Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1866)
- Date
- 1866-05-15
- Page
- Seite 317 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWWWWWWWWWWMMMMBWN^ 317 voll decorrren; die Bildnisse Ihrer Majestäten, inOelfarben, schmückten die Räume. Unter den vielen, christlichen Gästen war auch der Gouverneur der Stadt, wirklicher Staatsrath, Kammerherr S. M. v. Schidlowsky erschienen. Um Mitternacht wurde der Gesellschaft Champagner servirt und beim perlenden Saft der edlen Rebe, hielt Dr. med. Soloweitschik, gewesener Redacteur des Zion, eine kurze Ansprache, in welcher er den Zweck der heutigen Versammlung auseinandersetzte und in geistvollen Worten mir einem Toast auf das Wohl S. M. unseres geliebten Kaisers und dessen erlauchter Fämilie schloß, der mit nicht endenwollenden Hurrahrufen und einer Fanfare der Musik erwidert wurde. Darauf sang der Chor der Besseda die Nationalhymne: „Gott erhalle den Kaiser!" So feierten die Israeliten, die treuen, anhänglichen Unterthanen, die Rettung des Monarchen, dem sie so unendlich viel zu verdanken haben. Möge der himmlische Vater ihn noch eine lange Reihe glücklicher Jahre zum Heile Seines Landes erhalten! L. T. Belgien. Brüssel, 27. April. (Privatmitch.) Sie haben bereits über die Demission Mittheilung gemacht, welche der Großrabbiner, Herr Dr. Loeb, aus Gesundheitsrücksichten genommen. Man richtete hier von Beginn an seine Aufmerksamkeit auf einen französischen Rabbinen, um dem Bedürfnisse nach der Predigt in gutem Französisch genügen zu können. Es bewarben sich die Herren Rabbiner Levy zu Luneville, .Weil zu Nimes und Astruc, Nabbinatsassessor in Paris, alle Drei Zöglinge der Ecole rabbinique in Paris und als Großrabbiner graduirt. Alle Drei haben in der jüngsten Zeit hier Probepredigten gehalten, und ihr Rednertalent und theologisches Wissen hinlänglicherwiesen, doch hat Herr Astruc den meisten Beifall davon getragen, indem seine Rede so recht das Herz des ganzen Auditoriums zu treffen vermochte. Sie hatte das Leben Mosis zu Grunde und wußte die große Gestalt des Gesetzgebers so lebendig und 'künstlerisch darzustellen, daß man dieselbe vor sich zu sehen glaubte. Ein hiesiger jüdischer Künstler sagteim vollen Enthusiasmus, Herr Astruc habe seine Figuren so sprechend gezeichnet, daß er, der Künstler, im Stande gewesen wäre, ein Gemälde davon aufzunehmen. Dabei benutzte der Redner die Legertbeiy um sie wie eine Blumenguirlande um'die erhabene Gestalt des Gotteshelden zu schlingen. Die allgemeine Stimmung scheint für Herrn Astruc zu sein, obgleich die Herren Levy und Weil viele Freunde und Anhänger haben. Man spricht auch seit einigen Monaten viel von der Erbauung einer neuen Synagoge. Es wäre zu wünschen, daß diese Angelegenheit bald einen Schritt weiter käme. Die hiesige Synagoge ist entschieden zu klein und die Ausstattung zu arm. Eine Gemeinde, wie die zu Brüssel, die so viele reiche und opferwillige Mitglieder zählt, sollte sich nicht länger mit ihrer Dörfsynagoge begnügen. Großbritannien. London, 26. April. (Privatmitch.) Wenn sich irgendwo erweist, daß konservativ-und reactionär zwei sehr verschiedene. Dinge sind, so geschieht dies in England. Es giebt keine Nation, die weniger reactionär und mehr conservativ ist als die Engländer. Sie gehen niemals einen Schritt zurück, aber es dauert lange, ehe sie einen vorwärts thun. Sie hängen an den alten Gewohnheiten mit großer Zähigkeit, und geben sie erst auf, wenn sie sich von den Nachtheilen derselben völlig überzeugt haben. Selbst, wenn sie in das Fahrwasser der Verbesserungen eingelenkt sind, lassen sie sich von dem Strome nicht Hinreißen, sondern gehen langsam von Station zu Station. Mit derselben Zähigkeit verfolgen sie auch unabgeschreckt ihr Ziel, wenn sie sich von der Nochwendigkeit einer Umgestaltung überzeugt haben / und lassen sich nicht beirren,, wenn sie auch zehn Mal zurückgewiesen worden. So ist denn jetzt auch Aussicht, daß jene Erklärung der sogenannten fellows oder Pension beziehenden Privatdocenten an den Universitäten Oxford und Cambridge abgeschafft werde, welche es Anderen als Bekennern der anglikanischen Staatskirche unmöglich machte, diese Stellung einzunehmen. Mit erheblicher Majorität gelangte der Abschaffungsantrag durch das Stadium der Comitsberathung im Unterhause. Nordamerika. New-Uork, im April. Wir haben schon mitgetheilt, daß in dem Processe.der Ansche-Chessed-Gemeiude we-