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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-29 · Heft 22 (29.5.1866) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 22 (29.5.1866)
Date
1866-05-29
Page
Seite 340 (sequence 2)
Language
German
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340. unendlichen, und doch einheitlichen Ganzen.' Was wir/ Menschen Sturm und Kampf der Elements nennen,D nichts weiter uls PerchKuytz Mtz AushrKuNZ' dessen, was an dem einen Orte überflüssig, am andern nöthig ist. Ist in der Schöpfung die- Erhaltung der einen Gattung durch das Verzehren der anderen geboten, so doch niemals das Verzehren derselben Gattung untereinander,' und der Mensch -ist darüber hinausgehoben, und bewirkt seinen Bestand lediglich durch den Austausch seiner Arbeit; der Mensch ist untereinander darauf angewiesen, daß Einer für den Andern gegenseitig arbeite. Der Krieg zerstört und vernichtet nur; selbst was für ihn producirt wird, ist nutzlos und Vergeudung. So verdammt die Natur, die allgemeine wie die besondere des Menschen, den'Krieg, und zeugt wider denselben als ein Verbrechen des. Menschengeschlechtes, das ganz außerhalb der göttlichen Naturgesetze liegt und wider sie streitet. Aber sehen wir ab hiervon. Lauter und eindringlicher noch ruft uns dieses Fest die Verdammniß des Krieges zu. Dies ist das Fest, welches den Tag jener großen Offenbarung auf Sinai, jener erhabenen Verkündigung der Zehn Worte aber und abermals feiert. Sie sind so einfach, diese ewig wiederhallenden Worte; nicht philosophisch und nicht poetisch; aber von überwältigender Wahrheit, von unzweideutiger Ueberzeugungskraft, daß das .Heil der gesummten Menschheit doch nur in ihrer getreuen. Beachtung und Ausübung beruht. Da hörest Du: „Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Gut!" Und was sind nun die Ursachen aller Kriege, die gewesen, sind und sein werden, anders, als daß Einer nach dem Gute des Andern begehrt, oder es ihm vorenthält? Gehen wir die ganze Menschengeschichte durch, und suchen nach allen wirklichen Motiven, die dem Angriff wie der Verteidigung zu Grunde liegen, so beschränken sie sich in ihren Quellen immer wieder auf das Unrecht, das Einer dem Andern angethan hat oder anthun will. Freilich erben hier oft die Enkel an den Sünden der vyrangegangenen Geschlechter; freilich verstehen es die Menschen, hier oft den Schein für die Wahrheit geltend zU machen, die vermeintliche Ehre oder die lange Dauer des Besitzes vorzüschützen — aber endlich einmal müßte doch die einfache Wahrheit und das einfache Recht zu entschiedener Geltung kommen und Alles verabscheuen lasten, was mit ihnen nicht übereinstimmt. So lange dies nicht der Fall ist, hat die Religion nur eine halbe, eine schwächliche Existenz, und die Wirklichkeit des Völkerlebens ist eine wahre Verhöhnung Desselben, ..- So lange sie-in <itzrem Unrecht MgejM perhkrrey können, so lange ihre Gewalttätigkeiten nicht angefochten werden, rühmen sie sich der Religion, beugen sich vor ihr und Pflegen sie. Aber sobald sie einander zu berauben gedenken, sobald ihr Begehren darauf gerichtet ist, das dem Andern zugehörige Dut sich anzueignen, oder das Angeeignete zurückzubehalten, ist ihnen der Mahnruf der Religion ein leerer Schall, ein' belächeltes Geschwätz, ein nebliges Ideal, das keine Würdigung erhält. — Da hörest Du: ' „Du sollst nicht morden!" Und dieses Verbot ist kurz und unbedingt ausgesprochen, und. die einzige Ausnahme ist die Nothwehr, und da im Kriege diese Nothwehr immer nur auf der einen Seite stattfinden kann, enthält der Krieg immer eine gröbliche Verletzung des „Du sollst nicht morden!" Jedermann weiß, was es zu bedeuten hat, das von Gott verliehene Leben eines Mitmenschen zu vernichten, und mit dem Bruderblute die Erde zu tranken. Welch ein Mitgefühl, wenn durch irgend eine Fügung ein Mensch um sein Leben kommt; welcher Aufruhr, welche Mühewaltung der Richter, welche Sorgfalt in der Untersuchung, Aengstlichkeit im Urtheilsspruch, wenn ein Mensch durch eine verbrecherische Hand sein Leben verliert — der Krieg. aber, der viele Tausende von Menschen in der Blüthe und Kraft ihres Lebens hinrafft, dieser große Mörder, der alle Kunst und Wissenschaft, alle Mittel, allen Much, alle Energie der Menschen benutzt, um Menschen durch die Hand von Menschen, die sich einander nie gesehen, einander nie zu nahe getreten, zu vernichten, zu verstümmeln, ihre Besitzthümer zu zerstören, die Werke von Jahrhunderten in einem Tage zu zertrümmern, der wird für loyal, für pflichtgemäß, für großsinnig erklärt, und die Begeisterung für ihn gefordert! ... Es gab kurzsichtige Menschen, die da glaubten, auch der Krieg habe sein Gutes, habe seinen Segen! Diese Thoren, Heuchler oder betrogenen Betrüger! Der Krieg kann Nichts, als zerstören. Wir brauchen die vorgeschützte Verbindung der Völker, die er bewirken soll, wahrlich nicht. Er trennt nur die Nationen, und zerreißt die Bande, die der Friede um sie geschlossen. Sie sagen: ohne den Krieg erschlaffen die Völker, verweichlichen und werden unmännlich. Welch ein sündhafter Wahn! Die Leidenschaften, welche der Krieg entzündet, sind nürHaß, Zerstörungswut, wilder Genuß — und gerade''diese nehmen

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