Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1866)
- Date
- 1866-05-01
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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M wird aber von Herrn Kulke sehr angemessen charakterisirt. Sulzer hat l4 Kinder, von denen ein Sohn Compositeur, eine Tochter Lehrerin an der kaiserlichen Opernschule und eine andere Directrice der k. Oper in Mexiko ist. Trotz seiner 62 Lebensjahre,steht Sulzer noch kräftig seinem Amte vor und ist von fast jugendlichem Eifer beseelt. —•’ Die im 3. Bande des „Jahrbuches für Geschichte der Juden und des Judenthums" von A. Neubauer gelieferte Uebersetzung der Reisebriefe Ob ad ja's von Bartinoro wurde vor Kurzem von Herrn Moses Schwab in den Arch. isr. ins Französische übertragen. Jetzt ist diese Uebertragung auch als Broschüre ausgegeben worden. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, im April. (Privatmitth.) In diesen Tagen erschien hier die Probenummer eines kleinen Wochenblattes: „Der Botschafter, Organ der deutschen Cigarrenarbeiter", die mich zu einigen Bemerkungen veranlaßt. Wer kennt nicht die tiefgreifende sociale Frage über die Verhältnisse des sg. Arbeiterstandes, welche seit mehreren Jahrzehnten so vielfach ventilirt worden ist? Auch hier haben sich zwei Extreme herausgestellt, das eine, welches den Arbeitern jenen Zustand, der Leibeigenschaft bereiten wollte und zum Theil schon bereitet hatte, von der die bäuerliche Bevölkerung allmählich befreit worden ist, einen Zustand, der die Arbeiter völliger Willkühr der Arbeitgeber, der Ausbeutung ihrer Kräfte und der Gebundenheit durch die Gesetzgebung Preis gab; und das andere Extrem, das vermittelst der berüchtigten socialistischen Theorien eine völlige Umwandlung aller wirthschaftlichen 'Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft bewirken wollte. Beide erwiesen sich als unhaltbar. Die entwickelte Gesellschaft kann kein neues Sklaventhum, in welches Gewand es 'sich auch hülle, dulden; sie muß die persönliche Freiheit als die Lebenslust des Menschen jedem Individuum sichern; sie muß dahin streben, Leistung und Lohn eines Jeden auszugleichen. Die Bestrebungen, die Verhältnisse und die Gesetzgebungen gingen und gehen deßhalb dahin aus, jene Zustände zu bessern, zu mildern und auszugleichen. Aber ebensowenig konnte Ken socialistischen Phantasmagorien Raum gewährt werden. Ihr innerer Widerspruch mit demselben Princip persönlicher Freiheit, ihre Mannigfaltigkeit, ihr Mangel ün allem realen Boden, an allen Mitteln der Ausführbarkeit standen ihnen unausbleiblich im Wege und erwiesen ihre Unmöglichkeit Allen, mit Ausnahme derer, die sie ausgeheckt, und die sie verstrickt hatten. Es ergab sich hieraus ein vermittelndes System, das in den letzten Jahren hauptsächlich den Namen des verdienten Schultze- Delitzsch trägt. Associationen, Unterstützungskassen, Dorschußbanken, Consumvereine und eine die freie Bewegung der Arbeiter sichernde Gesetzgebung. zugleich mit der Hebung der Bildung jener machen die Gegenstände dieses Systems aus. Es hatte alle gesunde Vernunft und aufrichtig humane und liberale Gesinnung und das Princip der Entwickelung, das einzig mögliche der menschlichen Gesellschaft, für sich. Ich gebe zu, daß auch hier manches gelehrt wird, was sich nicht gerade als praktisch herausstellt, manches, was erst in einer reiferen Zukunft sich realisiren kann; aber es ist doch ein gesunder Boden gegeben, der mit Fleiß und Ausdauer beackert, vollkräftige Nahrung hervorbringen wird. Und was könnte in der Menschheit-ohne Fleiß, und Ausdauer gedeihen? Aber freilich die Früchte werden erst langsam erzielt, und fallen nicht am. andern Morgen schon in den Schooß. Es ist daher natürlich, daß es der großen Menge der Betheiligten nicht gefällt, und daß die Ungeduldigen sich nach Anderem umsehen. Jedermann kennt die Bewegung, die der im Duell gefallene Lassalle vor einigen Jahren unter den deutschen Arbeitern hervorbrachte. Von diesem Standpunkte nun, der am Ende doch nur ein verkleideter Socialismus ist, da nach ihm alle Finanzkräfte der staatlichen Gesellschaft ein Gemeingut der Fabrikarbeiter werden sollen, geht auch dieses „Organ der deutschen Cigarrenarbeiter" aus. Man erkennt dies schon aus seinem Motto: „Die Arbeiterkind der Fels, auf den die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll", bei dem es schwer fallen sollte, von einem der Arbeiter den Sinn zu erfahren. Das erste Mittel derer, die an der Spitze stehen., ist, die Arbeiter zu isoliren, und als einen in seinen Ansprüchen bevorrechtigten Stand hochzustellen, die Arbeiter, unter welchen sie eigentlich nur die Fabrikarbeiter verstehen, als ob Bauern, Handwerker, Kaufleute, Künstler, Lehrer, Beamte, keine Arbeiter wären. Das zweite Mittel, die