude der neuen Synagoge, unter her großen Kuppel befindet. Zuerst begrüßte Herr Stadtrath Magnus als Vorsitzender des Vorstandes die neue Repräsentation und sprach die Hoffnung aus, die Amtsführung derselben werde einen großen Abschnitt in der Gemeindeverwaltung bilden, den Frieden in der Gemeinde befestigen und sie in gedeihlichem Fortschritte weiterführen. Hierauf verpflichtete ein Abgeordneter des königl. Polizei-Präsidiums die neu eintretenden Repräsentanten und führte sie in ihr Amt ein. Hoffentlich und voraussichtlich wird nun die definitive.Wahl der Rabbiner — die des Herrn Aub ist wohl als sicher.zu betrachten — baldigst erfolgen und so die Einweihung des prachtvollen Gotteshauses noch vor hen Herbstfeiertagen stattfinden können. ' Rybnik , 11. Mai. (Privatmitth.) Vor Kurzem fand hier der Uebertritt eines Bekenners der christl. Religion zum Judenthum statt. Derselbe, dem Bergfache angehörig, hatte während seiner Militärdienstzeit mit jüdischen Soldaten häufigen Umgang gepflogen und in Folge dessen von der Lauterkeit der jüdischen Religion die festeste Ueberzeugung gewonnen. Nichts vermöchte ihn nach seiner Dienstentlassung von dem einmal gefaßten Entschlüsse, Jude zu werden, abzuhalten und trotz den ernsten und beharrlichen Gegenvorstellungen unseres Rabbiners, Herrn Dr. Fränkel, stellte er an den -letztern die dringende Bitte, ihm den nöthigen Religionsunterricht zu ertheilen. In erstaunlich kurzer Zeit war .er unter Anleitung unseres verehrten .Rabbiners im Hebr. Lesen, Gebetübersetzen und in den Grundbestimmungen der jüd. Religion so weit vorgeschritten, daß ihm zu seinem gewünschten Ziele nur ' noch das fleischliche Bundeszeichen fehlte. Er unterzog sich dieser Operation, welche Herr Dr. Wachsmann in Sohrau O.-S. bereitwilligst an demselben vornahm, mit unvergleichlicher Standhaftigkeit. — In Königl. Radoschau — Kreis Rybnik, Regierungsbezirk Oppeln — wurde der dortige Gasthausbesitzer c^imon Freund, von den Dorfbewohnern einstimmig zum Schulzen gewählt. Er verdankt dieses Amt nicht nur seiner Federgewandtheit, sondern mehr noch seinem uneigen-, nützigen, ehrenhaften Charakter. Von der Megierung bestätigt, leistete er am 2. d'. auf dem hiesigen Land-' raths-Amte den Schulzeneid „daß er alle vermöge seines Amtes ihm' obliegenden Pflichten nach seinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen und willig ausführen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will." Im hiesigen Kreise wird dieses Amt zum ersten Male einem Juden zu Theil und ist um so mehr davon Notiz'zu nehmen, als die katholische Geistlichkeit in hiesiger Gegend das^gute Einvernehmen der christlichen und jüdischen Bürger durchaus zu untergraben sucht. — Bei der letzten Recrutirung äußerte unser Herr Bürgermeister, einstmaliger Landtagsabgeordneter, einem hiesigen Israeliten gegenüber, der über die Zurückstellung seines Sohnes auf ein Jahr seine Freude kund gab, die ebenso unwahren als ungeziemenden Worte: „Ihr Juden habt einmal keine Köürage." Unser schlichter Jude war aber um die Antwort nicht verlegen und bewies dem Herrn Bürgermeister;■ doch ihm die Courage nicht fehle. — . In unserer Nächbarstadt Gleiwitz fand bei der gestrigen Einstellung der Reservisten und Landwehrleute, ein großer Tumult statt, bei welchem die israelitischen Einwohner am Meisten zu leiden hatten. Militär, das sonst da stationirt ist, hatte vor wenigen Tagen Marschordre erhalten, so kam es, daß die Stadt den wilden, meist aus Verzweiflung betrunkenen Tumultuanten vollständig Preis gegeben war. Wie immer, mußte auch bei dieser Gelegenheit vor Allen der Jude herhalten. Eine jüdische Frau soll derartig zerschlagen worden sein, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird: Oesterreichischer Kaiserstaat. Tarnow, 6. Mai. („Pr.") Heute (Sonntag) zog ein Theil der Einberufenen, allerdings zum großen Theile in trunkenem Zustande, gegen die Juden mit Rufen, die dem aufgeregten Zustande dieser Leute entsprachen; vielfältig erscholl der Ruf: „Ladiwv Liäi", „bringen wir die Juden um!" Der Zug hatte Hauptanführer an der Spitze, jeder mit' einem tüchtigen Knüttel bewaffnet. Bevor - sie in' die Iudengässe ge-

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