Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1866)
- Date
- 1866-05-15
- Page
- Seite 316 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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MUWWWWDWWWWWWW^MWWWWWWSWWW sie Rußland. St. Petersburg, 27. April. (Privatmitth.) Durch unsren Herrn Militär - General - Gouverneur, Fürsten Ssuworow, genehmigte der Kaiser das Gesuch ter hiesigen jüdischen Gemeinde, eine Deputation derselben, aus dem Rabbiner Herrn Dr. A. Neumann und mehreren Gliedern des Vorstandes bestehend, im Winterpalais zu empfangen, um in einer allerunterthänigsten Adresse ihre Freude über die glückliche Rettung des Kaisers und ihren heißen Dank gegen Gott für dieselbe aussprechen zu dürfen. Die Deputation hatte am 21. d. M. die Ehre, vor dem Kaiser zu erscheinen und nach einer Ansprache des Rabbinen die Adresse zu überreichen, welche, in russischer und hebräischer Sprache geschrieben, Worte so warmer Empfindung und so beredten Ausdruckes enthielt, daß sie so nur aus den Tiefen eines wahrhaft bewegten Herzens entfließen konnten. Und in der That, welche unmeßbare Wohlthaten haben die Israeliten Rußlands aus den Händen Alexanders II. empfangen! Schon die Existenz, einer jüdischen Gemeinde in Petersburg giebt Zeugmiß davon! Se. Majestät der Kaiser war sehr gerührt von den Segenssprüchen des Rabbinen, dankte herzlich, befragte den Rabbinen um dessen persönliche Verhältnisse und reichte ihm die Hand. Wir wissen diese Huld in ihrer ganzen Bedeutung für uns zu schätzen. — Die Mitglieder der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden" haben zum Andenken an wen glücklichen Ausgang des verbrecherischen Unternehmens gegen das Leben S. M. des Kaisers beschlossen, ein Kapital zusammenzubringen, aus dessen Zinsen zwei Stipendien, jedes zu 100 R. jährlich, unter dem Namen: „Stipendien zum Andenken an die wunderbare Rettung des Lebens Sr. Majestät am 4. April 1866" gestiftet und Zöglingen der Rabbinerschulen in Wilna und Shitomir verliehen werden sollen. Se. Majestät hat außerdem durch den Herrn Minister des Innern für die Adresse, durch den Herrn Minister der Volksaufklärung für die Stipendien seinen Dank aussprechen lassen. St. Petersburg, 24. April. Ein höchst vernünftiges Gesetz ist so eben erlassen worden. Es bestand bis jetzt die Einrichtung, daß nichtchristliche Verbrecher, wenn sie während hex Untersuchung zur christlichen Kirche übertraten, eine geringere als die verdiente Strafe erhielten; diese Proselytenmacherei der schlimmsten Art ist nun abgestellt, indem die Strafmilderung für solche Fälle nicht mehr zulässig ist. Odessa, 23. April. (Privatmitth.) Das entsetzliche Ereigniß, das Attentat vom 16. d. M. auf die geheiligte. Person unseres geliebten und allverehrten Monarchen hat auch hier in allen Schichten der Bevölkerung die tiefste Entrüstung hervorgebracht. Dank der gütigen Vorsehung, hat die meuchelmörderische Waffe ihr Ziel nicht erreicht und das Leben S. M. ist dem Wohle seiner 70 Millionen Unterthanen erhalten geblieben. Es ist hier der Ort nicht, der Thaten und Reformen/ die der huldvolle Regent im Laufe eines Jahrzehnts, seit Seinem Regierungsantritte, vollführt hat, des großen Werkes der Befreiung der Bauern, so vieler Millionen Menschen, bis auf die Einführung des neuen Gerichtsverfahrens, zu gedenken, Thaten, die für immer in der Geschichte der Menschheit euren bedeutenden Platz einnehmen werden. Der Tag des 18. d.M. ward daher in einen Festtag verwandelt. Das Geschäft ruhte, der Verkehr stand still, Alle waren von einem Gefühle der Dankbarkeit gegen die gütige Vorsehung durchdrungen, die das Leben des besten Monarchen aus wunderbare Weise rettete. Diesen Gefühlen der Liebe und der treuen Anhänglichkeit Ausdruck zu geben, strömte Alles den Gotteshäusern zu, um dem Könige der Könige zu danken und ihn zu preisen. Die Mitglieder der israelitischen Gemeinde versammelten sich um 12 Uhr Mittags in der festlich erleuchteten Hauptsynagoge zu einem Festgottesdienst. Die Feier begann mit einem Choräle, dem sich die üblichen. Gebete anschlossen, worauf unser begabter Prediger Dr. Schwabacher die Festrede hielt. Wie gewöhnlich wußte der Redner auch diesmal die überaus zahlreiche Versammlung durch seinen gediegenen Vortrag und das darauf folgende erhebende Gebet zu fesseln. Mit der Nationalhymne wurde der Gottesdienst geschlossen. Abends waren die Häuser beleuchtet und auch die großartige Hauptsynagoge war schön illuminirt. Aus Anlaß des freudigen Ereignisses gab gestern, den 22. d. M. der israelitische Verein „Besseda" in den prachtvollen Räumen des Vereinslokals einen glänzenden Ball, der äußerst zahlreich besucht war. Die Direktion ließ zu dieser Gelegenheit die Säle geschmack-