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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-22 · Heft 21 (22.5.1866) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 21 (22.5.1866)
Date
1866-05-22
Page
Seite 325 (sequence 3)
Language
German
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MMMW phemie -der göttlichen Gerechtigkeit anttehmen, halten wir j uns vielmehr verpflichtet, die Zerstreuung aus einem an- - dern- Gesichtspunkteanzusehen. Verbietet uns doch schon; das ganze Buch Hiob/ jedes' Unglück, das Menschen' begegnet^ als eine - Strafe Gottes für einen begangenen Frevel anzusehen- -und bezeichnet dieses Buch eine solche Meinung als eine Irrlehre, die gegen Gott gerichtet sei (42, 7 ff'). Von vornherein sagen wir uns, wenn die Zerstreuung: unseres Volkes als eine Strafe anzusehen, umwie'viel Mehr istunsere Erhaltung, unsere immer wiederholte Rettung, unsere immer wieder geschehene Befreiung von allem Joche, aus allen Fesseln, ein Segen Gotteseine.Belohnung unserer Glaubenstreue, eine Vergeltung unserer Dulderkraft und unseres Todesmuthes für die Anbetung des einzigen, unkörperlichen Gottes! Dann sagen wir uns : Sind wir es' allein, die in den Zeilen der Finfterniß, der Barbarei, der Gewalttätigkeit gelitten haben? - Was hatten denn die' zahllosen Geschlechter verschuldet, welche unter den Fäusten der Raubritter und den Hufen ihrer Rosse ihr Leben aushauchten? Was diezahllosen Geschlechter der europäischen Nationen, die als Leib eigene in den Fesseln ihrer Herren schmachteten und an die Scholle gebunden waren, während wir Juden doch die Stätten des Unheils -fliehen und nach Orten größerer'Milde und Gerechtigkeit uns retten konnten? Was die zahllosen Geschlechter der Negerstämme, die aus ihrem Vaterlande, ihren Familien viele Jahrhunderte hindurch herausgerissen und nach anderen Welttheilen geschleppt wurden, um unter den Mißhandlungen ihrer christlichen Herren ein schreckenvolles Dasein zu verleben? Waren dies. Alles Strafgerichte Gottes für eine böse That, die ihre Väter begangen? . . . Nein! In der allgemeinen Beurtheilung dessen, was in der Geschichte der Menschheit und der Völker sowie im Leben aller Einzelnen geschiehthalten , wir uns an das -Wort des Psalmisten, dieRathschlüffe.des Herrn sind unerforschlich , und ihre Motive entziehen sichoft genug unserem klaren Verständniß, und an den jüdischen Grundsatz : Garn su letoba, auch dieses ist zum Guten, selbst in dem schwersten Geschicke die Hand des! weisesten Lenkers, des gütigsten Vaters erkennend. Weiterhin aber erkennen wir an, daß jedem Volke, jeder bedeutendem Nation ein'besonderer Beruf von der göttlichen-Vorsehung gegeben, wie er in der genetischen Anlage/in der Geburtsstätte, in den Geschicken, in dem sich entwickelnden Charakter des Volkes begründet ist. Für diesen Beruf hat es zu. schaffen, zu kämpfen und zu leiden.- : Eine Folge - dieses -Berufes oder auch ein Begleiter desselben ist oft ein schweres'Geschick/dem es sich-unterziehen .muß, und sein Ruhm und' seinVerdienst' ist Ä nun, diesem Berufe treu anzühangen, ihn :rrui aller Hingebung zu erfüllen, ihn durch alle Zeiten' und''Phasen seines Daseins hindurchzuführen/ Wer könnte" einen solchen ' Beruf. dem Volke Israel absprechen, in dessen' Geschichte jener sich so klar nnd offenbar ausprägt, wie es bei. keiner anderen Nation geschehen? In diesem Berufe wurde Israel aus Egypten nach Canaan geführt, um hier im eigenen Schoße den Kampf der Götteslehre, mit dem Heidenthume auszukämpfen, bis.'jene dieses vollständig besiegt. In diesem Berufe führte die göttliche Vorsehung es aus seinem Lande in die weite Welt hinaus, um die lebendigen Träger und Zeugen der GoÜeslehre inmitten aller Völker zu sein und die ganze, ünvermischte, vollständige Gvtteslehre für die fernen Zeiten der menschengeschlechtlichen Entwickelung zu' bewahren. Dies ist der Gedanke unserer Zerstreuung, wie er sich den denkenden Israeliten nach' den geschichtlichen ’ Erfahrungen der verflossenen Jahrhunderte und auf Grund der wahren Lehre von der göttlichen Gerechtigkeit und Vorsehung darstellk. Und ob nun auch sehr, sehr traurige Zeiten für die Juden mit diesem Berufe verbunden waren : wir mußten uns ihnen unterwerfen und die Befriedigung dafür in unserer Erhaltung finden, während die anderen Völker und ihre Schöpfungen in Trümmer sanken. Bleiben doch auch unter dein furchtbarsten Schicksal eines Volkes den Einzelnen noch Quellen des Glückes und. des Friedens übrig, und die Juden fanden, diese in unerschöpflichem Maße in ihrer Religion und in ihrer Familie. Nein! die christlichen Theologen haben' nunmehr Capital genug aus. unserer Zerstreuung'geschlagen: mögen sie uns jetzt gestatten, Capital auch aus unserer Erhaltung, aus unserem Bestände, aus' der immer neuen Lebenskraft zu ziehen, die sich in uns bewährt. Wer einen Begriff vön der göttlichen Vorsehung hat, der muß sich sagen: hierin' liegt ein großer Beruf/ und für welchen wir diesen halten, haben wir angedeütet.' Wir glauben, der Fragesteller muß uns zugestehen,' daß wir seiner' ersten Frage genügende' Antwort ertheilt haben. Wir kommen zu seiner zweiten:' '„Wie . konnte der Name Christi der Name werden, vor welchem" sich Griechenland, istorn, Gallieü, Britannien," Germanien,' Rußland,: Amerika beugen," und nun in der Zeit des deutschen. Unglaubens-Ostindien. (??),- China (??), Afrika (?-?),-ja Australien zu beugen anfängt:?," Der Vers.-meint also, daßin - der Ausbreitung des- 21*

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