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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-04-24 · Heft 17 (24.4.1866) · p. Seite 267

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 17 (24.4.1866)
Date
1866-04-24
Page
Seite 267 (sequence 11)
Language
German
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m -ende und den Leidenden Kraft in schweren Stunden zu verleihen.". Der Familie, den Freunden und der Gemeinde, bie ihn verloren, wird das Andenken des Heimgegangenen unvergeßlich sein. Sein Grab wird das Gedächtnis unwandelbarer Berufstreue und Menschenliebe wie ein freundlicher Genius umschweben, und den Herben Schmerz über sein nur allzufrühes Scheiden in wchmüthige Erinnerungen wandeln. - > Hamburg, 15. April. (Privatmitth.) Heute begruben wir unfern lieben Freund, den Prediger Dr. Frankfurter. Wenn von irgend Einem das Wort gilt mi scheriiach ha-beriot «ocheh li^meno Ruach habore nocheh h6meno (wer vor den Menschen beliebt ist, der ist auch vor Gott beliebt), wenn es von Einem heißen kann, „So Gott die Wege eines Mannes gefallen, macht er, daß auch seine Feinde Frieden mit ihm schließen," so ist dies bei Frankfurtern der Fall. gewesen. Er hatte ein warmes Herz für Freiheit und Licht, für seine Familie und Freunde und insbesondere für das ganze große Israel. Viele solcher jüdischen „Patrioten" dürfte es wohl nicht geben,- und in allen Gestalten war ihm das Judenthum, an dessen Kern er sich mit allen Kräften seines Geistes an klammerte, werth und hochgeschätzt. Mein Trost ist, sagte er noch in den letzten Stunden, daß ich die tröstende Auslegung des Verses Ki lo be-molo jikkach haccol, lo jsl'sv acharow kebodo, acceptire, ich nehme nicht Alles, d. i. meine Familie, mit mir, meine Ehre, und das ist un-. ser Tempel, wird nach mir bleiben. Alle seine Anschauungen, alle seine Gefühle waren immer innerhalb des Judenthums geblieben, die Coquetterie nach draußen war ihm immer so fremd und zuwider, wie alle Gefühlsschwärmerei. Und so schied er auch, wie er es gewünscht hatte, mit unserer großen, unvergänglichen Parole auf den Lippen. Für den Tempel ein sehr harter Schlag. Die Stelle eines ersten Predigers wird schwer wieder zu besetzen sein; obwohl nur wenige jüdische Rabbinats-' Stellen in Europa vorhanden sind, wo der Tartüffe- Mantel nicht gefordert wird, und diejenigen, die ihn bisher getragen haben, sich nicht leicht davon werden trennen wollen. Indessen ist vielleicht die Zeit der Tartüfferie jetzt bei den Juden vorüber, nachdem auch das Berliner Rabbinat auf lichteren Wegen wandeln wird. Berlin und Hamburg im Bunde, da kann schon etwas gethan werden im deutschen Israel, wenn dev Vorrath von Willen und Kraft ausreicht. Selten hat wohl Jemand so viele aufrichtige und persönliche Freunde gehabt; denn Jeder, Jeder., der mit ihm in Berührung kam, war es oder ward es. Der Leichenzug bestand aus weit über 100 Wagen und einer großen Volksmenge aus allen Klassen. Die religiöse Feier (es ist das erste Mal, daß der Tempel einen im Amte stehenden Prediger verliert) war einfach und würdig. Eine kurze Rede von dem Collegen des Verstorbenen, Hrn. Dr. Jonas, vor- und nachher kurzer hebräischer und deutscher Chorgesang, eine Stunde später im Tempel eine Todtenfeier, worin das große Mah rab Tubecha gesungen ward, und dann nochmals eine kurze Rede des Hrn. Dr. Jonas zwischen zwei Liederversen, machten tiefen und nachhaltigen Eindruck. Brünn, 11. April. Die Nummer 6 der hier erscheinenden humoristischen Zeitschrift „Wau-Wau" hatte unter der Überschrift „Trichinen und Creditanstalt" einen Artikel gebracht, in dem die Preßpolizei eine Aufwiegelung gegen die Juden sah, und daher die Beschlagnahme des Blattes verfügte. Gegenüber dem Anträge der Staatsanwaltschaft auf Schuldigsprechung und Strafe von fünf Monaten Arrests erkennt der Gerichtshof mit drei Monate strengen Arrests. . Lemberg, 12, April. Das Krakauer städtische Gemeindestatut, welches, wie mitgetheilt worden, keine Beschränkungen confessioneller Art enthält, hat die kaiserliche Sanction erhalten. Aus Ungarn, 11. April. (Pr.) Wie uns aus dem Turoczer Comitat gemeldet wird, hat der dortige Obergespan Baron Revah einen Israeliten zum Comitats- Phhsicus ernannt. Dieses dem Principe der Gleichberechtigung Rechnung tragende Vorgehen des Obergespans verdient nach der Ansicht unseres Berichterstatters umsomehr Anerkennung, als dies der erste Fall ist, wo ein Jude zu einem Comitats-Phhsicate zugelassen wurde. Es muß recht traurig um die Verwirklichung der Fortschrittsideen in Ungarn bestellt sein, wenn dieses Vorgehen des Barons Revay laute Bewunderung Hervorrufen kann. 17»

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