Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1866)
- Date
- 1866-05-01
- Page
- Seite 281 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 13. April. Die israeliüsche Gemeinde Mslitz in Mähren begrub vor einigen Tagen, wie man uns von dort schreibt, einen 80 Jahre alten Lehrer- Veteranen, Herrn Isaak Kann. Dem Leichenbegängnisse des vielverdienten Mannes wohnten die ganze katholische und protestantische Geistlichkeit der Umgegend, ferner Deputationen von Gemeinden bei. — Dem Frankfurter Journal wird aus Presburg geschrieben: Es wurden bereits sehr viele, mitunter recht schöne Phrasen für die endliche Emancipation der Juden in Ungarn verschwendet, ohne daß aber in Wirklichkeit auch nur ein Federzug für die Realisirung dieser liberalen Idee vollführt worden wäre. Trotz .der ausgesprochenen Freizügigkeit der Juden in Oesterreich giebt es besonders in Ungarn noch sehr viele Orte, in denen keine. Juden geduldet werden. Wir würden von dieser unerquicklichen Thatsache kaum Notiz genommen haben, wäre damit nicht ein anderer eigenthümlicher .Umstand verbunden. Der Stadtarzt von Sommerein ist nämlich ein Jude, vr. Diamant. Treu den Principien ihrer Altvordern, können sich nun die Sommereiner Bürger nicht entschließen, den Mann, dem sie ihre Gesundheit und ihr Leben anvertrauen, in ihren Mauern zu dulden. Der Doctor wohnt in dem zwei Stunden entlegenen Orte Milchdorf. Täglich Morgens fährt die Equipage des Sommereiner Bürgermeisters hinaus, den Doctor abzuholen, dieser bleibt den ganzen Tag über in Sommerein und des Abends muß er unter allen Umständen bei jedem Wetter nach Milchdorf zurückkehren. Alle Versuche, die bisher von Seiten des Doctors gemacht worden, um diesem Uebelstande abzuhelfen, blieben erfolglos, denn wenn auch einzelne Bürger in Sommerein geneigt wären, dem Stadtärzt eine Wohnung anzubieten, unterlassen sie solches aus Furcht vor den Insulten ihrer Mitbürger, die durchaus keine freiere Anschauung Eingang finden lassen. Bedürfen solche Thatsachen noch eines Commentars? vr. Diamant erklärte, auf seine Stelle verzichten zu wollen, wenn die Bewohner von Sommerein auf der Aufrechthaltung ihrer „verbrieften und privilegirten Stadtrechte", die ihre Lebensfähigkeit längst verloren, noch länger beharrlich bestehen. Krakau, im April. lPrivatmitth.) Unser Herr Rabbiner hat abermals dnrch Handlungen seine außerordentliche Fürsorge für die Gemeinde und seine noch nie dagewesene Bescheidenheit erwiesen. Solche Thaten sprechen für sich selbst, und will ich sie daher einfach schildern. Vor einigen Monaten fiel es demselben ein, die sg. englischen (kochinchinesischen) Hühner,' die doch überall gegessen werden, zu verbieten, und zwar ohne sich vorher mit dem Rabbinatskollegium zu verständigen. Der Geflügelpächter, der einen beträchtlichen Pachtzins , an die Gemeinde zahlt und einen bedeutenden Ausfall dadurch verspürte, beschwerte sich bei-dem Vorstände. Dieser mit dem Beirathe forderte den Rabbiner auf, sich mit dem Rabbinatskollegium darüber zu berathen und das Resultat sammt Quellennachweis dem Vorstande mitzutheilen. Der Rabbiner antwortete einfach, daß, da das Verbot in der Religion begründet sei, sich der Vorstand nicht hineinzumischen habe. Eine zweite That ist, daß der Rabbiner den Synagogenvorstand bei dem Magistrate verklagte, daß jener in seine Prärogative eingreife, indem er Kundmachungen ohne sein (des Rabbiners) Wissen in der Synagoge publicire, wie auch Eheaufgebote verkünden lasse; er ersucht den Magistrat, an den Vorstand die Verfügung zu erlassen, daß dies in Zukunft nicht mehr geschehe. Der Magistrat antwortet, daß er sich nicht in der Lage befindet, Verfügungen zu treffen, die keine gesetzliche Basis haben. Der Rabbiner re- : currirt an die Statthälterer, indem, er bemerkt, daß ein solches Gesetzt wohl existire, er sich'über augenblicklich nicht darauf besinnen könne; jedenfalls müßten derartige Bestimmungen für Geistliche existiren und diese bittet er auch auf sich auszudehnen. Die Statthalterei ging hierauf nicht ein, sondern schickte die Akten an den Vorstand zur Aeußerung. Diese Vorgänge erregen große Entrüstung, ohne doch bei der Friedensliebe der hiesigen Israeliten irgend eine Folge zu haben. — Am verflossenen Osterfeste predigte der hier geborene und in Breslau gebildete Dr. Jakob Horowitz allhier, und riß seine Zuhörer hin. Der allgemeine Wunsch ist, ihn hier anzustellen, doch besitzt die Gemeinde einen zu kleinen Fonds, um einen Prediger angemessen zu besolden. Hg. Schweden. Stockholm, im April. (Privatmitth.) Am 2. d. M. fand in hiesiger Gemeinde eine erhebende 'Feier statte 18