Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1866)
- Date
- 1866-05-22
- Page
- Seite 326 (sequence 4)
- Language
- German
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.Hristenthums der Beweis läge, daß Jesus kein bloßer - Mensch, und -sein Tod nicht der eines andern Staubgebörenen gewesen sein könne. Wir sehen allerdings nicht ' ein, wie dies'ein Argument dafür sei, daß die Juden an diesem Tode schuld seien. Aber wir wollen auch diese Fr^age beantworten. Es ist lleicht. Die Ausbreitung des Islams würde dann ein ebenso, kräftiger Befveis für die Persönlichkeit Mohammed's sein. Hat sich doch der Islam noch viel schneller verbreitet, und reichte sein Bekenntniß schon fünfzig Jahre nach der Flucht Mohammeds nach Medina bereits von der chinesischen Grenze bis. zum atlantischen Ocean, und vermochte er doch selbst das'Christenthum aus Vorderasien, Nordafrika und einem Theile Europas wieder zu verdrängen.*) Unser Kritiker hat dies nicht übersehen können, und er fügt daher seiner Frage den Satz hinzu: „Wohl konnte Gott zulassen,. daß der Name eines Mahomed als eines Jsmael einer Züchtruthe für eine Anzahl Völker auf einen Tag in der Weltgeschichte durch Schwert und Feuer hochgefürchtet war, aber nie ist diesem Namen selbst von den Seinigen nachgesagt, daß in ihm und in keinem Ändern'Heil sei, das ist allein in dem Namen Jesu: Gott ist mein Heil!" In diesem Satze 'gestattet sich der Verf. doch zwei willkuhrliche Annahmen , mit denen freilich seine ^ganze Argumentation in den Staub fällt. Der Islam erhält sich, bei den morgenländischen Völkern bereits ebenso seine zwölf Jahrhunderte,, wie das Christenthum bei den -abendländischen seine achtzehn, ja, man könnte wohl sagen, daß jener bei allen seinen Bekennern viel fester und unerschütterter sich hält, als dieses bei den seinen, was' allerdings auf die Unbeweglichkeit der Bekenner des Islams zu schieben ist. Daß übrigens zweitens die Bekenner' des Islams in Mohammed allein und in dem Glauben an ihn alles Heil zu finden glauben, diesen Glauben als die Bedingung der Seligkeit ansehen, alle, die nicht hieran glauben, Ungläubige nennen und für ewig in die Hölle verdammt sein lassen, müssen wir doch so sehr als bekannt voraussetzen, daß es uns wundert, wie der Verf. sich eines solchen Jrrthums schuldig machen konnte. Wir gehen aber noch weiter, hat sich nicht der Buddhaimus, hat sich , nicht die Religion des Fo einer gleichen Ausbreitung zu rühmen? Giebt es nicht über 300 Millionen Anhänger des letzteren? Diese Art des; *) Vgl. Ueber die eigentümlichen Momente bei der Ausbreitung-des Islams unsere „Entwickelung der religiösen Idee", Vorlesung VIII, S. 114 ff. .Beweises muß also — bis jetzt wenigstens — fallen gelassen werden. Wir, erkennen in solchem Bestände, und solcher Ausbreitung gern die außerordentliche Bedeutung dieser historischen Erscheinungen, ihre Wichtigkeit für das .Menschengeschlecht, ihre Angemessenheit für.große Völkermassen und lange Zeitperioden an, .nicht aber erblicken .wir darin einen Beweis für die Wahrheit ihrer Dogmen. Ebenso können'.wir in, unserem Bestände einen Beweis finden; denn was so viele Zeiten überdauert und die Hammerschläge so großer Geschicke ertragen hat, kann wahrlich kein Jrrthum sein, sondern muß dauernd die Wahrheit in sich tragen. Wir kommen zur dritten Frage: „Warum hat denn kein Jude damaliger Zeit eine richtige Lebensbeschreibung JEsu gegeben, ja warum hat nicht ein einziger den Mythen und Dichtungen, die offenkundig, die Welt überwunden haben, widersprochen und sie, widerlegt? warum nicht wenigstens zu Julians Zeit>, der sie wieder gegen Jesu Wyrt hoch erheben .und erneuern . wollte? Es gibt nur eine Antwort, und die heißt; sie konnten nicht!" . . Sagen wir es offen: die Frage, wie sie hier gestellt ist, konnte nur die völlige Unkenntniß der Geschichte jener Zeiten aufwerfen, Der Kundige weiß, daß das Auftreten Jesu und die erste Bildung der christlichen Gemeinde für die Juden so unbedeutend war und unter der Einwirkung des furchtbaren Kampfes, und der darauf folgenden Bedrängnisse so unbedeutend bleiben mußte, daß die jüdischen Schriftsteller, soweit es deren damals überhaupt gab, gar keine Notiz davon nahmen, wie das Stillschweigen des Philo und des Josephus genügend beweisen. Als die griechische Literatur den Händen der Juden wieder entfiel, wurde von ihnen überhaupt nicht geschrieben, und erst die . Sammlungen der Tradiüonen brachten bei ihnen schriftliche Abfassung, wieder auf. Will sich aber unser Kritiker über die Berührungen und Streitigkeiten zwischen den Juden, und Judenchristen, nach den ersten Jahrhunderten unterrichten, so lese erin I o st Geschichte des Judenthums (Leipzig 1858) Bd. ll. das diesem Gegenstände gewidmete Kap. 3, S. 37 ff. , und S. 153 ff. nach. Zu der Zeit aber, wo. das Christmthum mit ausgebildeter Dogmatik austrat, , wo also ein öffentlicher Widerspruch erst möglich gewesen, ganz besonders zu des Kaisers Julians Zeiten, hatte sich die' geistige Thätigkeit, der geistige. Mittelpunkt, der . Juden nicht blos aus dem Abendlande,.sondern auch Ms Palästina zurückgezogen und bestand lediglich in denbaby-