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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-08 · Heft 19 (8.5.1866) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 19 (8.5.1866)
Date
1866-05-08
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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kopenhagener Krankenpflege Gesellschaft „Äkei-es Jedidim“ mag Folgendes von allgemeinem Interesse sein. Die Gesellschaft wurde 1821 gestiftet, mit 30 Mitgliedern, zählt jetzt aber 588 männliche und weibliche Mitglieder und besitzt ein Vermögen von fast 15,000 Thalern. Zur Krankenpflege werden jährlich 200O THlr. verwendet und zwar um damit Krankenwärter und tägliche gesunde Nahrung den Armen und kräftige und frische Speise den Reconvalescenten zu' verschaffen. Die Wirksamkeit der weiblichen Abtheilung des Vereins besteht vornehmlich darin, daß die Damen abwechselnd sich persönlich am Krankenlager einfinden, die Kranken zerstreuen und trösten und mit Erfrischungen erquicken. 'Eine sehr nachahmenswerthe Sitte im Vereine ist das Herumsenden kleiner Armen-Spar-Büchsen, welche man also fast in jedem gebildeten jüdischen Hause antreffen kann und welche in Jahr und Tag eine, von vielen gesammelten kleinen Beiträgen nicht unbedeutende Summe dem Vereine einbringen. Hervorzuheben ist noch die schöne Tendenz dieser Gesellschaft, indem sie es sich zur Pflicht gemacht hat, verschämte Arme aufzusuchen und ihnen ohne Oeffentlichkeit zu helfen; es heißt darüber in dem Berichte: „Wir suchen die würdigen Dürftigen auf und lassen diese nicht erst uns aufsuchen." — Ein Filial der „Alliance universelle israelite“ in Paris hat sich nach Aufforderung unseres Rabbiners Herrn Dr. A. Wolfs vorigen Sonntag mit über 200 Mitgliedern constituirt. Das gezeichnete jährliche Contingent beträgt die bedeutende Summe von reichlich .1600 Frs. Als Vorsitzender in dem aus 5 Mitgliedern bestehenden Counts wurde Hr. Dr. Wolfs gewählt, als Secretär der Universitäts-Bibliothekar Hannover. Es ist dieser Letztere ein sehr tüchtiger Sprachforscher, der unter demselben Drucke veralteter Vorurtheile, wie letzthin vom der Universität zu Oxford geschrieben wurde, leiden muß. Trotz aller anderen Freiheiten ist es, merkwürdig genug, einem Juden unmöglich an der Universität Carriäre zu machen. So kann der als ausgezeichneter Grieche bekannte Cand. philol. Siesleh durchaus kein Avancement bei der Universität erreichen. Der Augenarzt Prof. Melchior hat wegen seiner Thätigkeit als Director des Blindeninstituts Hierselbst, früher den Ritterorden, jetzt den Danebrogsordett erhalten. So weit wir wissen, war er einer der ersten, wenn auch nicht der erste , Jude, der, vor JähreN einen dänischen Orden erhalten hat. — Einen sehr traurigen Todesfall haben wir zum Schlüsse noch mützutheilen. Der Professor Dr. med. Ballin, Ritter vom Danebrog- und R. d. Wasa-Orden,' ist inmitten seiner menschenfreundlichen Wirksamkeit vorigen Monat plötzlich vom Tode hipgerafft worden. Aus einer, mit seinem Portrait versehenen Biographie in lllustreret Tidende No. 341 vom 8. April entnehmen wir Folgendes:-„Niemand konnte in einem höheren Grade, als er es gethan hat, in seinem Leben den alten Satz verwirklichen: Nil humani a me alienum esse puto, und während er ganz sicher ein großes Feld für seinen edlen und humanen Geist in der Ausübung seines besonderen Berufes als Arzt besaß, waren doch sein Interesse und seine Sympathien zu viel umfassend, als daß er nur als Arzt betrachtet werden dürste. Das Blatt hebt am Schlüsse noch einen Zug seiner jüdischen Pietät hervor. Ballin hatte seinen Vater in früher Kinheit verloren, so , daß er ihn eigentlich nie gekannt. Aber noch in spätem Alter feierte er die Jahrzeit seines Vaters auf's Strengste und besuchte jedesmal dessen Grab. So that er auch — 63 Jahre nach dem Tode seines Vaters — am letztverwichenen 23. März und dieser Tag wurde auch — sein Sterbetag. g—r—. Nachtrag. London. (5. C.) Sir Moses Montefiore ist durch den unerwarteten Tod des Dr. Hodgkin veranlaßt worden, seinen Aufenthalt in Jerusalem abzukürzen er wird aber die Rückfahrt nur langsam bewerkstelligen, so daß er ungefähr sechs Wochen darauf verbringen und in London in drei Wochen zu erwarten sein werde. Nach seinen Berichten sind die Arbeiten, Jerusalem einiges gutes Wasser zu verschaffen, bald vollendet, und der Gesundheitszustand in Jerusalem jetzt ist ein sehr guter, was der Verbesserung der Wohnungen, ihrer Reinigung und Lüftung zuzuschreiben sei. Lemberg, 16. April. Hinsichtlich des vom Landtage angenommenen reactionären Stadtgemeindestatuts wacht sich die Ueberzeugung geltend, daß die Regierung 19*

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