Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1866)
- Date
- 1866-05-01
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bekannten Phrasen gegen das „Capital und seine Privilegien" loszulassen. Das dritte endlich gegen jenes vermittelnde System zu schimpfen, weil jene Leiter in demselben ihren Hauptgegner finden, der gerade, da er die Wunden und Krankheiten rationell zu heilen strebt, ihnen selbst den Boden unter den Füßen hinwegnimmt. Hierbei bedienen sie sich nun in der vorliegenden Probenummer jenes Kunstgriffes, den die Feudalen seit längerer Zeit gegen die Liberalen gebrauchen, um sie dem vorurtheilsvollen Volke verächtlich' und gehässig zu machen, indem sie dieselben allesammt Juden nennen und ihre Bestrebungen als jüdische bezeichnen. So wollen denn auch die Herausgeber des „Botschafter" die ganze Partei des Schultze-Delitzsch'schen Systems die „englisch-jüdische" benennen, und versprechen hierin das Mögliche zu leisten. Man kann freilich den Cigarrenarbeitern und ihren Vorkämpfern nicht zumuthen, daß es ihnen bewußt wäre, wie gerade das Judenthum die wahren socialen Principien enthält, und sie, so weit es ihm möglich und Raum dazu gegönnt war, stets bethätigt hat. Aber sie könnten doch wissen, daß Urheber und Führer ihrer Gegner gerade keine Juden, und ihr eigener Held und Weiser ein Jude gewesen. Doch mit der Widerlegung brauchen wir uns an diesem Orte nicht zu befassen. In dem großen Chaos der Gegenwart wollten wir auch dieses Moment und diese Situation charakterisiren. Nur die eine, wenn auch nebensächliche, Bemerkung gestatten wir uns, daß die Herausgeber dieses social-demokratischen Blättchens in der Thatsache weder socialistisch noch demokratisch verfahren haben, indem sie für den kleinen halben, schlechtgedruckten Bogen wöchentlich den verhältnißmäßig enormen Vierteljahrs-Preis von 12^ Sgr. den Arbeitern abnehmen wollen. Preußen. Trier, im April. (Privatmitth.) Seit'Beginn des verflossenen Winters besteht hier ein T h a l mu d - T h o - ra-Verein, aus circa 50 Mitgliedern, in welchem an jedem Sabbath Vorträge aus Bibel und jüdischer Geschichte gehalten werden. Die Mitglieder besuchen denselben regelmäßig und hören mit großer Aufmerksamkeit die Vorträge an. Zwei unserer renommirten hiesigen jüd. Aerzre, die DDr. Adelheim und Levy, stehen demselben als Vorsteher vor, die ebenfalls regelmäßig anwesend sind. Die Vorträge werden von den Herren Ober-Rabbiner Kahn, Lambert Schloß , Moses Heß und Moses Levy gehalten. Dieser Verein wirkte, bisher schon, außer seinem bestimmten Zwecke, noch in anderer Beziehung sehr wohlthätig, vorzüglich auf harmonisches Zusammenwirken für alles Gute und Bessere. Derselbe hat es sich außerdem zur Hauptaufgabe gemacht, energisch dahin zu wirken, daß hier eine Thalmud-Thora-Schule entstehe, in welcher die Knaben, die die Elementarschule verlassen und sich dem Geschäfte widmen, sowie auch die, welche die hiesige höhere Schule besuchen, noch weiter in den jüdischen Fächern unterrichtet werden sollen. Diese Schule soll sich nicht allein auf. die hiesige, sondern auch auf die Gemeinden des Regierungsbezirkes und auch noch weiter erstrecken, zumal viele auswärtige Knaben.die hiesige höhere Schule besuchen. Das Bedürfniß nach einer solchen Anstalt wird, bei dem religiösen Sinne, der noch im hiesigen Bezirke vorhanden ist, allgemein anerkannt und steht die Realisirung derselben daher auch in Aussicht, wenn nur mit Energie hierfür gewirkt wird. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Auswärtigen, welche sich für die in Rede stehende gottgefällige Anstalt interessiren, ihre Bereitwilligkeit zur Unterstützung und Förderung derselben dem Herrn Oberrabb. Kahn anzeigen würden. Berlin, im April. (Privatmitth.) In diesen Tagen erließ der hochgeachtete Geh. Sanitätsrath, prakt. Arzt und Irrenarzt Dr. Steinthal einen Aufruf an die Mitglieder der hiesigen Gemeinde: „zur Begründung eines Asyls für hellbare und unheilbare Geisteskranke jüdischer Confession nach Kräften beizusteuern," woraus wir folgenden Passus Mittheilen: „Bevor ich auf die Motive meiner dringenden Bitte näher eingehe, will ich nicht unbemerkt lassen,, daß ich den Plan zur Ausführung einer so wichtigen Angelegenheit mit einem unserer competentesten und erfahrensten Sachverständigen, dem Herrn Geheim- Rache vr. Esse, sorgfältig erwogen habe; daß derselbe sich über den ganzen Gedanken in einer mich fast beschämenden Weise ausgesprochen, daß er mir seine thätigste Mitwirkung zugesichert hat, und wir endlich