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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-05-08 · Heft 19 (8.5.1866) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 19 (8.5.1866)
Date
1866-05-08
Page
Seite 291 (sequence 3)
Language
German
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m rnudä das - objective Verständniß: desselben verhindert.' - Freilich ist diese Apologie gerade darum zu entschuldigm, weil ' sie jener: unsittlichen und bodenlosen Polemik entgegenzutreten hat, und jede objective ^Behandlung den' Gegnern nur dazu dienen würde, mit absichtlicher Ver^ drehung neues Gift daraus zu' holen; aber zuletzt darf man sich hiervon nicht befangen lasten; denn schließlich siegt eine wahrheitsliebende Forschung und überzeugungstreue ■Darstellung über alle Parteiansichten, und überwindet die Gegner gerade dadurch > weil sie nicht auf Seiten Einer Partei steht. Hier aber ist für den jüdischen Forscher allerdings noch ein anderes Moment zu überwältigen. Esist das der. eingewohnten Pietät in ihm selbst und die Rücksichtnahme auf diese Empfindung in-vielen seiner Glaubensgenossen. Es ist nur zu leicht, daß der jüdische Autor sich von der Bewunderung' und Verehrung der großen Monumente seines Stammes und Glaubens allzusehr Hinreißen, und sich dadurch den richtigen Standpunkt verrücken läßt. Es ist auch zu leicht, daß er, um nicht anzustoßen, nur die Eine Seite, nur die licht- und glanzvolle hervorhebt, und zwar aus dem Gesichtskreise der Neuzeit heraus, während doch vom geschichtlichen Standpunkte Vieles noch hell und licht erscheinen muß, was unsere Jetztzeit nicht mehr goutiren kann. Wir meinen hierbei selbstverständlich nicht, wenn Stellen- oder Spruchsammlungen aus dem Talmud für die Religivnslehre und Homiletik benutzt werden. Denn es versteht sich von selbst, daß für diesen Zweck nur gewählte wird , was für unsere Zeit brauchbar ist. Wir meinen vielmehr, wo eine geschichtliche und objektive Behandlung eigentlich beabsichtigt ist oder doch gefordert werden könnte. Hier ist es ein großer Fehler, sich in Ueberschwänglichkeiten zu ergehen, Vergleichungen 'anzustellen, die gar nicht dahin gehören, und so das Verständniß eher zu verwirren, als aufzuhellen. Wenn unsere Altvordern aus ihrem Gesichtskreise heraus sagten, daß-der Talmud Alles enthalte, daß es keine Wissenschaft, nichts Wissenswürdiges, keine Erfindung und Entdeckung gebe, die-.nicht im Talmud vorhanden seien, so konnte man: ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Es. heißt. aber nichts Anderes, als Dasselbe nach anderer Seite hin-thun, wenn man das Lob des: Talmuds vom Standpunkte der klassischen Literatur anstimmt, und die griechischen Phllosophen und Poeten zu'lobrednerischen Vergleichen heranzieht. ' Der Talmud ist so eigenartig und hat seine Größe- und Bedeutung so in seinem eigenen Wesen, daß alle derartige Vergleichungen üur stchies aus- I fallen. Der Talmud ist keine Philosophie, keine Poesie, j keine Wissenschaft , ja nicht einmal eine Dogmatik, eine i Morallehre oder - dergleichen. In alle solche Rubriken 1 ist er nicht hineinzubringen. Er enthält hier und da ■ einen philosophischen Gedanken, bringt hier' und da in! Gleichnissen, Legenden und Sentenzen einen sehr poeti- - schen Ausdruck an; selten sind die dogmatischen Aussprüche, häufiger die moralischen, aus dem'Bereiche'der damaligen Wiffenschasten streut er vieles Wissenswürdige ein. Aber dies Alles ist kein System bei ihm,-und'kann es aus seiner Entstehüngs- und Entwickelüngsart, aus seinen Tendenzen und Aufgaben heraus nicht sein. Ja, : er bringt auch ganz entgegengesetzte Aussprüche, sich,völlig widersprechende Meinungen heran, denn sie sind ja allesammt nur die. Aussprüche Einzelner, oft aus sehr -verschiedenen Zeitaltern. — Welches ist daher sein wahrhafter Charakter? Dies wollen wir jetzt näher untersuchen. (Fortsetzung folgt.) Spenden zur Vollendung der BibeLausgabe mit großen Txpen durch die israelitische Bibelanstalt. Dr. Ignatz Hirschler in Pest 1 Thlr. Dr. Heinrich Pollak in Pest 1 Thlr. L. V. in B. 5 Thlr.' — Gefammtsumme 104 Thlr. 27 Sgr. 6 Pf. Die Redaction. I Spenden für die Aießerstiftüng.'! Rabbiner Dr. S. Adler in New-Ä)ork gesammelt;24 9 Thlr. 22 Sgr., und zwar von folgenden Contribnenten: ' 1269-1297. Ä. Michelbacher, L.' Rosenfeld, N. K. Rosenfeld, P. Pfeifer, Sam. Frankenheimer, S. I. Spiegelberg, M. Herzog, S. Strahlheim, Simeon Gutmann, Simon Hackes, Salomon Beuthner, Joseph Jacobs, Joseph Stettheimer, Joseph Fatman, Frau Joseph Fatman, Seligman, Louis W. meustätter, G. M. Leventritt, M.'Cooper, Adolphüs G. Mandel, Herman S.. Bachman, Lehmaier Bros.', F. Maas, Moses Brühl, New-Haven Horeb Lodge, Uriah Herrmann, Lewis May. Derselbe für das Ertfanu-el theological Seminary Dr. S. Adler. — Gesammtsumme 2619 Thlr. 6 Sgr. 6 Pf. ‘

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