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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-22 · Heft 21 (22.5.1866) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 21 (22.5.1866)
Date
1866-05-22
Page
Seite 324 (sequence 2)
Language
German
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ftjr ••*: >>-.^' ■ i"-'v *r: - M£1T v;ti l^2V„'J. ' t ’ .J^ßf*• 15'tf, _ ,in > tocrHcnbet war?" —- Der Verfasser mein?'also, brenn - ' wir ihn recht verstehen,^ daß in der Zer streun g Israels die Strafe. Dottes für 'den?Tqd Jesu und die Schuld" - an üsdHen/liege/mnd somit diese Zerstreung -den Beweis für "die Schuld der Juden führe, die gegen den Rath - ■ Gottes verblendet waren. Hier stoßen wir nun gleich auf Ansichten, welche den unsrigen gänzlich entgegengesetzt sind, -s>z^.aß,-jtz>,Meh^wir/dsl!rLber.'-Mchd^lkm"> her. Beweis des Verf.' für uns -r'mmer schwächer und schwächer wird und zuletzt in das gerade Gegentheil umschlägt. Die Juden waren gegen den Rath Gottes .verblendet, wir. aber glauben nach den Worten'der Schrift, daß Nichts gegen den Rath Gottes geschieht, sondern Alles nach dem heiligen Rache und Willen Gottes. Maren . wirklich -die. Juden.verblendet, so geschah dies nach dem Rache Gottes) und das muß ja der gläubige 'Christ selbst zugeben, da sonst „die Erlösung der Menschheit durch'den Tod Jesu" gar nicht hätte vor sich gehen können. Oder wollte der Verfasser sagen, Gott hätte Israel'gerathen, nicht verblendet zu sein, und es hätte abf diesen'Ralh mcht'gehört? so müßten wir doch fragen /' wie dieser Rath geschehen sei, und es schließt sich hieran zugleich die Frage, was heißt die Verblendung der Juden? mit? zwar eine absichtliche, eigenwillige Verblendung? Der Herr' hatte Israel, als er ihm seine Lehre ertheilen wollte, wunderbar aus Egypten geführt; es hatte äm rochen Meere gestanden, es war? mitten durch Wunderzeichön zum Fuße des Sinai geführt' worden, wo aus dem/'den Gipfel des Berges verhüllenden'Gewölle die Verkündigung' der Wahrheit vor dem versammelten Volke ertönt Das Volk rief aus: Wir hören und werden es thun! Ist dergleichen auch, selbst nach den Erzählungen der'Evangelien, bei der, durch Jesu verkündeten j/neüen"'Wahrheit vor sichgegangen? Daß hier und da ein Kranker geheilt, ein Blinder sehend, ein Lahmer gehend gemacht, „böse Geister aus Besessenen vertrieben" worden u. s. w., das konnten einem Volke keine Wunderzeichen sein, deren Nichtannahme eine absichtliche Verblendung, eine Widersetzlichkeit gegen den 'offen ausgesprochenen Rath Gottes genannt werden kann. Dort vom Sinai her war dem Volke geboten, nur einen einzigen, unkörperlichen Gott zu erkennen und anzubeten, einen Gott , der keine'Gestalt annehmen könne, denn auch 'auf dem Sinai habe es keine Gestalt gesehen, und' nur Worte aus dem Feuer vernommen. Es war rhm'zur 'Todsünde gemacht, rieben diesem einzigen Gotte noch em anderes göttliches Wesen und in irgend' einer Gestalt' anzunHmen; eS war ihm- Verderben und Untergang gedroht, wenn es hiervon wiche; dies wiederholten alle / Propheten in seiner.Mitte,,/und. es) war -- ihm gesagt,' wenn selbst Jemand Wuuderzei^en' thäte, aber eine andere Lehre lehrte, ihm nicht zu folgen, sondern ihn aus seiner Mitte zu schaffen. Was war denn "NUN nach den Berichten der Evangelien selbst geschehen, .Um das^Volkvon -der Göttlichkeit einer ..anderen und neuen'Lehre, die von jener abwich,'zu überzeugen? Worin .Hatte sich „der Rath Gottes" dem Volke offenbart, so offenbart, daß es der absichtlichen Verblendung gezeiht werden' konnte und 'könne, da es ihm nicht Folge leistete? Der Verf. hat die „denkenden Israeliten" aufgefordert, und schonjedes Nachdenken hierüber zeigt uns das Gegentheil.- ■,*— Doch dies trifft das eigentliche Argument des Verf. noch nicht. Er sagt, die Zerstreuung der Juden ist eine Verstoßung seitens Gottes, und hierin liegt eine Strafe Gottes, welche sich die Juden durch die Schuld an dein Tode Jesuzugezogen, und diese sei hierdurch erwiesen. Der Verfasser muß uns erlauben, daß uns beim. Nachdenken in. dieser Schlußfolgerung wenig Logik zu liegen scheint. Wenn die Zerstreuung ein Strafgericht Gottes wäre, wodurch würde bewiesen, daß die Hinrichtung Jesu die Ursache dieser Strafe gewesen? Was hatten denn die drei Viertel des. jüdischen Volkes, welche zu jener Zeit, welche längst vor der Zeit Jesu durch ganz Jnnerasien, Vorderasien, Egypten, Hellas, Italien bis in Gallien und German ieü hinein zerstreut waren, für einen Theil am Tode Jesu? Oder hatte diese Strafe Gottes für den Tod jenes' bereits ein halbes Jahrhundert vorher anticipando begonnen? Diese Thatsache ist doch wohl ein vollgültiger Beweis gegen die Schlußfolgerung des Verf. Aber auch seine Prämissen erscheinen uns beim Nachdenken unrichtig. Wir wissen wohl, daß die Folgen böser Thaten sich auch aus nächstfolgende Geschlechter erstrecken. Aber unsere h. Schrift lehrt uns, daß die Schuldhaftigkeit, also auch die Strafbarkeit sich auf den Thäter selbst beschränkt (5 Mos. 24, 16. Jech. Kap. 18.). Im zweiten der Zehn-Worte ist es uns ausdrücklich gesagt, daß die Folgen der Strafen sich auf das zweite und dritte Geschlecht, die Gnade Gottes sich auf 'das tausendste Geschlecht erstreckt, und wir haben daher keinen Begriff von einer Gerechtigkeit Gottes, welche die Strafe für die Hinrichtung eines Menschen achtzehn Jahrhunderte auf zahllose Geschlechter, die ' an jener That keinen Theil gehabt/ ausdehnen' soll!' Ehe wir eine (nach unseren Religionsbegriffen) solche Blas-'

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