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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-08 · Heft 19 (8.5.1866) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 19 (8.5.1866)
Date
1866-05-08
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 Erzählertalent, das wie arabisches Mährchenopium entzückte, nur mit dem Unterschiede, daß dieses einschläfert, während bei unserem unvergeßlichen Freunde des Witzes Spitze und sprühende Blitze den Zuhörer stets wachend und lachend erhielten. — Unsere hiesige Gemeinde verliert in dem Heimgegangenen einen Mann von eminenten Geistesanlagen und großem Herzen, einen ihrer treuesten Anhänger, der überall, wo .es galt, das Gute zu fördern und dem Besseren den Sieg erringen zu helfen, mit Entschiedenheit in die Reihen der Kämpfer trat, und dem zu den drei Kronen, die er trug, der Krone des Priesterthums,. der Gelehrsamkeit und des guten Namens, nur die vierte, die des großen Reichthums fehlte, um mit seinen guten Bestrebungen kräftiger durchzudringen. Für uns ist dieser Mangel nur eine Tugend mehr; denn nie sahen wir ihn sein Knie vor dem strotzenden und protzenden Mammon beugen; aufrecht an Leib und Seele, stand er da, ein gesinnungstüchtiger Jude, ein Mann der Wahrheit in Wort und That und dabei ein Wohlthäter der Armen und ein Förderer edler Werke ist der hochherzigsten Weise.— Es sei mir zum Schluffe vergönnt, dem Verewigten noch meinen besonderen Dank für die, mir bewiesene Freundestreue nachzurufen, unerschütterlich auch in der schwersten Zeit, als ich die unzuverlässigen Stützen mancher , alten Iugendfreundschaft morsch werden und zusammenbrechen sah. Da wurde seine, dem fast von allen Seiten Verlassenen bewiesene und bewährte Freundschaft von doppeltem Werthe. — Wir verließen zu gleicher Zeit die große Synagoge, und in einem kleineren gastlichen Betlokale vereinigte sich der Hauch unserer Anbetung vor dem Vater des Lichtes, in dessen Dienste wir zusammen treu gerungen nach Klarheit und Klärung des religiösen Lebens. — Mögen wir uns, verewigter Brudergerst, einst wieder begegnen an seinem erhabenen Throne, an den Urquellen der reinen, ewigen Wahrheit! Dr. Leopold Stein. Preußen. Bonn, 25. April. (Privatmitth.) Nach statistischen Mitthellungen betrug die gesammte Steuermasse der 49 europäischen Staaten im Jahre 1854: 6250 Millionen Frs., dagegen im Jahre 1864: 11,000 Mill., also in zehn Jahren eine Zunahme von mehr als zwei Drittel! Bon dieser ungeheueren Summe von 11',000 Millionen jährlich kam beinahe die Hälfte, nämlich 5000 Mill. auf die Armeen,.dagegen nur etwas über ein Hundertstel, nämlich 125 Mill. Frs. auf den öffentlichen Unterricht in allen seinen Zweigen! Und nun sage man noch, daß Europa bereits völlig aus der Zell der Barbarei in die Zell der Humanität und des Rechtes gelangt sei! — Die Angabe in der vorigen Nummer, daß das nordamerikanische Repräsentantenhaus das Veto des Präsidenten mit 12 Stimmen über die erforderliche Zweidrittelmajorität verworfen habe, war nicht ganz richtig. Das Haus ist noch glänzender für die civilrechtliche Gleichstellung aller Menschen eingetreten; es stimmte mit 122 gegen 41, also mit 40 über die Zweidrittelmajorität! oder mit beinahe Dreiviertelmajorität! Erfurt, 11. April. (Privatmitth.) In dem wissenschaftlichen Verein für Erfurter Geschichte und Alterthumskunhe hielt gestern Dr. Jaraczewski, Prediger der hies. jüd. Gemeinde, einen Bortrag über die ältere Geschichte der hiesigen Judenschast von Karl d. Gr. an bis zu dem berüchtigten „Judensturm" (1348 u. 1349), der sich nicht blos durch die interessanten historischen Mittheilungen, sondern auch durch die würdige und Niemanden verletzende Art der Darstellung vor einem ganz christlichen Publikum auszeichnete. Er begann mit einem Bilde der Humanität und des Rechtes, wie sie in unserer Zeit nicht blos zur Anerkennung, sondern. auch' zur Verwirklichung gekommen, und fand zuletzt die Motive jener blutigen Vorgänge in der durch die beständigen Fehden bewirkten Verwilderung der Erfurter Bürger, in dem Wahnglauben der Brunnenvergistung, in den Machinationen der Junker und in dem Stillschweigen des Magistrats. Dem Beifalle, dessen sich der Bortrag erfreute, gab der Präsident des Vereins am Schluffe einen würdigen Ausdruck, indem er die Wiederkehr solcher Zustände aus dem Bereiche der Denkbarkeit verwies. Berlin, 16. April. (Privatmitth.) Am gestrigen Tage feierte der seit zwei Jahren emeritirte treffliche Lehrer und Cantor der jüdischen Gemeinde zu Ballenstedt, Herr Markus Rosenthal, der 45 Jahre dort segensreich sein Amt verwaltet hatte und jetzt hier lebt, sein goldenes Hochzeitsfest. Die Gemeinde zu Ballenstedt vergaß in rühmlicher Dankbarkeit dieses Tages nicht, und übersandte dem ehrwürdigen Greise

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