Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1866)
- Date
- 1866-05-08
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226547--23935-3251265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 * " V f f ■ { . ' f‘$![?*: verholen, ohne auf irgend eine Berichtigung ddev Widerlegung Rücksicht zu nehmen, so ist man selbst wider Willen gezwungen, ben Grund jener absichtlichen. Ilnkennt-' niß doch nicht allein in den Schwierigkeiten zü suchen, welche ein gründliches Studium des umfangreichen Werkes zu überwinden hat. Alles, was jüdische Autoren über den Talmud heranbringen, wird nicht beachtet oder tf l Z .t-.;, "feity Mlche j6ie UltraMdntanen ihnen wunder auflegen wollen, und weil Alles, was an wahrer Religiosität/ ^'Sittlichkeit und.,.Bildung,unsWer,Zeit ' vorhandene ist, Hierbei auf ihrer Seite steht, schäumt der Verfasser mit seinen bekannten Genossen vor Wüth gegen die Juden und spricht dies auch unverhohlen aus. Seine Schrift ist zusammengeschrieben aus allen judenals parteiisch zurückgewiesen; dasEisenmengersche- 'Pro-, dukt aber wird noch heute immer wieder' allen Expektorationen über den Talmud zu Grunde gelegt.. Welche. Mühe, welcher. Scharfsinn, welche Ausdauer werden auf Hieroglyphen und Keilschrift, auf die Veda's und Zendavesta's, auf die Sprachen der innerasiatischen und innerafrikanischen Völkerschaften verwendet, und wie würde man. .jubeln, wenn man ein bedeutendes literarisches Produkt dieser Stämme ans früheren Zeiten aufgefunden hätte! Aber hier, wo die tausendjährige Geistesarbeit eines in der Mitte der civilisirten Völker lebenden Stammes, der in religiöser und culturhistorischer Hinsicht so große Bedeutung hat, und dessen geistige Begabung man oft selbst mit Ueberschätzuug rühmt, vorliegt, geht man gleichgültig worüber, oder begnügt sich mit obersiächlichen und gehässigen Notizen, welche eine vergangene Zeit darüber geliefert hat. So ist man denn gezwungen, .als' ,ein wirksames Motiv die Gehässigkeit gegen die Juden und Judenthum! anzunehmen. Es schmerzt uns sehr, dies auszusprechen; wie gern würden wir selbst eine tadelnde Kritik entgegen nehmen, wenn wir sie aus der Hand gründlichen Wissens und objektiver Absicht zu empfangen hätten! Jrrthümer würden wir -ungleich lieber sehen, selbst wenn sie mit der Autorität wissenschaftlicher Forschung bekleidet wären, als diese beständigen Erzeugnisse krasser Ignoranz, die sich nicht genug des Giftes vollsaugen kann, so leicht uns auch gerade diese zurückzuweisen 'wird. So erschien noch in diesen Tagen ein ziemlich dickes Buch: „Der Talmud in der Theorie und in der Praxis. Eine literar-historische Zusammenstellung von Constantin Ritter deCholewaPawlikowski. Regensburg, Manz 1866." Man ■ braucht nur auf den Namen dev Verlagsbuchhandlung zu sehen, um zu wissen, in welches Magazin des katho-. lischen Judenhasses dieses Machwerk gehört. Der Verfasser scheut sich auch nicht, auf jeder Seite als des grimmigsten Judenhasses voll sich zu bekennen. Nicht blos, weil die Juden Juden sind, d.h. ihrer viertausendjährigen Religion getreu, sondern weil die Zeit des Rechtes und der Freiheit auch für sie gekommen, weil sie sich nicht mehr stillschweigend den Beschränkungen unterwer- ,feindlichen.Pamphleten, - aber, ohne jede.^uellenkenntniß^ also nichts weiter als eine geschmacklose' Wiederholung schon hundert Mal gesagter Behauptungen. Sehr naiv fordert der Verf. auf, ihm ein falsches Citat nachzuweisen. Dies konnte er auch, denn seine Citate sind nicht die angeführten Stellen aus Talmud und rabbinischen Schriften, sondern nur . aus Eisenmenger und Consorten. Dagegen könnte man ihn auffordern, nachzuweisen, daß er nur eure einzige Stelle in der Ursprache gelesen, und er würde nicht in Verlegenheit gerathen, denn das behauptet er ja auch nicht. Sich mit dergleichen weiter zu beschäftigen, verlangt wohl Niemand. Würde an solchen Leuten eine Curiosität noch irgend auffällen,- so könnte man sie darin finden, daß sie zwar ein wüthendes Gebell , gegen den Talmud loslaffen, aber noch viel wüthender werden wenn sie aus die Juden der neueren Zeit zu sprechen kommen, welche mehr oder weniger eine unbedingte Autorität dem Talmud nicht mehr beilegen. .Nach ihren Aeußerungen gegen den Talmud und die Rabbinen sollte man doch voraussetzen, daß.sie eine Verminderung der Autorität desselben freudig, begrüßen sollten-— aber gerade das Gegentheil: sie schlagen mit noch größeren Keulen auf die „Reformjuden" los. Solcher Widerspruch ist kurios, aber fällt diesen Männern bei ihrem Mangel an aller Logik durchaus nicht auf. Ändeß liegt hierin doch Etwas, was wir nicht übersehen dürfen: nämlich der Beweis, daß ihre Feindseligkeit gegen den Talmud nur secundär, und nichts als ein Ausfluß ihres Haffes gegen das ganze Judenthum, dessen.Existenz und. Träger, die Juden, ist. Die vermeintlichen Vorwürfe und Verdächtigungen, die sie aus dem Talmud ziehen wollen, sind ihnen nur willkommene Waffen gegen' das Judenthum, und sie kreischen nur darum uni so ärger, wenn ihnen diese genommen würden. Hieraus geht um so mehr hervor, wie so gar nichts aus dieser antitalmudischen Literatur für die objective.Auffassung, des Talmuds zu gewinnen ist, weil sie die Unkenntniß zu ihrer Quelle und den Haß zu ihrer Absicht hat. ' Aber ebenso wenig ist zu verkennen, daß auch die rein apologetische Behandlung und Darstellung des Tal-