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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-08 · Heft 19 (8.5.1866) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 19 (8.5.1866)
Date
1866-05-08
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. O., im April, i-t3i 736< pwi *100 (Befestigung im Glauben) ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkung begleitet von David Deutsch, Rabbiner zu Sohrau in Oberschlesien. — In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte zu Troki in Lithauen ein gelehrter Karäer, mit Namen Rabbi Jizchak ben Abraham, welcher mit hervorragenden Christen, sowohl Geistlichen als Laien, vielfach verkehrte, über Glaubenssachen häufig mit ihnen disputirte und die Gewohnheit hatte, das Ergebniß jeder dieser Disputationen zur Erinnerung für sich niederzuschreiben. So sammelte er nach und nach viel interessantes Material zu einem Werke, an welchem er dann lange mit großer Sorgfalt arbeitete, das er aber, plötzlich von einer schweren Krankheit (die auch sein Ende herbeiführte) heimgesucht, doch nicht ganz vollenden konnte. 1) Er hatte dies wohl vorausgesehen, und daher seinen Lieblingsschüler, Joseph ben Mardochai, beauftragt, das Fehlende an dem Werke zu ergänzen, und dieses alsdann, wenn es ganz fertig sei, in die Welt hinaus wandern zu lassen. Des Lehrers letzter Wille ist von Seiten des. treuen Schülers pünktlich befolgt, das Werk durch ihn zu Ende geführt und an die Oesientlichkeit gebracht worden. Der Verfasser selber, Rabbi Jizchak ben Abraham, hatte es Wim pim -isö genannt. — Dieses Buch, obschon Anfangs nur durch vervielfältigte Abschriften verbreitet, hatte sich bald in jüdischen Kreisen großes Ansehen erworben und war weit, gar sehr weit über die Grenzen des Landes, in welchem der Verfasser gelebt, hinausgedrungen. Doch ist es nicht eher als 87 Jahre nach des Letzteren Tode 2) zum Drucke gekommen, und zwar durch den berühmten Orientalisten Joh. Chr. Wagens eil, welcher, mit dem Grasen Abensberg in Afrika reisend, von Juden zu Ceuta eine Abschrift des Chisuk Emunah zum Geschenke erhielt. Das Werk interessirte ihn in so hohem Grade, daß er es, nach Deutschland zurückgekehrt, mit einer von ihm angefertigten lateinischen Uebersetzung (und in Verbindung mit einigen andexen kleineren Piecen ähnlichen Inhalts) zu Mors in Baiern, woselbst er als Universitätslehrer sungirte, im Jahre 1681 unter dem Titel: „Isla ignea Satanae“ (Satans feurige Pfeile) in Druck erscheinen ließ. So in Deutschland eingeführt, verbreitete sich die; Schrift unseres Rabbi Jizchak bald — nach allen Richtungen .hin — durch ganz Europa, wo sie einerseits die namhaftesten christlichen Gelehrten frommgläubigen Sin-; nes zur Bestreitung resp. Widerlegung ihres Inhalts ge-- waltig anregte,. andererseits aber auch den- Freidenkern eine Quelle bot, aus der sie reichlich und ohne Mühe nach Wohlgefallen schöpfen konnten. Das Letztere wird am sprechendsten durch Voltaire bekundet, welcher in seinen. Mdlanges (T. in. p. 344) von unserem Rabbi Jizchak ausdrücklich sagt: II a rassemblö toutes les difficultds que les incr&lules ont prodigudes depuis . . . . . . Enfin incrddules les plus ddterminds n’ont presque rien alldgue, qui ne soit dans ce rempart de la foi du Rabbin Isaac. —: 3)7. Die oben erwähnte Wagenseil'sche Uebersetzung des Chisuk war indessen nicht die erste, vielmehr vorher schon durch JsaacAthias eine spanische angefertigt worden, die aber ebenso, wie die noch ältere deutsche, welche Wolf litt seiner Bibliotheca Hebraea dem Renegaten Mich. 'Gelling zuschreibt, nie zum Drucke gekommen, sondern 'immer handschriftlich geblieben.; ' Ein besseres Schicksal hatte eine, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts — nach dem Wagenseil'schen Texte unternommene, jüdisch-deutsche Uebersetzung, die mit eben diesem Texte 1707 zu Amsterdam herauskam , an welchem Orte übrigens 2 Jahre vorher schon eine zweite Ausgabe von Wagenseils lateinischer^ Uebersetzung — jedoch ohne den hebr. Text— im Drucke erschienen war. — Endlich hat noch im gegenwärtigen Jahrhundert ein gewisser Moses Mo'catla in London eine englische Uebersetzung veranstaltet und dieselbe mit dem Texte — obschon nur in einer geringen Anzahl von Exemplaren — durch den Druck veröffentlicht. So viel von den Uebersetzungen. Was nun den hebr. Text anlangt) so ist leider fast jeder, der — sei es handschriftlich oder gedruckt —- an's Licht der Oeffentlichkeit kam, in hohem Grade incorrect gewesen./ Selbst die so vielfach gepriesene Handschrift des gelehrten Pastors. Chr. G. Unger war nicht frei von Corruption. Am meisten indessen laborirte an diesem Uebel das Ma- , nuscript, welches von Wagenseil war benutzt worden.— Von der allerneuesten Ausgabe, der eben dieser Artikel gewidmet, ist die letzte Edition des Textes vom pitn i-WTOfi* im Jahre 1857 in der Officin von L. Schnauß in Leipzig veranstaltet worden, jedoch in der Art, daß sie von den größeren und kleineren Fehlern aller früheren Ausgaben durchaus nicht frei geblieben.

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